Kategorie
Autor:innen
Jahr

Bandraum-Festival Disorder: Der musikalische Untergrund ruft

Am Disorder-Festival kann man in die Proberäume von rund 20 St.Galler Bands hinuntersteigen. Was die Zuhörer dort genau erwartet, ist unklar: Chaos und Improvisation bleiben auch im fünften Jahr des Festivals Programm.
Von  Urs-Peter Zwingli
Bild: Thiemo Legatis

«Die Vielfalt der St.Galler Musikszene ist gross, und das gilt auch für ihre Proberäume», sagt Thiemo Legatis von den Organisatoren des Bandraum-Festivals Disorder. In den mittlerweile fünf Jahren, in denen Legatis einer der Köpfe hinter dem Disorder ist, habe er teils «herrliche» Proberäume gesehen, daneben aber auch die Klassiker: ungeheizte Garagen, düstere Keller, niedrige Estriche – Vielfalt eben.

Diese kann man am Disorder am 28. und 29. September selber entdecken: Rund 20 St.Galler Bands laden dazu ein, sie in ihren Proberäumen zu besuchen und Konzerte sowie Ungeplantes anzuhören und zu beobachten. So gab es in den letzten Jahren etwa Kopfhörer-Konzerte, Jam-Sessions in Garagen und Bands, die ihre Zuhörer auf der Strasse aus dem ersten Stock beschallten.

Grossartige Gastfreundschaft

Das Festival bleibt seinen Wurzeln treu: Statt einem fixen Eintritt gibt es im Anschluss an die Konzerte jeweils eine Kollekte. Am Festivalwochenende werden die Spielzeiten der Bands auf die Website disorder.ch aufgeschaltet. Mit Hilfe dieses Zeitplans kann man sich dann durch die Proberäume treiben lassen. Diese sind alle auf St.Galler Stadtboden. Die Planung ist so ausgelegt, dass man mehrere Bands an einem Abend besuchen kann.

Dieses Umherziehen und Eintauchen in verschiedene Orte macht den untergründigen Charme des Disorders ein Stück weit aus. «Die Zuschauer wissen mittlerweile, dass sie nicht Perfektion, sondern Chaos und Improvisation erwarten dürfen», sagt Legatis. Das heisst: Es wird vielleicht eng, wahrscheinlich laut, sicher aber ist laut dem Organisator eines: «Die Gastfreundschaft der Bands war immer grossartig.» Tatsächlich darf man sich als Besucher oft ein Bier aus dem Bandraum-Kühlschrank nehmen und sich aufs abgewetzte Ledersofa sinken lassen – wahre Bandraumkultur eben.

Von DnB bis Irish Folk

Seine Route durch die Stadt kann man sich beispielsweise nach Musikstilen zusammenstellen – von DnB bis Irish Folk ist das Angebot bunt gemischt. Die Türen zu ihren Räumen öffnen etwa die St.Galler DnB-Urgesteine Local Bass Movement, deren Bass-Abende in der Tankstell Bar mittlerweile Kultstatus haben.

Und auch Die Üblichen Verdächtigen um den Rapper E.S.I.K. laden in die Reithalle ein: Dort befindet sich ihr Proberaum, den die Band Ende September räumen muss – Grund genug für ein Abschiedsfest mit Freestyle und Überraschungsgästen.

Ebenfalls aus der St.Galler Rap-Szene kommt Doppia Erre. Dieser präsentiert u.a. Songs aus seinem neuen Album.

Ein altbekannter Disorder-Gastgeber ist auch das Café Deseado, das zu einer öffentlichen Probe mit Kaffee und Kuchen einlädt.

Treu zeigt sich die Post-Rock-Band Karluk: Diese ist schon zum fünften Mal am Disorder vertreten.

Daneben sind aber auch junge Bands am Start, die man entdecken kann. «Das Disorder ist eine gute Plattform für Bands, die etwas ausprobieren wollen oder noch nicht viele Konzerte gespielt haben», sagt Legatis dazu.

Disorder Bandraumfestival: 28./29. September u.a. mit Doppia Erre, Local Bass Movement, Café Deseado, Elio Ricca, The Peoples Republic, Karluk, Yellow Cake, DRILL, Die Üblichen Verdächtigen, Hary & Lutz, Eibish, The Green Socks, Mary’s Home, Swissmayd, KOLOURS, Herr Schneider.

Band-Anmeldungen und Zeitplan unter disorder.ch

Ansonsten lebe das Festival von und aus der lokalen Musikszene. «So lange die Bands Lust darauf haben, existiert das Festival», sagt Legatis, darauf angesprochen, wie er die Zukunft des Disorder sieht. Aber eben: Allzu weit in die Zukunft planen wollen dessen Organisatoren sowieso nicht. Chaos eben.

Dazu passt, dass sich weiterhin Bands über die Website anmelden können – trotz der dort aufgeführten Deadline vom 8. September. «Dass Bands eine Deadline einhalten, ist sowieso illusorisch, das war eher als Anhaltspunkt gedacht», sagt Legatis und lacht. Das Programm des Disorder bleibt also im Fluss.

 

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von  René Hornung
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von  Vera Zatti
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von  Pius Frey  und  David Gadze
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von  Mia Nägeli

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von  Vera Zatti
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd