Seit Jahren ruft die freie Szene in St.Gallen nach einem eigenen Haus. Stadt und Kanton haben den Ruf zwar gehört und sich in ihren Kulturkonzepten dazu bekannt, aber bisher ist er tatenlos verhallt. Auch die Idee, im Theaterprovisorium «Umbau», das nach der Wiedereröffnung des renovierten Theaters im Oktober nicht mehr benötigt wird, am bestehenden Ort ein temporäres Zuhause für die freie Szene zu schaffen, wurde verworfen.
Zwar beschäftigte sich die Stadt St.Gallen, die zuvor kein Interesse am Holzbau bekundet hatte, kürzlich noch mit der Idee, diesen für die freie Szene zu übernehmen und woanders wieder aufzubauen. Das bestätigt Stadtpräsidentin Maria Pappa. Doch inzwischen ist das Thema endgültig vom Tisch. Und damit dürfte das Schicksal des Provisoriums besiegelt sein: Es wird wohl zurückgebaut.
Abbau muss spätestens Ende Jahr beginnen
Der Kanton müsse bis August wissen, ob es einen Abnehmer für den «Umbau» gebe oder nicht, sagt Samuel Peter, Generalsekretär des Bau- und Umweltdepartements. Man führe derzeit noch Gespräche mit einem potenziellen Abnehmer, einem privaten Interessenten von ausserhalb der Stadt. Allzu optimistisch sei man aber nicht. Auch die Ausschreibung auf einer deutschen Internetplattform habe bisher keinen Erfolg gebracht. Und demnächst wird gemäss Peter mit der Blumer Lehmann AG, die das Provisorium errichtet hat, das weitere Vorgehen bezüglich des Abbaus besprochen – und die Frage geklärt, ob das Gebäude eingelagert oder entsorgt wird.
Klar ist: Im Mai 2024 läuft die Baubewilligung für das Provisorium aus. Das heisst: Bis dann muss der Kanton die Wiese vor der Tonhalle wiederhergestellt haben. Deshalb müsse der Abbau Ende Jahr beginnen, damit alle Arbeiten rechtzeitig abgeschlossen werden könnten.
IG Kultur Ost kämpt für den Erhalt des Gebäudes
Die IG Kultur Ost will den Abbau des «Umbaus» nicht einfach so hinnehmen. Unter dem Titel «Aufbruch statt Abbruch: Rettet den Umbau» hat sie einen Kulturappell lanciert, den bis jetzt knapp 400 Personen unterschrieben haben. «Das [der Abbruch] darf nicht sein. Das Haus muss gerettet und der freien Szene zur Verfügung gestellt werden», schreibt sie auf der Website.
Am Sonntag, 11. Juni, wenn die letzte Vorstellung im «Umbau» stattfindet – die «Messa da Requiem» von Giuseppe Verdi –, plant die IG Kultur Ost eine Aktion, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Sechs Varianten für ein Haus für die freie Szene
Für die Stadt St.Gallen ist die Übernahme des «Umbaus» allerdings vom Tisch, nicht aber das Haus für die freie Szene – im Gegenteil. Das Anliegen scheint nun konkret zu werden. Die Stadt nehme nun eine «Gesamtanalyse» vor, sagt Maria Pappa. Konkret heisst das: Im Rahmen einer Auslegeordnung wolle man die Grundlage für das weitere Vorgehen bei der Suche nach einem Haus für die freie Szene schaffen und gemeinsam mit dem Kanton eine gute Lösung finden. Dabei gebe es sechs Varianten:
Der «Umbau», der Variante Nummer 7 gewesen wäre, dürfte vor allem aus Kostengründen als Option wegfallen sein – wie bei den Gemeinden Buchs, Altstätten und Goldach, die ihre Bewerbungen allesamt wieder zurückgezogen hatten. Der Kanton würde das Gebäude zwar gratis abgeben, für Ab- und Wiederaufbau fallen aber rund drei Millionen Franken an, ein allfälliger Umbau des «Umbaus» für den zukünftigen Zweck dürfte, je nach Ausstattung, nochmal rund eine halbe Million verschlingen.
Erste Ergebnisse vor den Sommerferien
Diese Auslegeordnung, die insbesondere auch die finanziellen Richtwerte für die jeweiligen Varianten enthalten soll, werde bis vor den Sommerferien vorliegen, sagt Maria Pappa. Die Stadtpräsidentin bestätigt, dass die Shedhallen an der Bogenstrasse, wo ein neues Hochhaus geplant ist, für die freie Szene ebenfalls in Betracht gezogen werden. Dies wäre allein schon aufgrund des zentralen Standorts und in unmittelbarer Nähe von Kreuzbleiche, Reithalle und Lokremise ein guter Ort.
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