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Eine Jubiläumsausgabe mit Blick zurück

Seit 15 Jahren widmet sich das beliebte St.Galler Fimfestival Pantalla Latina dem Filmschaffen Lateinamerikas. Für einmal findet es an zwei Wochenenden statt. Am Donnerstag gehts los. von Geri Krebs
Von  Geri Krebs
El pacto de Adriana (2017) läuft am Freitag, 17. November. (Bilder: pd)

Seit 2009 gibt es Pantalla Latina. Als einziges lateinamerikanisches Filmfestival der Deutschschweiz sei es aus dem Wunsch heraus entstanden, einen Anlass zu bieten, der in der Schweiz lebende Lateinamerikaner:innen und Schweizer:innen zusammenbringt. Das schrieb das «St.Galler Tagblatt» im November 2009. Und das gilt unverändert auch für die diesjährige Festivalausgabe, die sich nun anlässlich des 15-Jahr-Jubiläums erstmals über zwei Wochenenden erstreckt und 15 lange Spiel- und Dokumentarfilme, 13 Kurzfilme sowie ein Rahmenprogramm präsentiert. Nachdem in den letzten zwölf Jahren in St.Gallen nacheinander die Säle von Corso, Storchen und Rex dem Kinosterben zum Opfer gefallen sind, hat Pantalla Latina seit 2021 im Scala seine Heimat gefunden.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 16. November, mit drei Kurzfilmblöcken, die insgesamt 13 Titel aus elf Ländern umfassen. Diese Filme stammen alle aus den letzten zwei Jahren und waren in der Schweiz noch nie zu sehen, doch das Festival blickt anlässlich seines Jubiläums auch zurück. Vier Highlights früherer Ausgaben stehen dazu auf dem Programm. Zwei davon wurden via Social Media vom Publikum ausgewählt, dazu kommen noch je einer vom Festival-Team und einer vom Autor dieses Texts.

Besuch eines alten Bekannten

Pantalla Latina zeigt in dieser Rückschau: Medianeras, eine vertrackte, etwas an Woody Allen erinnernde Liebesgeschichte des Argentiniers Gustavo Tarretto aus dem Jahr 2011, La hija de la laguna (2015), ein von Regisseur Ernesto Cabellos persönlich präsentierter Dokumentarfilm über die Folgen des Goldrausches in Peru, El pacto de Adriana (2017), eine dokumentarische Spurensuche der Chilenin Lissette Orozco über ein düsteres Familiengeheimnis, sowie El acompañante (2015), ein Drama des Kubaners Pavel Giroud, der hier ein kaum bekanntes Kapitel staatlicher Repression im sozialistischen Inselstaat aufgreift.

Unter den elf neuen Langfilmen von Pantalla Latina 2023 finden sich zwei, bei denen die Filmemacher:innen persönlich zu Publikumsgesprächen im Kino Scala sein werden: Beim dramatischen Thriller Cadejo blanco aus Guatemala sind Regisseur Justin Lerner und die Hauptdarstellerin Karen Martinez anwesend, die Premiere des argentinischen Spielfilms Alemania findet in Gegenwart von Regisseurin María Zanetti statt. Sie erzählt in diesem Familien- und Adoleszenzdrama mit grosser Sensibilität von der psychischen Erkrankung einer ihrer beiden jungen Protagonistinnen.

 

Aktuelles aus dem Filmland Mexiko

Zu weiteren Highlights des diesjährigen Festivals gehören zwei Filme aus Mexiko, die Anfang 2024 auch in den Kinos zu sehen sein werden. Innerhalb Lateinamerikas gehört Mexiko ja spätestens seit der Jahrtausendwende zu den stärksten Filmländern des Kontinents – eine Stellung, die das Land früher schon einmal innehatte, aber von den 1970ern bis zu den 1990ern wieder weitgehend verlor.

Zu sehen sind Tótem, ein Familiendrama der jungen Regisseurin Lila Avilés, das an der diesjährigen Berlinale eines der Highlights darstellte, und Perdidos en la noche, ein verrätselter Thriller von Regisseur Amat Escalante, der bereits zu den alten Bekannten am Pantalla Latina gehört. Mit diesen zwei völlig unterschiedlich gelagerten Beiträgen zeigt das Festival die Brillanz des aktuellen mexikanischen Kinos.

15. lateinamerikanisches Filmfestival Pantalla Latina: 16. bis 26. November, Kino Scala St.Gallen

pantallalatina.ch

Escalantes Thriller ist in jenem Mexiko angesiedelt, das zu den Ländern weltweit gehört, in denen täglich am meisten Menschen verschwinden, sei es auf Befehl von Drogenhändlern, korrupten Polizisten oder gewöhnlichen Kriminellen. Tótem hingegen bewegt sich in einer radikal anderen Welt: Der leise Ensemblefilm entwickelt sich weitgehend als Kammerspiel und zeigt aus der Optik eines kleinen Mädchens die Vorbereitungen zu einem grossen Geburtstagsfest für einen jungen Künstler, ihren Vater, der im Sterben liegt.

So vordergründig simpel diese Ausgangslage anmuten mag, so unendlich reich, vielfältig und bisweilen zum Schreien komisch sind die Begegnungen, die das Mädchen mit den Bewohner:innen und Besucher:innen im grossen, verwinkelten Haus macht, in dem die eigentlich so traurige Geschichte spielt. Und wie ein Klischee mag es scheinen, dass dieser Film aus Mexiko stammt – dem Land, wo jedes Jahr vom 31. Oktober bis zum 2. November (von Halloween bis Allerseelen) während dreier Tage mit pompösen Feiern der Toten gedacht und ein beispielloser Totenkult zelebriert wird. Und mag es auch noch ein weiteres Klischee sein: Tótem ist ein Film über den Tod, der das Leben feiert. Und er tut es in so herzergreifender Weise, wie man es noch kaum je im Kino gesehen hat.

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Heftvorschau 07/08/26
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