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Fussball, die bessere Fasnacht

Sieg oder Niederlage, kurz: Olémine. Darum geht es in der fünften Ausgabe des St.Galler Fussballmagazins SENF. Am Donnerstag wurde die neue Nummer im Fanlokal getauft. Erstmal wurde aber über Gefühle geredet.
Von  Corinne Riedener
Von links: Yvette Sanchez, Jaan Schaller, Ruben Schönenberger und Bruno Zanvit (Bilder: Fabian Rietmann)

Die Abkürzung SENF steht dieses Mal für «Siege erleben, Niederlagen fühlen». Um dieses Spannungsverhältnis, um die «emotionalen Extreme», wie es im Editorial heisst, geht es in der jüngsten SENF-Ausgabe.

Niederlagen. Die kenne man als FCSG-Fan durchaus, erklärt Bruno Zanvit vom SENF-Kollektiv am Donnerstagabend an der Lämmlisbrunnenstrasse. Siege ebenfalls. Hin und wieder. Rational erklären könne man die damit verbundenen Emotionen zwar nicht wirklich, an diesem Abend könne man aber zumindest darüber reden, über diese Gefühle…

Dazu bereit erklärten sich Yvette Sanchez, Professorin für Spanische Sprache und Literatur an der HSG und Expertin für südamerikanischen Fussball und Fussballkultur im Allgemeinen, Jaan Schaller, die dienstältere Hälfte des Adrenalin-Teams von Radio Toxic, und Ruben Schönenberger vom SENF-Kollektiv, das auch regelmässig für Saiten schreibt.

Lebensschule ja oder nein?

Fussball, ob nun im Stadion, auf dem Platz, im Radiostudio, vom Sofa oder von der Badewanne aus, sei Emotion pur. Darüber sind sich die Gäste sofort einig. Ob das Fan-Dasein auch eine Art Lebensschule sei, darüber teilen sich die Meinungen. «Heutzutage wird doch fast alles als Lebensschule verkauft», findet Schaller und darum: «eher nicht». Schönenberger widerspricht, schliesslich lerne man als Fan nicht nur mit Siegen und Niederlagen, sondern auch mit allen möglichen Leuten umzugehen.

Klar doch, pflichtet ihm Basel-Fan Sanchez bei. Man projiziere unheimlich viel in den Fussball hinein; Frust, Triumphe, Ängste und Hoffnungen. Dabei könne man immer wieder etwas dazulernen, gerade auch, wenn es um den Umgang mit problematischeren Fussball-Aspekten wie Gewalt oder Rassismus gehe.

Anmalen, verkleiden und ausflippen

Das tolle am Fussball für Sanchez: Man kann Grenzen austesten. «Im Stadion macht man Dinge, die man sonst nicht tun würde; sich anmalen, verkleiden, ausflippen. Ähnlich wie an der Fasnacht.» Schwierig werde es allerdings dann, gibt sie zu bedenken, wenn die Stimmung ins Aggressive oder Destruktive kippe.

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Ha – wereliwer ist das wohl auf dem neuen SENF-Cover?

Verlieren ist also das Stichwort. In St.Gallen habe man damit keine allzu grossen Probleme, sagt Schönenberger. «Schliesslich können wir aus ziemlich vielen Niederlagen auswählen.» Sanchez sieht es ähnlich locker, argumentiert aber dialektisch: «Sieg und Niederlage sind für mich keine Gegensätze. Wenn ich irgendwo triumphiere, auch im Leben, versuche ich das Scheitern immer mitzudenken – und umgekehrt.»

Zürich: Wo bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz?

Verloren haben bekanntlich auch die Tsürcher respektive die dortigen Fans, die immer noch ins Letzigrund müssen, wo normalerweise die Leichtathleten kurven. «Zürich ist tot, weil es kein eigenes Fussballstadion hat», sagt Schaller. Sanchez findet es in erster Linie bedenklich, dass eine derart reiche Stadt nein zu einem Stadion sagt und fragt sich: «Wo bleibt da die gesellschaftliche Akzeptanz?»

«Heimatlos» zu sein, sagt Schönenberger, wirke sich durchaus auf die Gefühle aus. «Die grossen Siege zum Beispiel verbindet man immer auch mit einem Stadion – in St.Gallen ist es das Espenmoos.» Schaller nickt zwar, kann aber nur bedingt mitreden, da er während den Spielen für gewöhnlich nicht in der Kurve steht. Ihm geht es währen der Live-Sendung vor allem um eins: «Emotionen rüberbringen, all jenen, die nicht im Stadion sein können.»

SENF #5: Olémine, ab sofort erhältich, im Fanlokal oder via senf.sg.
Hier gehts zur Saiten-Kolumne des SENF-Kollektivs.

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