«Keine Liebeslieder, dafür geballter Trotz auf düsteren, eingängigen Beats», heisst es in der Beschreibung zum neuen Album von Odium & Thedawn. Out und Arm sei eine «50-minütige Rap-Tirade gegen hohe Rösser, Hipsterglump, blinden Wohlstand, Überwachung und verwahrloste Gehirne; gegen die verkehrte Welt». Da werde nichts schöngeredet und niemandem nachgelaufen.
Das stimmt, und so kennen wir Simon Furgler aka Odium auch: konsequent mit einem Bein in der Verschwörungstheorie und gerne mal «alte Zeiten» glorifizierend. Technisch stets einwandfrei, was bei Rap aus der Ostschweiz nicht immer der Fall ist. Und wenn man sich die Texte genauer anhört, wird auch klar, dass Odium nur bedingt reaktionär oder verschwörungstheoretisch drauf ist, sondern vor allem kritisch. Allem und allen gegenüber, am meisten sich selbst.
Ein Album, eine Haltung
Für ihr fünftes Album haben sich Trilogy’s Odium und der wunderbare Beatbastler Thedawn (Nils Halter) ganze fünf Jahre Zeit gelassen. Das hat sich gelohnt, denn Out und Arm wirkt reifer, raffinierter und auch inhaltlich vehementer als ältere Kooperationen. Nicht, dass die alten Sachen schlecht wären, im Gegenteil, aber wenn frau schon fünf Jahre lang warten muss, erwartet sie auch eine musikalische und textliche Entwicklung – nicht denselben Shit wie vorgestern.
«Dägägä si isch a) min Drang und b) min Stil», rappt Odium in 1984. Diese Haltung zieht sich durch das ganze Album – mit der nötigen Portion Selbstironie zum Glück, aber heutzutage geht das ja auch gar nicht mehr anders. Manchmal äussert sich dieser Trotz in träfen antikapitalistischen Lines wie «So wönds s’letscht Hemd geh, für e System, wo’ne wird s’letscht Hemd neh» – manchmal wiederum mit eher irritierenden Statements wie «Hüt sind d’Maitle Buebe und d’Buebe Maitle». Wo ist das Problem, Alter? Endlich können alle alles sein und das ist gut so!
Pfrässi, Flows Powers
«Provokation ja, aber nicht um der Provokation willen.» Das ist (und war immer) Odiums Motto. Unter anderem. Ein schmaler Grat zwar, aber im Rap gehört diese Attitüde nunmal zum Tagesgeschäft. Und in seinem Fall kann man das getrost unterschreiben, denn verglichen mit Clowns wie Flows Powers, die nichts können ausser haten und trollen – man schaue sich zum Beispiel diesen unsäglichen Post zum Weltfrauentag an –, haben Odiums Provokationen wenigstens einen mehr oder weniger reflektierten Unterbau, was Tracks wie Weltling, Unmatched, Fichenzeichen XY, Out und Arm oder Trott zeigen.
Odium & Thedawn: Out und Arm. Erschienen bei Zona 167 Produzioni, erhältlich als MP3 und Doppel-Vinyl.
Ausser vielleicht der Diss-Track gegen Knakeboul, der schiesst etwas übers Ziel hinaus. (Eine «Disziplin» übrigens, die auch Flows Powers virtuos beherrscht – seine mutmasslich einzige.) In Diss jedenfalls rappt Odium darüber, wie Knackeboul vom «Zambo»-Kinderstar zum Rapper wurde, verurteilt ihn als «Hobbyphilosoph» und «Schweizer Justin Timberlake» und empfiehlt ihm zum Schluss, aus dem Fenster zu springen. Kann man machen, ist aber auch reichlich abgedroschen, solange die Kritik substanzlos bleibt. Es gäbe bessere Projektionsflächen, wenn es um die Abgründe der Musikindustrie und dem dazugehörigen Game geht. Gerade im Rap.
Heiss, stickig und mehr als feuchtfröhlich
Diesbezüglich sind Odium & Thedawn bekanntlich sehr konsequent. Es ist kein Geheimnis, dass die beiden schon seit Jahren hätten gross (oder zuminsest grösser) rauskommen können. Aber sie ziehen das Kleine, das Kantige und Eigenwillige vor. Entsprechend war auch die Plattentaufe im «Fätt» am 19. Mai: eine halbwegs geheime Show für Fans und Eingeweihte, fach- und sachkundig eingeführt von Doppia Erre, auf dessen Label Out und Arm auch erschienen ist.
Odium & Thedawn live: 2. Juni, 22 Uhr, Café C, Herisau.
Es war verdammt heiss, stickig und mehr als feuchtfröhlich in diesem Keller. Aber trotz dem ganzen Trubel – man könnte die Party auch als «Klassentreffen» bezeichnen – waren zwei Dinge einmal mehr nicht zu leugnen: Kaum einer flowt so nice wie Odium auf St.Gallerisch. Auch live. (Abgesehen vielleicht von «Onkel» Microbatik, der auch einen Freestyle zum besten gab – den ersten seit langem.) Und: Die epischen-düsteren Thedawn-Beats sollte man sich idealerweise live oder mit Kopfhörern geben.
Bleibt noch der Wunsch für die Zukunft: Bitte mehr Trap, Bass und söttigs! Dass Odium & Thedawn auch dieses Subgenre beherrschen, ist nämlich spätestens seit dem Konzert von Ocean Wisdom letzten Dezember bekannt, für das sie alte Tracks neu vertrappt haben.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.