Im Blaumann tritt Leila Bock aus dem Geilen Block im St.Galler St.Fiden-Quartier. Sie steht unter dem Vordach, doch über ihr prangt ein blauer Himmel mit Wolken auf zwei Leuchtkästen und darauf die weissen Schriftzüge «Himmel» und «Helvetia». Als Erklärung für den «Himmel» zitiert Leila Bock eines ihrer Manifeste, die sie im Laufe der Jahre niedergeschrieben hat: «Alles hat seine Grenzen, der Himmel hat keine.»
Manchmal komme ihr der Himmel über der Schweiz aber wie zugedeckt vor, wie unter einer Glocke. Schnell wird klar, dass Leila Bock Offenheit liebt, ebenso wie Beweglichkeit und Weite. Nur wer in die Weite geht, könne in vielen Richtungen etwas gewinnen, sagt sie in ihrer zuversichtlichen Art. Es sind Eigenheiten, mit denen sich sowohl Himmel als auch Kunst beschreiben lassen. Überhaupt geniesst der Himmel in unserer Kultur eine positive Konnotation. Und genau das soll der Geile Block auch sein: Ein offener Ort der grenzenlosen Freude für Kunstschaffende und Besuchende gleichermassen.
Kunstfigur, die sich was traut
Doch wer ist eigentlich Leila Bock? Sie ist eine Kunstfigur, die sich den Körper mit Anita Zimmermann, 1956 in Schaffhausen geboren, teilt. Während die Künstlerin seit gut 40 Jahren in St.Gallen lebt und arbeitet, existiert Leila Bock erst seit 2015. Erschaffen aus Mangel an einem Kunstraum für regionale Kunstschaffende, «kuratierte» Bock damals den ersten Geilen Block in Rotmonten. Wobei mit «kuratieren» insbesondere Insbesondere das Auswählen der Künstler:innen (nicht der Kunstwerke), das Vermitteln wo nötig und viel Organisieren gemeint ist.
Anita Zimmermann alias Leila Bock. (Bild: Beni Blaser)
Sie nennt sich selbst eine Mischerin, wirbelt im hiesigen Kunstgeschehen herum (das Wort «fördern» mag sie nicht besonders) und spricht Dinge aus, die Anita Zimmermann in ihrer Position als Künstlerin nicht so direkt sagt. Beispielsweise, dass St.Gallen auf sie (zu) aufgeräumt wirke. Dass sie es keine gute Entwicklung finde, dass im Kunstbetrieb vermehrt Vermittler:innen, Kurator:innen und Ähnliche im Vordergrund stünden und nicht mehr die Kunst selbst. «Kunst ist das Wichtigste in der Kunst» – so lautet nämlich ein weiteres ihrer Credos. Und dass zu wenig an die Kunstschaffenden gedacht werde, die in St.Gallen lebten und arbeiteten. Denn Kunst müsse gezeigt werden, sie brauche ein Gegenüber und «Künstler brauchen Show».
Himmel Helvetia: Geiler Block von Leila Bock mit 31 Kunstpositionen aus der Region, Helvetiastrasse 47, St.Gallen.
Offen an drei Wochenenden bis 31. September, Freitag und Samstag jeweils 10 bis 22 Uhr und Sonntag 10 bis 18 Uhr.
Vernissage: 9. September ab 16 Uhr.
Weitere Infos und Begleitveranstaltungen: leilabock.ch
Und eine solche gibt es wieder mit Start am 9. September. Um 16 Uhr öffnen sich die Tore zum «Himmel Helvetia», unter dem Leila Bock 31 Kunstpositionen aus St.Gallen und der Region zusammenbringt. Gleich mit zwei Neuerungen wartet der Geile Block an der Helvetiastrasse 47 auf. Erstmals befindet sich hier der Sitz der «eidgenössischen* fachstelle der schönen künste» (mit Sternchen, ohne Hoheitszeichen). Die Neugründung dieser «Fachstelle» ist für Leila Bock eine logische Folgerung aus dem helvetischen Strassennamen. Genauso klar war es, dass am 1. August im Geilen Block bereits ein Fest stattfinden musste. Und welche Schriftart verwendet Leila Bock für all die Grafikerzeugnisse im Zusammenhang mit «Himmel Helvetia»? – natürlich «Helvetica».
Zurück zu den Neuerungen. Zusammen mit Lilia und David Glanzmann vom Zeughaus Teufen führt Leila Bock ein neues Vernetzungsformat ein. In geschlossenen Gesellschaften laden sie während der Laufzeit des Geilen Blocks Kunstschaffende auf der einen und Kunstvermittler:innen, Kulturmanager:innen, Museumsdirektor:innen etc. auf der anderen Seite zum Essen und Austausch am grossen Eichentisch namens Gurt ein.
Ein wenig Heavy Metal zum Auftakt
Und hier wird es für alle spannend: Immer um 21 Uhr nach einem solchen Treffen wird der Raum, dessen Wände Anita Zimmermann mit Zeichnungen von Leila Bock und den Geilen Blöcken gestaltet hat, für alle geöffnet und von Marc Jenny mit Musik bespielt. Jenny ist der Hausmusiker von Leila Bock. Wir dürfen uns auf ein vielseitiges musikalisches Rahmenprogramm freuen. Der Kontra- und E-Bass ist bildet mit seinem Instrument nicht nur einen Teppich, sondern vielmehr «ganze Wolken», um es in den Worten von Leila Bock wiederzugeben.
Auch wenn bei Redaktionsschlus noch nicht exakt alle Programmpunkte von «Himmel Helvetia» in Helvetica festgeschrieben waren, ist es so gut wie versprochen, dass an der Vernissage am 9. September Emillio Passuello – wer am 1. August dabei war, kennt ihn bereits als Zeichner – ein Heavy-Metal-Stück auf seiner E-Gitarre zum Besten gibt, bevor Leila Bock ihre Rede beginnt.
Während im ehemaligen Gewerbehaus in St.Fiden die Vorbereitungen für den Geilen Block auf Hochtouren laufen und ein Schaffensdrang die Luft knistern lässt, spielt die unermüdliche Leila Bock bereits mit neuen Gedanken. Gemäss ihrem Manifest Allein denken ist kriminell lässt sie uns an ihrer 1.-August-Rede teilhaben: Sie möchte «ein Kunsthaus bauen auf dem Freudenberg; ein Haus, das Freude spendet, ein Freudenhaus».
Während sie von dieser Idee erzählt, lacht sie laut auf und fügt gleich hinzu, dass es wohl nie Realität werden wird. Aber in ihren Augen sieht man ein Funkeln, ein Funkeln, das sagt: Nichts ist unmöglich für Leila Bock. Welche Bilder zeichnet sie uns wohl mit der Rede an der Vernissage in die Köpfe?
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