Kategorie
Autor:innen
Jahr

Bikinifigur my ass

«Was wäre, wenn Frauen mal für eine Weile nicht daran denken müssten, ob sie schön sind, Sondern an Hummus, Katzen und guten Sex?», fragt unsere Kolumnistin Anna Rosenwasser
Von  Gastbeitrag

Sonntagmorgen, Gemeindezentrum, veganes Brunchbuffet. Atmosphäre: Yoga-Lehrerinnen-Treffen. Meine Laune: übertrieben friedlich. Aber bloss bis zu dem Moment, in dem ich Nachschub am Buffet hole.

Frau eins hinter dem Tischli sagt: «Ui nein, heute wird ja total wenig Zopf gegessen!» und Frau zwei antwortet: «Stimmt! Ja gäll, so ist das halt im Sommer, da achten halt alle auf ihre Bikinifigur, hahaha», und Frau eins dann auch so: «Hahaha» und ich so: «SEID RUHIG, GENAU DIESE  KONVERSATIONEN HASSE ICH», aber ich dachte es nur. Wollte ja die Yoga-Lehrerinnen-Atmosphäre nicht zerstören.

Anna Rosenwasser, illustriert von Lukas Schneeberger.

Zen und Chakren beiseite. Ich hasse den Ausdruck Bikinifigur. Bikinifigur my ass. Wenn wir es genau nehmen, wäre eigentlich jeder Körper, der in einem Bikini steckt, eine Bikinifigur. Fertig. Aus. Abspann. Aber nein, dann kamen das Patriarchat und der Kapitalismus – seit Jahrzehnten best friends – und fanden, weisch was, wenn jede Frau sich komplett beschissen fühlt in ihrem Körper, wird sie sicher ganz viele Dinge kaufen, um sich besser zu fühlen!

Und sie hatten Recht. Und jetzt kommen gutmeinende Influencerinnen und gutmeinende Firmen und sagen, heeey, du bist schön, egal, wenn du bitzli dick bist oder bitzli Cellulite hast oder bitzli eine Behinderung, du bist total schön. #inspiring #bodypositive #everybodyisbeautiful

Und das ist ja alles total gut gemeint. Ich kann ja jetzt nicht so tun, als hätte ich den Feminismus erfunden und ihnen allen erklären, es sei falsch, wenn sie Frauen sagen, sie sollen sich schön fühlen. Aber: Wäre es nicht sehr viel sinnvoller, wenn Frauen sich mal einfach nicht schön fühlen müssten? Ganz unabhängig davon, ob sie Kleidergrösse XS haben und komplett haarlos sind? Was wäre, wenn Frauen mal für eine Weile gar nicht daran denken müssten, ob sie schön sind? Sondern an Hummus und Katzenheime und guten Sex? (Daran denke ich, wenn ich ausnahmsweise mal nicht daran denke, ob ich schön bin.)

Aber es geht nicht. Wir können nicht nicht an unser Aussehen denken, wenn ein riesiger Teil unseres ganzen Umfelds suggeriert, dass wir scheisse aussehen (Frauenmagazine, Werbung, unsere ganze Kultur) – und der andere, winzige Teil sagt: Du bist eigentlich total schön, trotz all deiner mega-schlimmen Makel, aber es ist deine eigene Verantwortung, dass du dich schön fühlst, trotz allem.

Und da liegt der Denkfehler. Es liegt nicht in der Verantwortung jeder einzelnen Frau, sich schön zu fühlen, und dann auch noch TROTZ ihres Aussehens. Es ist strukturell, patriarchal und kapitalistisch bedingt, dass wir uns scheisse fühlen in unseren Körpern. Aber das klingt halt eben nur halb so schön wie #bodypositive.

Es ist so viel einfacher, zu tun, als wäre Sich-hässlich-Fühlen ein individuelles Problem. Nicht einfacher für uns, nein, uns Frauen macht es ein Leben lang fertig. Aber einfacher für alle anderen. Und dann läuft Mikas Big girls, you are beautiful im Ausgang und alle feiern mit, aber dicke Menschen finden wir dann schon abstossend. Fragen uns nicht, warum. Haben Angst, selbst so auszusehen. Glauben dann, selbst daran schuld zu sein. Und verzichten auf das zweite Stück Zopf am veganen Brunch im Gemeinschaftszentrum.

Anna Rosenwasser, 1990 geboren und in Schaffhausen aufgewachsen, wohnt in Zürich. Sie arbeitet als Geschäftsführerin für die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) und als freischaffende Journalistin.

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40