Kategorie
Autor:innen
Jahr

Chef mit «Ostschweizer Brille»

Das tönt nach Idealbesetzung: Stefan Schmid, früher Inlandredaktor und Blattmacher in St.Gallen und jetzt Inlandchef der AZ-Medien, wird neuer Chefredaktor des «St.Galler Tagblatts» und seiner Kopfblätter. Er verspricht, das Regionale zu stärken.
Von  Peter Surber , 
Stefan Schmid, designierter regionaler Chefredaktor

Teamplayer mit Chefqualitäten: So kennt, wer ihn kennt, Stefan Schmid als Fussballer. Seine Position ist im Zentrum: dort, wo die Bälle verteilt und die Fäden gezogen werden. Und so hat er sich bislang auch journalistisch bewährt. Klar in der Haltung, konziliant im Ton, kommunikativ begabt, lustvoll im Kommentieren und zupackend als Gesprächsmoderator: Dem Neuen geht ein guter Ruf voraus.

Die Generation U40 übernimmt

Stefan Schmid, 38, aufgewachsen in Wittenbach, studierter Historiker und Politikwissenschaftler, war bereits von 2005 bis 2009 als Inland-Redaktor in St.Gallen tätig, von 2009 bis 2011 war er Blattmacher und Mitglied der Chefredaktion. «Ich habe den Grossteil meiner journalistischen Karriere für das ‹Tagblatt› gearbeitet und freue mich daher sehr, als Chefredaktor zu dieser Zeitung – und gleichzeitig in meinen Heimatkanton – zurückzukehren», wird Schmid in der heutigen Medienmitteilung aus dem Haus NZZ zitiert.

Schmid folgt auf Philipp Landmark, der mit der Zusammenführung der St.Galler und Luzerner Redaktion unter einem Dach seine Stelle verloren hat. Schmid wird als Chefredaktor allerdings nur die Nummer zwei unter dem seit rund einem Monat tätigen publizistischen Gesamtleiter der NZZ-Regionalmedien «Tagblatt» und «Neue Luzerner Zeitung», Pascal Hollenstein. Er erhält aber eine leicht umbesetzte und verjüngte Redaktionsleitung an seine Seite, die ebenfalls für kommunikatives Flair, Ostschweiz-Bezug und Qualitätsjournalismus steht.

Neu ins Leitungsgremium gewählt wurde der Ressortleiter «Ostschweiz» Andri Rostetter. Der 36-jährige Journalist kam 2008 zum «Tagblatt». Rostetter hat in Bern und Freiburg Geschichte und Germanistik studiert. Er löst in der Chefredaktion Bruno Scheible ab, der eine neue Funktion übernimmt. Online-Chefin Sarah Gerteis, Jürg Ackermann, Leiter der überregionalen Ressorts, sowie «Ostschweiz am Sonntag»-Chef Silvan Lüchinger verbleiben auf ihren Posten in der Chefredaktion.

Neben dem «St. Galler Tagblatt» verantwortet Schmid laut Medienmitteilung auch die Regionalausgaben «Appenzeller Zeitung», «Wiler Zeitung», «Toggenburger Tagblatt» sowie die «Ostschweiz am Sonntag». Nicht aber die «Thurgauer Zeitung»: Deren Position wird noch einmal unabhängiger, ihr Leiter David Angst wird zum Chefredaktor befördert.

Hollenstein verspricht: «Diese Chefredaktion steht für eine moderne Publizistik mit Pfiff und Präzision sowohl online wie im Print. Sie bietet darüber hinaus Gewähr für eine starke ostschweizerische Stimme im Schweizer Medienkonzert.»

Schmids Ostschweizer Brille

Den Ostschweiz-Schwerpunkt betont auch Stefan Schmid: «Meine Aufgabe ist es, die regionale Kompetenz des Tagblatts zu stärken. Es braucht einen professionellen Mantel mit den überregionalen Ressorts – aber die Priorität liegt ganz klar bei der Region.» Darum habe man wohl auch einen wie ihn mit «Ostschweizer Stallgeruch» (blödes Wort, wie Schmid selber findet) zurückgeholt.

Der Mantel – das ist eine der Kniffligkeiten der Redaktionsfusion mit Luzern. Wer kommentiert künftig die nationale Politik? Wie werden überregionale Wirtschafts- und Kulturthemen behandelt, bei denen oft auch regionale Interessen mitspielen? Entschieden sei noch gar nichts, sagt Schmid. Zusammen mit Gesamtleiter Hollenstein und dem neuen Chef in Luzern gehe es nun darum, den künftigen Mantel «Schritt für Schritt» zu entwickeln.

In Luzern ist die Personalie inzwischen auch geklärt: Jérôme Martinu heisst dort die neue Nummer eins bzw. Nummer zwei hinter Hollenstein. Der 41-jährige Martinu arbeitet seit 2002 als Sport- und Regionalredaktor bei der «Neuen Luzerner Zeitung»; 2012 wurde er stellvertretender Chefredaktor.

Schmid verspricht, auch bei nationalen Themen «das Heft nicht aus der Ostschweizer Hand zu geben». Er nennt Beispiele: Beim Finanzausgleich ticke die Zentralschweiz anders als die Ostschweiz; der starke Franken betreffe eine Grenzregion besonders stark, und auch sonst habe jede Region ihre politischen Empfindlichkeiten. Mit einer gemeinsamen Bundeshausredaktion (AZ-Medien und Südostschweiz) habe er aber bereits gute Erfahrungen gemacht. Und klar sei: «Wir werden die Ostschweizer Brille aufsetzen, wann immer wir können.»

«Eine Zeitung, die bewegt»

Gefragt nach den Schwächen des «Tagblatts» heute, bleibt der neue Regionalchef diplomatisch. Die früheren und künftigen Kollegen zu kritisieren, wäre «schlechter Stil» – auch wenn er natürlich Ideen habe, was man anders machen könnte. Positiv formuliert: «Wir müssen eine Zeitung machen, die die Leute bewegt, mit Kommentaren, über die geredet wird. Das Schlimmste wäre Gleichgültigkeit.»

 

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto