Kategorie
Autor:innen
Jahr

Abgetauchte Asylsuchende: Die Hass-Anfrage

Das Instrument der Einfachen Anfrage lässt sich mit Vorurteilen, Faktenklitterung und Panikmache bequem zur parlamentarischen «Hass-Anfrage» aufrüsten. Der Thurgauer SVP-Kantonsrat Jürg Wiesli liefert mit der Thematisierung von angeblich in Massen abgetauchten Asylsuchender in Kreuzlingen ein Beispiel für derartige politische Stimmungsmache.
Von  Harry Rosenbaum

«Schwarzmarkt, Prostitution, Kriminalität?» – lauten die rhetorisch gestellten Fragen von SVP-Kantonsrat Jürg Wiesli. Sein Vorstoss ist in diesen Tagen von der Thurgauer Kantonsregierung beantwortet worden. Doch die Antwort hat der Parlamentarier schon in seiner Einfachen Anfrage vorweggenommen. «Bedrohung für den Thurgau durch das Abtauchen von Asylbewerbern im Asylzentrum Kreuzlingen» heisst sie.

50 bis 90 Prozent der Asylsuchenden würden in den ersten Tagen in der Schweiz untertauchen, schreibt Wiesli. Unrühmlicher Spitzenreiter sei dabei das Empfangszentrum (EVZ) Kreuzlingen, nahe der deutschen Grenze. Wiesli beruft sich dabei auf die «Sonntagszeitung» und «Le Matin Dimanche» respektive auf Dokumente des Staatssekretariats für Migration (SEM), die von den beiden Sonntagsblättern zitiert wurden.

Keine gesicherten Erkenntnisse zu Wieslis Behauptungen

Die steigende Zahl an Illegalen führe zu einer starken Belastung des Systems und Polizeieinsätz nähmen zu, will der SVP-Mann weismachen. «Die illegalen Asylanten führen dort zu Spannungen in der Bevölkerung, wo grössere Flüchtlingsansammlungen auftreten, um Asylheime, Bahnhöfe, Einkaufszentren und Freizeitanlagen.» Fakten für diese These liefert Wiesli aber keine. Stattdessen werden weitere Behauptungen aneinandergereiht: Konkurrenzierung von Thurgauer Gewerbeunternehmen durch Schwarzarbeit, Beschaffungskriminalität durch Drogenhandel und Ausbreitung der Prostitution.

Die Thurgauer Regierung teilt die apokalyptischen Ängste von Wiesli nicht. Von Juni bis August 2016 habe der Anteil von Personen, die kurze Zeit nach Stellen eines Asylgesuches unkontrolliert abreisten, um 40 bis 60 Prozent zugenommen. Seither sei dieser Anteil jedoch wieder zurückgegangen, heisst es in der Antwort. Und weiter: Es bestünden keine gesicherten Erkenntnisse über eine allfällige Zunahme von Verurteilungen wegen Schwarzarbeit oder krimineller Handlungen zur Deckung des Lebensunterhaltes untergetauchter Asylbewerber sowie über einen etwaigen Anstieg illegaler Prostitution.

Die Asylthematik ist kein Kürbiswägen

Die politisch Besonnenheit ist nicht Wieslis Ding, dafür aber die politische Scharfmacherei. Der Bäckermeister aus Dozwil gehört in der Thurgauer Politlandschaft zu den abstrusen Figuren. Er liess sich 2012 auf der Liste der Grünliberalen (GLP) ins Kantonsparlament wählen. Bei seinem Übertritt ein Jahr danach zur SVP sagte er: «Meine wertkonservativen Gesellschaftseinstellungen haben immer wieder zu Diskussionen geführt. Ich glaube, dass ich mit meinem Parteiwechsel sowohl der GLP als auch mir selber einen Gefallen mache.»

Damit mochte Wiesli nicht unrecht gehabt haben. Aus GLP-Kreisen hiess es nämlich, dass Wiesli ein Chaot und Selbstdarsteller sei, Unwahrheiten verbreite und sich in der Öffentlichkeit unflätig über GLP-Vertreter im Nationalrat geäussert habe.

Der Schweizermeister im Kürbiswägen aus dem Jahr 2013 kandidierte 1999 erfolglos auf der Liste des rechtskonservativen «Schweizer Bürgerforums» für den Nationalrat. Ihm wird politische Nähe zur EDU, zu den Schweizer Demokraten und zur Lega nachgesagt. Eine Mitgliedschaft bei der Kreationisten-Sekte St. Michael in Dozwil bestreitet er, gibt aber zu, dass er Gottesdienste der Freikirche besuche, weil ihm die Messegestaltung gefalle.

Jetzt mitreden: 1 Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Medienspiegel: 5. Dezember 2016 | antira.org,  

… Asylsuchender in Kreuzlingen ein Beispiel für derartige politische Stimmungsmache. http://www.saiten.ch/abgetauchte-asylsuchende-die-hass-anfrage/ -> …

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024