Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kunst ist das Wichtigste in der Kunst

Diesen Samstag eröffnet Leila Bock ihren neuen Geilen Block an der Helvetiastrasse in St.Gallen. Auf Visite im «Himmel Helvetia». von Larisa Baumann
Von  Gastbeitrag
«Himmel Helvetia» heisst Leila Bocks neustes Projekt. (Bilder: pd)

Im Blaumann tritt Leila Bock aus dem Geilen Block im St.Galler St.Fiden-Quartier. Sie steht unter dem Vordach, doch über ihr prangt ein blauer Himmel mit Wolken auf zwei Leuchtkästen und darauf die weissen Schriftzüge «Himmel» und «Helvetia». Als Erklärung für den «Himmel» zitiert Leila Bock eines ihrer Manifeste, die sie im Laufe der Jahre niedergeschrieben hat: «Alles hat seine Grenzen, der Himmel hat keine.»

Manchmal komme ihr der Himmel über der Schweiz aber wie zugedeckt vor, wie unter einer Glocke. Schnell wird klar, dass Leila Bock Offenheit liebt, ebenso wie Beweglichkeit und Weite. Nur wer in die Weite geht, könne in vielen Richtungen etwas gewinnen, sagt sie in ihrer zuversichtlichen Art. Es sind Eigenheiten, mit denen sich sowohl Himmel als auch Kunst beschreiben lassen. Überhaupt geniesst der Himmel in unserer Kultur eine positive Konnotation. Und genau das soll der Geile Block auch sein: Ein offener Ort der grenzenlosen Freude für Kunstschaffende und Besuchende gleichermassen.

Kunstfigur, die sich was traut

Doch wer ist eigentlich Leila Bock? Sie ist eine Kunstfigur, die sich den Körper mit Anita Zimmermann, 1956 in Schaffhausen geboren, teilt. Während die Künstlerin seit gut 40 Jahren in St.Gallen lebt und arbeitet, existiert Leila Bock erst seit 2015. Erschaffen aus Mangel an einem Kunstraum für regionale Kunstschaffende, «kuratierte» Bock damals den ersten Geilen Block in Rotmonten. Wobei mit «kuratieren» insbesondere Insbesondere das Auswählen der Künstler:innen (nicht der Kunstwerke), das Vermitteln wo nötig und viel Organisieren gemeint ist.

Anita Zimmermann alias Leila Bock. (Bild: Beni Blaser)

Sie nennt sich selbst eine Mischerin, wirbelt im hiesigen Kunstgeschehen herum (das Wort «fördern» mag sie nicht besonders) und spricht Dinge aus, die Anita Zimmermann in ihrer Position als Künstlerin nicht so direkt sagt. Beispielsweise, dass St.Gallen auf sie (zu) aufgeräumt wirke. Dass sie es keine gute Entwicklung finde, dass im Kunstbetrieb vermehrt Vermittler:innen, Kurator:innen und Ähnliche im Vordergrund stünden und nicht mehr die Kunst selbst. «Kunst ist das Wichtigste in der Kunst» – so lautet nämlich ein weiteres ihrer Credos. Und dass zu wenig an die Kunstschaffenden gedacht werde, die in St.Gallen lebten und arbeiteten. Denn Kunst müsse gezeigt werden, sie brauche ein Gegenüber und «Künstler brauchen Show».

Himmel Helvetia: Geiler Block von Leila Bock mit 31 Kunstpositionen aus der Region, Helvetiastrasse 47, St.Gallen.

Offen an drei Wochenenden bis 31. September, Freitag und Samstag jeweils 10 bis 22 Uhr und Sonntag 10 bis 18 Uhr.

Vernissage: 9. September ab 16 Uhr.

Weitere Infos und Begleitveranstaltungen: leilabock.ch

Und eine solche gibt es wieder mit Start am 9. September. Um 16 Uhr öffnen sich die Tore zum «Himmel Helvetia», unter dem Leila Bock 31 Kunstpositionen aus St.Gallen und der Region zusammenbringt. Gleich mit zwei Neuerungen wartet der Geile Block an der Helvetiastrasse 47 auf. Erstmals befindet sich hier der Sitz der «eidgenössischen* fachstelle der schönen künste» (mit Sternchen, ohne Hoheitszeichen). Die Neugründung dieser «Fachstelle» ist für Leila Bock eine logische Folgerung aus dem helvetischen Strassennamen. Genauso klar war es, dass am 1. August im Geilen Block bereits ein Fest stattfinden musste. Und welche Schriftart verwendet Leila Bock für all die Grafikerzeugnisse im Zusammenhang mit «Himmel Helvetia»? – natürlich «Helvetica».

Zurück zu den Neuerungen. Zusammen mit Lilia und David Glanzmann vom Zeughaus Teufen führt Leila Bock ein neues Vernetzungsformat ein. In geschlossenen Gesellschaften laden sie während der Laufzeit des Geilen Blocks Kunstschaffende auf der einen und Kunstvermittler:innen, Kulturmanager:innen, Museumsdirektor:innen etc. auf der anderen Seite zum Essen und Austausch am grossen Eichentisch namens Gurt ein.

Ein wenig Heavy Metal zum Auftakt

Und hier wird es für alle spannend: Immer um 21 Uhr nach einem solchen Treffen wird der Raum, dessen Wände Anita Zimmermann mit Zeichnungen von Leila Bock und den Geilen Blöcken gestaltet hat, für alle geöffnet und von Marc Jenny mit Musik bespielt. Jenny ist der Hausmusiker von Leila Bock. Wir dürfen uns auf ein vielseitiges musikalisches Rahmenprogramm freuen. Der Kontra- und E-Bass ist bildet mit seinem Instrument nicht nur einen Teppich, sondern vielmehr «ganze Wolken», um es in den Worten von Leila Bock wiederzugeben.

Auch wenn bei Redaktionsschlus noch nicht exakt alle Programmpunkte von «Himmel Helvetia» in Helvetica festgeschrieben waren, ist es so gut wie versprochen, dass an der Vernissage am 9. September Emillio Passuello – wer am 1. August dabei war, kennt ihn bereits als Zeichner – ein Heavy-Metal-Stück auf seiner E-Gitarre zum Besten gibt, bevor Leila Bock ihre Rede beginnt.

Während im ehemaligen Gewerbehaus in St.Fiden die Vorbereitungen für den Geilen Block auf Hochtouren laufen und ein Schaffensdrang die Luft knistern lässt, spielt die unermüdliche Leila Bock bereits mit neuen Gedanken. Gemäss ihrem Manifest Allein denken ist kriminell lässt sie uns an ihrer 1.-August-Rede teilhaben: Sie möchte «ein Kunsthaus bauen auf dem Freudenberg; ein Haus, das Freude spendet, ein Freudenhaus».

Während sie von dieser Idee erzählt, lacht sie laut auf und fügt gleich hinzu, dass es wohl nie Realität werden wird. Aber in ihren Augen sieht man ein Funkeln, ein Funkeln, das sagt: Nichts ist unmöglich für Leila Bock. Welche Bilder zeichnet sie uns wohl mit der Rede an der Vernissage in die Köpfe?

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah