Theaterprovisorium: Zwischennutzung für Freie?

Die Stadt St.Gallen hat die Weiterverwendung des Theaterprovisoriums «Umbau» bereits abgelehnt. Andere Gemeinden, die kurz im Gespräch waren, ebenso. Jetzt lanciert Stadtparlamentarier Peter Olibet die Idee einer dreijährigen Zwischennutzung auf dem Brühl.
Von  Roman Hertler

Buchs, Altstätten und Goldach haben ihre Bewerbungen wieder zurückgezogen. St.Gallen hat sich gar nicht erst beworben. Offenbar will niemand das millionenteure Holzprovisorium «Umbau» des Theaters St.Gallen weiternutzen. Obwohl der Kanton, dem das Gebäude gehört, dieses gratis abzugeben hätte.

Jetzt greift SP-Stadtparlamentarier Peter Olibet das Thema wieder auf und bringt die Idee einer Zwischennutzung am aktuellen Standort ins Spiel. «Der Wunsch nach einem Haus für die freie Szene und das – nach dem Abschluss der Sanierung des Theaters – leerstehende Theaterprovisorium könnte zu einem Glücksfall für die Kulturschaffenden in der Stadt St.Gallen werden», schreibt Stadtparlamentarier Peter Olibet in seiner einfachen Anfrage an den Stadtrat.

Testlabor für fixes Haus

Olibet will darin unter anderem wissen, was für und was gegen eine befristete Nutzung des Provisoriums als «Haus für die freie Szene» spräche, was eine solche Zwischennutzung kosten würde und wer als Trägerschaft in Frage käme.

SP-Stadtparlamentarer Peter Olibet

Die Idee einer Nutzung des Theaterprovisoriums als «Haus für die Freien» ist nicht ganz neu: Saiten hat dies bereits 2018 vorgeschlagen. Stadtpräsidentin Maria Pappa (SP) äusserte sich Anfang 2022 ablehnend zur Idee. Das Provisorium entspreche mit dem einzigen Saal für 500 Personen nicht den Bedürfnissen der «Freien». Diese benötige ein Haus mit kleineren, vielfältig nutzbaren Räumen. Die Kosten für entsprechende Umbauten gingen in die Millionenhöhe, lautete ihre Einschätzung.

Parlamentarier Olibet will es jetzt genauer wissen. Er glaubt an die Finanzierbarkeit: «Dank der Holzbauweise könnten wohl relativ einfach kleinere, passendere Einheiten geschaffen werden und das Haus dadurch in einer zum Beispiel dreijährigen Zwischennutzung zu einem Labor für
die freie Szene werden.» Grösster Kostenpunkt bei einer Übernahme wäre der Rück- und der Wiederaufbau des Provisoriums. Wenn die Bewilligung auf dem Brühl entsprechend verlängert würden, würden diese Kosten entfallen, so Olibet.

Chance für migrantische Kulturvereine

Zudem böten die unterschiedlichen Räume im Haus, insbesondere das bestehende Foyer, die Möglichkeit weiterer Nutzungen, wie zum Beispiel als dringend benötigter Begegnungsraum für migrantische Kulturvereine.

Damit könnten laut Olibet erste Erfahrungen für ein später zu realisierendes, definitives Haus für die Freien gesammelt werden, wie es im städtischen Kulturkonzept von 2020 gefordert wird. «Es geht hier auch um das uneingelöste Versprechen im Kulturkonzept, bis Ende 2022 ein Konzept für die Erstellung eines Hauses für die Freien zu präsentieren», sagt Olibet auf Nachfrage. Er wolle jetzt zum jetzigen Zeitpunkt keine politischen Forderungen stellen, sondern lediglich die Idee einer Zwischennutzung nochmals in den politischen Prozess einbringen.

Die grösste Hürde sieht Olibet in der Verlängerung der Bewilligung für den jetzigen Standort. Er sei sich selber nicht ganz sicher, ob es opportun sei, dieses Gebäude weitere drei Jahre ohne erneute Auflage eines Baugesuchs in der Grünzone stehen zu lassen. Aber immerhin hätte die Stadt jetzt noch genügend Zeit für eine Auflage der Verlängerung und die Bereinigung allfällige Einsprachen.

Weil es sonst keine Interessenten für das Provisorium zu geben scheint, droht dem 6-Millionen-Holzbau Ende 2023 der Abriss und die Vernichtung. Was weder finanziell noch ökologisch nachhaltig wäre. Der Stadtrat hat nun bis Ende Januar 2023 Zeit, auf Olibets Einfache Anfrage zu antworten.

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