Saiten: Was bringt euch dazu, ein neues Printmagazin zu lancieren?
Sebastian Schneider: Weil wir Lust darauf haben und daran glauben, dass unser Magazin eine Chance hat. Natürlich ist es ein Experiment, aber wir sind sehr motiviert und der Teamspirit ist toll. Nur wenn wir es versuchen, finden wir heraus, ob Printjournalismus in dieser Form funktionieren kann.
Keine einfache Aufgabe. Journalismus – der Print insbesondere – hat es seit Jahren schwer.
Ich bin unschlüssig, ob das am vielbeschworenen Strukturwandel liegt oder nicht eher an den Geschäftsmodellen der grossen Medienkonzerne. Saiten besteht ja auch seit Jahrzehnten und erreicht sein Publikum, warum soll das unser Magazin das nicht auch schaffen?
Warum ein Stadtmagazin und nicht eines für die Ostschweiz?
Die Stadt St.Gallen hat eine gute Grösse und liegt uns am Herzen. Ein kleines, aufmerksames Team kann schon relativ viel abdecken. Aus meiner Zeit beim «Tagblatt» weiss ich, dass es doch um einiges mehr Ressourcen braucht, wenn man auch die Umgebung miteinschliessen will. Wir sind lieber kompakt und kohärent als weitläufig. Sprich wir wollen da Journalismus machen, wo wir auch leben, wo wir an den Themen vorbeilaufen.
Wen wollt ihr ansprechen?
Wir haben keine spezifische Zielgruppe, sondern wenn, dann eine lokale Einschränkung. Voraussetzung ist, dass man sich für die Stadt St.Gallen interessiert bzw. die Dinge aus städtischer Optik sieht. Dafür muss man gar nicht zwingend in der Stadt leben, wir haben auch Bestellungen von ausserhalb. Auch altersmässig sind wir offen. In einer Demokratie haben ja Jung und Alt die Pflicht, sich politisch zu informieren und sich vertieft mit Themen auseinanderzusetzen.
Wo legt «Saint Gall» die Schwerpunkte?
Wir planen für jede Ausgabe eine Art roten Faden, der aber eher lose ist. In der ersten Ausgabe gehen wir der Frage nach «Wieviel Stadt brauchen wir?». Ausgehend davon sind verschiedene Texte entstanden, lange und kürzere. Ansonsten sind wir thematisch relativ breit, klassisch lokaljournalistisch aufgestellt. Bei den Themen Kultur und Sport halten wir uns jedoch zunächst zurück. vor allem, weil diese von anderen Medien schon ziemlich gut abgedeckt sind.
Gibt es auch Platz für harte Investigativgeschichten?
Wenn es möglich ist, sicher. Aber ihr bei Saiten wisst ja selber, wie viele Ressourcen man braucht für die richtig grossen Geschichten. Wenn, dann würden wir uns mit anderen freien Journalist:innen zusammentun. Denn «Saint Gall» soll auch ein Ort sein, wo sich Freie austoben können. Wir sind jederzeit offen für Gastautor:innen.
Ihr schreibt, dass die Leser:innen bestimmen, ob das Magazin eine Zukunft verdient. Wieviel Geld muss zusammenkommen, damit das Heft fliegt?
Konkrete Zahlen will ich nicht nennen, da sie im jetzigen Stadium noch schwer abzuschätzen sind. Die erste Ausgabe, die im Juni erscheint, ist zugegeben noch ziemlich ineffizient entstanden. Das wird sich sicher ändern mit der Zeit. Schön wäre, wenn mindestens 50 Prozent der Kosten durch die Leserinnen und Leser gedeckt wären. Gemäss Businessplan müssten wir etwa 3000 Abos verkaufen, damit dieser Plan aufgeht.
Der Rest soll durch Inserateeinnahmen kommen. Wen peilt ihr da an?
Auch hier schliessen wir niemanden aus, solange die Inhalte nicht rassistisch, sexistisch oder anderweitig diskriminierend sind. Schöne Inserate bereichern ein Magazin ja auch. Die Hauptrolle spielt aber natürlich der Journalismus. Das Geld aus den Abos und Inseraten soll möglichst direkt an unsere Journalist:innen und Fotograf:innen fliessen. Das Publikum soll wissen, dass es den Journalismus unterstützt und nicht einen administrativen Wasserkopf.
Warum zwei Ausgaben pro Jahr und nicht vier oder mehr?
Weil wir so klein wie möglich anfangen und doch schon ein «Massenmedium» sein wollen. Wenn wir wie andere Medien einen Investor im Rücken hätten und innert drei Jahren ein bestimmtes Budget verblasen könnten, würden wir gern mindestens vier Ausgaben produzieren. Aber wir starten alleine und arbeiten zudem nur in Teilzeit am «Saint Gall», darum bleibt es bei vorläufig zwei Ausgaben pro Jahr.
Sebastian Schneider, 1986, war früher Redaktor beim «St.Galler Tagblatt» und arbeitet seit Ende 2018 als technischer Redakteur bei der Bühler AG. Nebst ihm gehören Marion Loher (Text), Urs Bucher (Fotografie) und Nicole Tannheimer (Grafik) zum Team.
«Saint Gall» soll zweimal im Jahr erscheinen und wird pro Ausgabe 10 Franken kosten. Das erste Heft erscheint am 24. Juni und knapp 80 Seiten.
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