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Gute Sätze 2022: die Surber-Edition

Das wars – vorerst. Redaktionskollege Peter Surber geht nach zehnjähriger, unermüdlicher Tätigkeit für Saiten in Pension. Die Restredaktion hat darum eines seiner Jahresämtli übernommen und die besten Sätze 2022 zusammengestellt – aus gegebenem Anlass schon im Oktober und in der exklusiven Surber-Edition.
Von  Redaktion Saiten
Bild: Ladina Bischof

2G oder 2G+ schliesst zwar einige Menschen von Kulturanlässen aus, bis vorerst 24. Januar. Aber erstens geschieht dies selbstgewählt – und zweitens gibt es härtere Ausschlüsse, für die die Betroffenen nichts können. Treppen, wo kein Rollstuhl durchkommt. Informationen, die für Sehbehinderte nicht entzifferbar sind. Webseiten voller Barrieren. Und so weiter.

Barrierefrei zur Kultur, Kommentar im Januarheft

 

Was aus dem Ganzen zu lernen wäre? Zumindest dies: Geschichte kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber sie kann und muss erforscht werden, tabulos und mit maximalem Respekt vor ihren Opfern.

Editorial zum Februar-Bührle-Saiten

 

Am [Theater-]Provisorium offenbart sich ein Stadt-Land-Graben der unkonventionellen Art. Die Landgemeinden sehen im Provisorium die Chance für einen kulturellen Aufbruch – die Hauptstadt hält es für ungeeignet.

 

Vorderhand bleibt der Eindruck: Jan Henric Bogen macht das, was der Verwaltungsrat von Konzert und Theater St.Gallen von ihm erwartet hat. Er krempelt das Haus nach dessen Vorstellungen um. Bogens bisherige Entscheide sind und waren direktiv – ob und wann er die Kurve zum versprochenen partizipativen Weg findet, muss er erst noch beweisen.

Bogen macht tabula rasa, online 11. März

 

Liest man diese Erzählung wieder, den Bericht aus einem Land, das es nicht mehr geben soll nach dem Willen Putins, so wird noch einmal klarer, dass der Angriff auf die Ukraine auch der Idee von Pluralität und Diversität gilt, die die abendländische Moderne kennzeichnet. Und die in der Ukraine nicht bloss eine Idee, sondern zumindest in Teilen des Landes und der Bevölkerung gelebte Realität war.

Angriff auf die Pluralität, online 16. März

 

Der Verwaltungsrat von Konzert und Theater St.Gallen setzt sich aktuell zusammen aus vier Bankern, drei Jurist:innen, einer Marketingspezialistin, einem Germanisten, einer Zahnärztin, den Vertretungen von Regierung und Stadtrat St.Gallen, drei Delegierten des St.Galler Kantonsrats und einer Delegierten des Stadtparlaments. Der VR widerspiegelt damit in keiner Weise die gesellschaftliche Vielfalt. Weder sind die Jungen angemessen vertreten noch migrantische Kreise, weder People of Colour noch Menschen mit Handicap. Und insbesondere fehlt es an Theater-Knowhow, an der Stimme der Kulturschaffenden und jener des Publikums. Diversität bleibt eine leere Floskel, wenn sie nur unten und nicht oben gelebt wird.

 

Der Verzicht auf musikalisch «fetziges» russisches Waffengeklirr im öffentlichen Raum ist angesichts der Tragödie in der Ukraine nachvollziehbar. Allerdings war solche Correctness an den St.Galler Festspielen bisher nicht das Thema.

 

Man kommt unversehrt aus diesem Stück, das die Vielzahl an Anspielungen mit wachsender Unverbindlichkeit bezahlt. Das mag auch eine Qualität «made in Switzerland» sein – lieber unversehrt als unversöhnlich.

 

Weiter mit dem Regionalexpress nach Friedrichshafen. Am Fenster ziehen Obstspaliere, Reben, Einfamilienhäuser vorbei. Weit und breit kein See in Sicht. Spätestens da wird dem Reisenden klar: Per Bahn um den Bodensee, das macht sonst niemand. Der Berufsverkehr braucht keine «Märklinbahn», sondern gute Anschlüsse dort, wo gearbeitet wird.

Entschleunigt um den See, Juniheft in Zusammenarbeit mit der IBK

 

Oper unter freiem Himmel braucht deutliche Mittel. In der diesjährigen Festspielproduktion nimmt man sie, obwohl manchmal etwas gar didaktisch, gern in Kauf. Weil die Inszenierung so konsequent wie paradox aus der Hauptfigur heraus entwickelt ist. Weil sie ganz im Sinn Schillers «den Weg zum Kopf durch das Herz» öffnet. Und weil der Krieg da ist, jetzt, aktuell, knapp 2000 Kilometer vom Klosterplatz entfernt.

 

Auf bald also, in der Badi, auf dem Lisengrat, in Balkonien, im Hudelmoos oder auf dem Baum. Und mit der Frage im Hosensack oder auf dem Gepäckträger: Tuts dem Klima gut, was ich da grad tue?

Editorial im Sommerheft zum Thema Outdoor

 

Es ist wie beim Pilzesuchen. Hat man das Auge einmal darauf eingestellt, entdeckt man sie auf Schritt und Tritt. Hier in der Stadt, das Auge auf Grün geschaltet, ist es auch so beziehungsweise gerade umgekehrt. Auf Schritt und Tritt fällt einem auf, was fehlt: Bäume!

Die Gegen-Bewegung, Sommerheft

 

Es könnte dereinst ein Song von Stahlberger werden: das Lied vom unaufhaltsamen Aufstieg von dirty St.Fiden zum Oerlikon von St.Gallen. Und es klingt auch ein bisschen Dürrenmatt an, sein Besuch der alten Dame: Eine private Gruppe von Initianten will St.Fiden zum urbanen Stadtteil machen. Sie zahlt eine halbe Million Franken an eine vertiefte Machbarkeitsstudie, garantiert die Planungskosten von rund 26 Millionen Franken und verspricht auch, den Deckel über den Gleisen (gegen 300 Millionen Franken) vorzufinanzieren.

 

Der Doppelabend, rasant inszeniert von Chefdramaturgin Anja Horst und Schauspieldirektor Jonas Knecht, bietet amüsante Einblicke in einen Theateralltag, in dem die Bühne mehr Jahrmarkt der Eitelkeiten als moralische Anstalt ist. Ein Ort, wo es auf den richtigen Abgang eher ankommt als auf die innere Haltung.

Und wo, nach Irm Königs Überzeugung, das Ende überschätzt wird. Was allerdings nicht stimmt für Schauspieldirektor Jonas Knecht, der letztmals in dieser Funktion in der Lokremise inszeniert. Und ebenso wenig für jene Ensemblemitglieder, deren Verträge nicht verlängert werden – im Moment finden unter der künftigen St.Galler Schauspieldirektorin die entsprechenden Gespräche statt.

Pimmeldramatik, Deppen und Diven, online 16. September

 

Keine Frage zwar, dass trotz des Kriegs gegen die Ukraine russische Stoffe gespielt werden dürfen, werden sollen – keine Frage, dass Anna Karenina auch oder gerade 2022 auf dem Spielplan stehen und eine Inszenierung auf alle Anspielungen auf den heutigen Krieg verzichten kann. Aber mit Mickey Mouse tanzt die Regie auf einem fatalen Parkett. Kaum eine andere Figur verkörpert so sehr die kommerziellen und popkulturellen Hegemonie-Ansprüche des American Way of Life. Dass sich Tolstois junge Menschen die Befreiung aus ihren Geschlechterrollen ausgerechnet mit US-Hilfe holen sollen, wirkt so wenig nachvollziehbar wie der tollkühne Verweis auf Walter Benjamins «Engel der Geschichte», von dem ein Textausschnitt vor Beginn des Stücks auf der Leinwand prangt.

Jung, reich, eingesperrt, online 30. September

 

Und Voraussetzung dafür wäre, wiederum auf St.Gallen bezogen, von Milo Rau nicht thematisiert, aber sein Konzept konsequent weitergedacht: dass auch an der Spitze der Institution, im Verwaltungsrat der Genossenschaft Konzert und Theater St.Gallen, möglichst viele und diverse Kreise vertreten wären – und nicht, wie es heute der Fall ist, das Gremium von Bankiers und Vertreter:innen des Politestablishments dominiert wird.

Über Milo Rau im Novemberheft

 

Wer alle Texte nachlesen will, klickt bei den Online-Beiträgen direkt auf den Link. Die Beiträge aus dem Heft finden sich im PDF hier resp. hier.

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf