Rückschlag für die Ambitionen des Thurgauer Kunstmuseums: Eine lange geplante Erweiterung des Museums ist vom Tisch. Das Museum soll nach neuen Plänen der Politik jetzt nur saniert und optimiert werden am bestehenden Standort. Das gab Regierungsrätin Monika Knill an einer Medienkonferenz am Donnerstagnachmittag in Frauenfeld bekannt.
Die Empfehlungen der Projektgruppe waren offenbar einfach zu eindeutig: «Verzicht auf eine Erweiterung des Kunstmuseums Thurgau mit zusätzlichen Ausstellungsflächen von mindestens 600 Quadratmeter», steht in den Papieren des Kantons. Stattdessen sollen folgende Fragen geklärt werden: Wie können die bestehenden Räumlichkeiten saniert, optimiert und massvoll ergänzt werden? Und: Wie lässt sich darin ein stringentes, zukunftsgerichtetes Museumskonzept für das Kunstmuseum Thurgau umsetzen?
Ittingen: Neubau «kaum zu realisieren»
«Wir haben uns diese Entscheidung wirklich nicht einfach gemacht und vieles ausprobiert, aber schlussendlich mussten wir feststellen, dass unter den vielen, unterschiedlichen Rahmenbedingungen das angedachte Raumprogramm mit zusätzlichen Ausstellungsflächen von mindestens 600 Quadratmeter kaum zu realisieren ist in der Kartause», sagte Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister und Projektleiter in der Sache.
Mit den Rahmenbedingungen gemeint sind vor allem die Vorgaben der Stiftung der Kartause Ittingen und jene der Denkmalpflege. Die Befürchtung war offenbar, dass ein Neubau die Bildmarke der Kartause nachhaltig zerstören würde. Damit folgt der Kanton jetzt auch der Deutung, die die Stiftung bereits im vergangenen Jahr vorgelegt hatte.
Der Gewölbekeller im Kunstmuseum.
Massgeblich beeinflusst hat den Entscheid daneben aber auch ein Papier zu Vision und Raumprogramm des Kunstmuseums. Darin kommt die Projektgruppe zu den Ergebnissen, dass das Kunstmuseum über Räumlichkeiten verfüge, «die den Ausleihbedingungen vergleichbarer Institutionen entsprechen». Es brauche gleichwohl «eine infrastrukturelle Entwicklungsperspektive». Um diese zu erarbeiten soll nun ein Studienauftrag vorbereitet werden. Die Ausschreibung dafür ist bis Ende des Jahres geplant. Das Siegerprojekt soll bis Ende 2021 gekürt werden. Museumsdirektor Markus Landert war für eine Stellungnahme vorerst nicht zu erreichen.
Nach dem Standortstreit: zwei Standorte
Jahrelang wurde auch um das Historische Museum Thurgau debattiert, nun steht ein Entscheid im Raum: Es soll in Arbon eine neue Dependance bekommen. Dort soll künftig die neuere Geschichte des Kantons ab 1798 gezeigt werden. Aber auch Frauenfeld geht nicht leer aus: Im Schloss Frauenfeld wird der Teil der Historie bleiben, der bereits heute dort zu sehen ist.
«Wir sehen in einem zusätzlichen Museumsstandort eine grosse Chance», sagte Regierungsrätin Monika Knill an der Medienkonferenz. Insgesamt wird das Historische Museum am Ende dann sogar drei Standorte haben: Neben Frauenfeld und Arbon gibt es auch noch das Schaudepot im St. Katharinental.
Als Standort in Arbon sind nun zwei Gebäude im Gespräch: Eine ehemalige Webmaschinenhalle und das Zentralmagazin auf dem Saurer-Werk-Zwei-Areal. In einer Machbarkeitsstudie will der Kanton bis Ende März 2021 klären, welcher Standort es am Ende tatsächlich wird. Eigentümer beider Gebäude ist das Unternehmen HRS. Gespräche über einen möglichen Kauf der Immobile sollen in den nächsten Monaten folgen.
Webmaschinenhalle Arbon, Schloss Frauenfeld.
Investitionen soll es aber auch in Frauenfeld geben: Das Schloss soll so saniert werden, dass die Ausstellung dort künftig auch besser präsentiert werden kann. Bis Ende März 2021 soll hierzu ein Planungsauftrag der Sanierung beschlossen sein.
Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon, zeigte sich erfreut über die Entscheidung. Sein Kollege Anders Stokholm, Stadtpräsident von Frauenfeld, bedauerte die Entscheidung gegenüber thurgaukultur.ch: «Wir nehmen zur Kenntnis, dass der Regierungsrat offenbar regionalpolitisch entschieden hat und dem Oberthurgau etwas Gutes tun wollte», sagte Stokholm. Abgesehen von der Enttäuschung sei er aber erleichtert, dass zumindest ein Teil des Museums in Frauenfeld bleibe.
Der Weg bis zur Museumseröffnung ist noch lang
Die Entscheidung pro Arbon ist auch deshalb ein bisschen überraschend, weil sich die Projektgruppe der Standortevaluation für Frauenfeld als alleinigen Standort entschieden hatte. Das erklärte Gabriele Keck, Direktorin des Historischen Museums Thurgau, an der Medienkonferenz. Diese Empfehlung habe man zur Kenntnis genommen, letztlich habe sich der Regierungsrat aber anders entschieden, entgegnete Monika Knill. Das Potenzial des Standortes habe den Ausschlag gegeben. «Arbon ist ein Ursprungsort der neueren Geschichte des Kantons, und ausserdem erhoffen wir uns durch die Nähe zum Bodensee auch mehr Touristen in dem Museum», sagte Knill.
Der Weg bis zu einer möglichen Eröffnung des Historischen Museums Arbon ist allerdings noch weit. Die Machbarkeitsstudien sollen bis Ende März 2021 abgeschlossen sein, danach müssten allfällige Entscheidungen im Kantonsparlament und vor dem Volk bestehen. «Ich habe aber die Hoffnung, dass wir einen Spatenstich noch in der laufenden Legislatur erleben werden», sagte Monika Knill. Bis dahin ist noch ein bisschen Zeit: Die Legislatur endet im Jahr 2024.
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