TW: In diesem Text geht es mehrmals ums Sterben.
Ich glaube, ich will gar nicht heiraten. Mittlerweile habe ich so oft über die Ehe für alle diskutiert, dass mir das Heiraten verleidet ist. Wie wenn man den ganzen Tag Cremeschnitten zubereitet und nach einer Weile keine Cremeschnitten mehr sehen kann. Mit dem Unterschied, dass Cremeschnitten nicht unterscheiden zwischen Homo und Hetero. Cremeschnitten sind für alle da. Die Ehe nicht.
Ich bin bekanntlich linksradikal (man sah es meiner vorletzten Kolumne an, in der ich damit schockierte, Hakenkreuze blöd zu finden). Mich sollte eine so bürgerliche Erfindung wie die Ehe wirklich nicht interessieren. Zweierbeziehungen! Vom Staat abgesegnet! Für immer! Horror. Dabei geht ganz oft vergessen, dass es noch ganz andere Gründe gibt, die Ehe für alle cool zu finden. Hier darum meine Lieblingsgründe.
Anna Rosenwasser, 1990 geboren und in Schaffhausen aufgewachsen, wohnt in Zürich. Sie arbeitet für die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und als freischaffende Journalistin.
Lieblingsgrund Nummer eins: Die Ehe für alle hat auch eine Wirkung auf jene, die nicht heiraten. In mehreren westlichen Staaten, unter anderem in den USA, sank die Teenager-Suizidalität um bis zu 14 Prozent, als die Ehe für alle eingeführt wurde. (Interessanterweise auch die Suizidalität von heterosexuellen Jugendlichen, nicht nur homo- und bisexuellen.) Teenager sind nicht gerade bekannt für ihre Heiratswilligkeit. Aber ihre psychische Verfassung wird positiv beeinflusst von einer Gesetzgebung, die Menschenrechte respektiert. Das hat Signalwirkung.
Mein zweiter Lieblingsgrund ist historisch (und happig): Als die Forderung nach der Ehe für alle erstmals aufkam, gings nämlich gar nicht ums Heiraten. Es ging ums Sterben. Während der AIDS-Pandemie wurde nämlich plötzlich klar: Wenn eine Person im Sterben lag, war alle Entscheidungsmacht bei der Familie. Egal, wie unterstützend oder – zu der Zeit wahrscheinlicher – queer-feindlich diese Familie war. Sie konnte den sterbenden Menschen im Spital besuchen gehen und über die Beerdigung entscheiden. War die sterbende Person trans, konnte so prompt der alte Name auf dem Grabstein landen. Die gleichgeschlechtliche Partnerin oder der gleichgeschlechtliche Partner hatten alle diese Rechte nicht. Gott bewahre, wenn Kinder im Spiel waren, die waren ebenfalls ohne Schutz. Weil es kein rechtliches Gefäss gab.
Der dritte Grund, warum ich für die Ehe für alle bin: Ich habe kein Recht, Leuten vorzuschreiben, wie sie ihre Liebe leben. Ganz egal, wie traditionell oder wild ihre Vorstellungen von Zusammensein aussehen. Du heiratest aus juristischer Notwendigkeit? Gut für dich. Du lebst in einer vierköpfigen Poly-Kommune? Legitim. Du willst ganz in Weiss heiraten und Hochzeitseinladungen mit Diddlmäusen verschicken? More power to you.
Bei der Ehe für alle geht es nicht darum, ob Herr und Frau Schweizer die Vorstellung von Lesben und Schwulen befürworten. Wer Homo-Ehen eklig findet, soll keine eingehen. Es geht darum, dass wir allen Menschen die gleichen Rechte geben. Mit dem neuen Beschluss unseres Parlaments haben Frauenpaare übrigens noch immer weniger Rechte als Heteros. Damit ist die Ehe noch immer weniger fair als Cremeschnitten. Macht die Ehe endlich gleich fair wie Cremeschnitten.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.