Seit 2009 gibt es Pantalla Latina. Als einziges lateinamerikanisches Filmfestival der Deutschschweiz sei es aus dem Wunsch heraus entstanden, einen Anlass zu bieten, der in der Schweiz lebende Lateinamerikaner:innen und Schweizer:innen zusammenbringt. Das schrieb das «St.Galler Tagblatt» im November 2009. Und das gilt unverändert auch für die diesjährige Festivalausgabe, die sich nun anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums erstmals über zwei Wochenenden erstreckt und 15 lange Spiel- und Dokumentarfilme, 13 Kurzfilme sowie ein Rahmenprogramm präsentiert. Nachdem in den letzten zwölf Jahren in St.Gallen nacheinander die Säle von Corso, Storchen und Rex dem Kinosterben zum Opfer gefallen sind, hat Pantalla Latina seit 2021 im Scala seine Heimat gefunden.
Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 16. November, mit drei Kurzfilmblöcken, die insgesamt 13 Titel aus elf Ländern umfassen. Diese Filme stammen alle aus den letzten zwei Jahren und waren in der Schweiz noch nie zu sehen, doch das Festival blickt anlässlich seines Jubiläums auch zurück. Vier Highlights früherer Ausgaben stehen dazu auf dem Programm. Zwei davon wurden via Social Media vom Publikum ausgewählt, dazu kommen noch je einer vom Festival-Team und einer vom Autor dieses Texts.
Besuch eines alten Bekannten
Pantalla Latina zeigt in dieser Rückschau: Medianeras, eine vertrackte, etwas an Woody Allen erinnernde Liebesgeschichte des Argentiniers Gustavo Tarretto aus dem Jahr 2011, La hija de la laguna (2015), ein von Regisseur Ernesto Cabellos persönlich präsentierter Dokumentarfilm über die Folgen des Goldrausches in Peru, El pacto de Adriana (2017), eine dokumentarische Spurensuche der Chilenin Lissette Orozco über ein düsteres Familiengeheimnis, sowie El acompañante (2015), ein Drama des Kubaners Pavel Giroud, der hier ein kaum bekanntes Kapitel staatlicher Repression im sozialistischen Inselstaat aufgreift.
Unter den elf neuen Langfilmen von Pantalla Latina 2023 finden sich zwei, bei denen die Filmemacher:innen persönlich zu Publikumsgesprächen im Kino Scala sein werden: Beim dramatischen Thriller Cadejo blanco aus Guatemala sind Regisseur Justin Lerner und die Hauptdarstellerin Karen Martinez anwesend, die Premiere des argentinischen Spielfilms Alemania findet in Gegenwart von Regisseurin María Zanetti statt. Sie erzählt in diesem Familien- und Adoleszenzdrama mit grosser Sensibilität von der psychischen Erkrankung einer ihrer beiden jungen Protagonistinnen.
Aktuelles aus dem Filmland Mexiko
Zu weiteren Highlights des diesjährigen Festivals gehören zwei Filme aus Mexiko, die Anfang 2024 auch in den Kinos zu sehen sein werden. Innerhalb Lateinamerikas gehört Mexiko ja spätestens seit der Jahrtausendwende zu den stärksten Filmländern des Kontinents – eine Stellung, die das Land früher schon einmal innehatte, aber von den 1970ern bis zu den 1990ern wieder weitgehend verlor.
Zu sehen sind Tótem, ein Familiendrama der jungen Regisseurin Lila Avilés, das an der diesjährigen Berlinale eines der Highlights darstellte, und Perdidos en la noche, ein verrätselter Thriller von Regisseur Amat Escalante, der bereits zu den alten Bekannten am Pantalla Latina gehört. Mit diesen zwei völlig unterschiedlich gelagerten Beiträgen zeigt das Festival die Brillanz des aktuellen mexikanischen Kinos.
15. lateinamerikanisches Filmfestival Pantalla Latina: 16. bis 26. November, Kino Scala St.Gallen
pantallalatina.ch
Escalantes Thriller ist in jenem Mexiko angesiedelt, das zu den Ländern weltweit gehört, in denen täglich am meisten Menschen verschwinden, sei es auf Befehl von Drogenhändlern, korrupten Polizisten oder gewöhnlichen Kriminellen. Tótem hingegen bewegt sich in einer radikal anderen Welt: Der leise Ensemblefilm entwickelt sich weitgehend als Kammerspiel und zeigt aus der Optik eines kleinen Mädchens die Vorbereitungen zu einem grossen Geburtstagsfest für einen jungen Künstler, ihren Vater, der im Sterben liegt.
So vordergründig simpel diese Ausgangslage anmuten mag, so unendlich reich, vielfältig und bisweilen zum Schreien komisch sind die Begegnungen, die das Mädchen mit den Bewohner:innen und Besucher:innen im grossen, verwinkelten Haus macht, in dem die eigentlich so traurige Geschichte spielt. Und wie ein Klischee mag es scheinen, dass dieser Film aus Mexiko stammt – dem Land, wo jedes Jahr vom 31. Oktober bis zum 2. November (von Halloween bis Allerseelen) während dreier Tage mit pompösen Feiern der Toten gedacht und ein beispielloser Totenkult zelebriert wird. Und mag es auch noch ein weiteres Klischee sein: Tótem ist ein Film über den Tod, der das Leben feiert. Und er tut es in so herzergreifender Weise, wie man es noch kaum je im Kino gesehen hat.
Dieses Wochenende heisst es zum zwölften Mal Pantalla Latina. Auch wenn das lateinamerikanische Filmfestival pandemiebedingt in reduziertem Umfang – und wieder an einem neuen Ort, dem St.Galler Palace – stattfindet: Das Programm verspricht viel.
Dramen jenseits der US-Südgrenze, starke Frauen und ein schreiend komischer Weihnachtsfilm: Nächste Woche startet im Scala in St.Gallen wieder das Filmfestival Pantalla Latina. Es ist bereits die 14. Ausgabe dieser traditionellen Ostschweizer Spätherbstschau aktuellen Filmschaffens aus Lateinamerika.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.