Am 22. August werden im St.Galler Stadtparlament zwei Vorlagen behandelt, die zum Testfall für die städtische Verkehrspolitik werden: Zuerst die von den bürgerlichen Parteien im Wahlkampf vor einem Jahr lancierte «Mobilitätsinitiative», die mehr Platz für Autos in der Stadt will. Sie würde das 2010 in einer Volksabstimmung genehmigte «Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung» aushebeln.
Auf genau dieses Reglement stützt sich das andere Geschäft: Eine dritte Finanzierungstranche für den sogenannten Langsamverkehr. Damit wird die Sicherheit von Fussgängern und Velofahrerinnen verbessert.
Mehr PWs brauchen mehr Platz
Bekannt ist: Der Stadtrat will von der «Mobilitätsinitiative» nichts wissen. Seit den frühen 1990er-Jahren setze man auf die Förderung des öffentlichen Verkehrs und verbesserte die Situation für Velos und Fussgängerinnen. An diesem Kurs wolle man festhalten. Mehr Privatautos in der Stadt würden mehr Platz brauchen, das ginge zulasten des öffentlichen Verkehrs. Das aktuelle Konzept könne nicht zuletzt die Bedürfnisse der Wirtschaft besser befriedigen als noch mehr Staus, argumentiert der Stadtrat unter anderem.
Im Parlament dürfte die knappe rot-grüne Mehrheit dafür sorgen, dass die «Mobilitäsinitiative» mit einer Nein-Empfehlung voraussichtlich im Frühling 2018 vors Volk kommt. In Volksabstimmungen hatte die Autolobby in der Stadt bisher kaum Erfolg – mit einer Ausnahme: Die Stadt muss sich nicht gegen einen eventuellen neuen Autobahnanschluss im Güterbahnhofareal wehren. Dies hatte eine Initiative verlangt, die im Februar 2016 von den Stimmberechtigten abgelehnt wurde. Allerdings wird es noch Jahre dauern, bis dieser Autobahnanschluss – wenn überhaupt je – gebaut wird.
Rasch handeln will die Stadt dagegen mit der anderen Vorlage, die in der gleichen Parlamentssitzung nach den Sommerferien behandelt werden soll: Mit einem Verpflichtungskredit über eine knappe halbe Million, mit der der Langsamverkehr gefördert und die Sicherheit verbessert wird. Wird er bewilligt, wird dies die dritte Kredittranche.
Weitere 450’000 Franken für den Langsamverkehr
Bereits für die Jahre 2012-2014 und 2015-2016 wurden zweimal solche Gelder freigegeben, zuerst 280’000, dann 410’000 Franken. Nun sollen weitere 450’000 Franken ausgegeben werden können. Das meiste Geld werde für viele kleine Verbesserungen gebraucht, als grössere Projekte sind unter anderem ein Radstreifen im Bereich Vonwil-/Bogenstrasse geplant, sowie die Verbesserung der Sicherheit an zahlreichen Fussgängerstreifen.
Was aus den vorangegangenen Krediten geworden ist, können Fussgänger und Velofahrerinnen jeden Tag sehen und nutzen. Da wurden in allen Stadtquartieren Radstreifen eingezeichnet. Gefährliche Kreuzungen mit rotem Belag versehen oder Fussgängerinseln gebaut. Aber auch die Aktion «Clever mobil» mit den mobilen Veloabstellplätzen bekam Geld und einige Busspuren wurden für Velos freigegeben – etwa beim Kantonsspital oder auf der Zürcherstrasse.
Hier ein paar schöne Besispiele – gerne mehr davon!
Einbahn, Velo gestattet
Die Velostrasse Lindenstrasse
Die Velospuren bei der St.Leonhardsbrücke
Der Velounterstand beim Neumarkt
Velotafel an der Torstrasse
Das Velo hat Vortritt
Velo-Gegenverkehr erlaubt
Nicht zuletzt wurde die Lindenstrasse zur «Velostrasse» umsignalisiert (siehe Bild oben). Auf ihr haben nun Velos Vortritt, alle Einmündungen sind entsprechend signalisiert. Das ermöglicht eine zügige Fahrt vom Zentrum ins Neudorf und umgekehrt. Die Lindenstrasse ist ein Pilotprojekt und wird vom Bundesamt für Strassen evaluiert.
Basel macht es vor
Wenn dann Bern grundsätzlich grünes Licht für solche «Velostrassen» gibt, gäbe es auch im Westen der Stadt ein Bedürfnis nach einer schnellen Verbindung. Und noch eine Forderung liegt im Moment in allen Städten in der Luft: Velos sollen am Lichtsignal bei Rot dann rechts abbiegen dürfen, wenn es der Verkehrsfluss erlaubt. Die Stadt Basel hat diese Regelung als Pilotversuch schon vor vier Jahren eingeführt – ohne dass es Probleme gibt.
Das Bundesamt für Strassen hat kürzlich auf einen Zürcher Vorstoss hin erklärt, dass das Strassenverkehrsrecht voraussichtlich in diesem Punkt geändert werde. St.Gallen könne dann eine der ersten Städte werden, die die Neuerung umsetzt – vorausgesetzt es gewinnen nicht die Anhänger der «Mobilitätsinitiative», die bekanntlich die Velofahrenden am liebsten ganz von der Strasse weg hätten.
Mehr von Saiten zur Velostadt St.Gallen: hier.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.