Vier Tage vor der Eröffnung gibt es noch einiges zu tun im Bierhof, dem «neuen» St.Galler Fanlokal an der Rorschacherstrasse. Draussen auf dem grosszügigen Vorplatz, unter den Augen des Baudepartements, werden die letzten Tische abgeschliffen und frisch gebeizt. Zwölf sind es insgesamt. Drinnen hängen noch da und dort Kabel aus der Decke, ein Maler tigert herum, am Boden stehen dutzende kupferfarbene Lampenschirme und der neuen Bar fehlt noch die eigens für sie gefertigte Frontabdeckung.
Frauen-Europameisterschaft live, Schweiz – Island: 22. Juli, 18 Uhr, Frauenpavillon, Stadtpark St.Gallen
Immer wieder kommt jemand vorbei. Um Material zu liefern, Dinge auszumessen, in der Mittagspause rasch «Hallo» zu sagen, Verpflegung zu bringen oder einfach, um ein wenig zuzuschauen. Die Stimmung ist geschäftig, aber gut und sehr kollegial. Trotzdem, langsam wirds ernst. «Ein bisschen nervös sind wir ja schon», räumt Daniel Torgler vom Fanlokal-Kollektiv ein und lacht. «Aber das gehört schliesslich dazu bei so einem Gemeinschafts-Projekt.»
Unbezahlbare Freiwilligenarbeit
Es mag an diesem Dienstagnachmittag noch etwas chaotisch und nach Schlussspurt aussehen rund um den Bierhof, aber der Schein trügt, denn in den letzten Wochen wurde schon allerhand zusammen gemacht und gestemmt: Die Lüftung ist frisch gereinigt, der Boden abgeschliffen und geölt, die Küche glänzt wie neu und die Räume im ersten Stock sind bereit für den Einzug der Fanarbeit heute Mittwoch.
Die neue Bar, noch ohne Front.
Das alles passierte bzw. passiert in Freiwilligenarbeit. «Allein für den Umbau haben sich etwa 60 Helfer gemeldet», sagt Torgler. «Und auch die Bar-Dienste im Bierhof können wir voraussichtlich problemlos abdecken.» Das klingt recht légèr, ist aber beachtlich, denn künftig soll das Fanlokal an fünf Abenden pro Woche geöffnet sein, nicht mehr nur an zweien wie bisher an der Lämmlisbrunnenstrasse. In den ersten Tagen werden deshalb noch primär die «alten Hasen» hinter dem Tresen stehen, die «Neulinge» werden sukzessive eingearbeitet.
Im Vorfeld des Umzugs wurde mit dem Gedanken gespielt, künftig Löhne zu zahlen für die Arbeit im Fanlokal (mehr dazu hier). Letztlich hat sich das Kollektiv aber dagegen entschieden. «Nicht zuletzt, weil man ja fürs Transparente Malen und für die Planung der Choreos im Stadion auch nichts verdient», sagt Torgler. «Das ganze System beruht auf Freiwilligenarbeit und Leidenschaft. Und so, finden wir, soll es auch bleiben.»
Nächstes Projekt: Lampen installieren.
Ganz ohne «Chlütter» geht es dann aber doch nicht. Wer keine Zeit und dafür etwas Geld übrig hat, kann sich bei den «Bierhof Patrons» anschliessen, einer Vereinigung, die extra für den Umzug des Fanlokals ins Leben gerufen wurde. «Durch eine jährliche Zuwendung von 100.- CHF stellst du sicher, dass der Bierhof auf einer soliden Basis steht», heisst es in der Erklärung. Dafür werden alle Patrons und Patroninnen einmal im Jahr zu Speis, Trank und Unterhaltung eingeladen. Wer es günstiger mag, kann sich auch der «Genossenschaft zur Förderung der Fankultur St.Gallen» anschliessen. Mehr dazu via info@bierhof.sg.
Vielfältige Zukunft
Der frische Wind im Bierhof ist offensichtlich, nicht nur in Sachen Ambiente. Auch musikalisch soll das Lokal vielfältiger werden. «An einem Abend läuft Rock, an einem anderen vielleicht Hip Hop – das hängt ganz vom Barpersonal ab. Unser kleinster gemeinsamer Nenner ist ja nicht der Musikgeschmack sondern der Fussball», erklärt Torgler. «Jene, die früher gerne im Bierhof verkehrt sind, sind natürlich weiterhin herzlich willkommen. Uns ist bewusst, dass sich hier vieles verändert. Trotzdem hoffen wir, dass sich die ehemaligen Gäste auch bei uns wieder wohlfühlen.»
Fanlokal-Eröffnung mit Grill, Bierhof-Bowle und DJ Joe Crack: 21. Juli, ab 16 Uhr, Rorschacherstrasse 34, St.Gallen bierhof.sg
Der Bierhof will ein städtischer Treffpunkt für Fussball- und FCSG-Fans sein, nicht irgendein x-beliebiger Spunten. Darum hat sich das Kollektiv auch in Sachen Events einiges überlegt: Die «Stadion trifft Stadt»-Reihe zum Beispiel, die früher in der Grabenhalle stattgefunden hat, soll im Bierhof wiederbelebt werden. Ausserdem wird es Spieleabende geben, Diskussionsrunden und eine Reihe namens «Bierhof bereist die Welt», wo man sich einen Abend lang mit typischen Gerichten von einem bestimmten Land verwöhnen lassen kann. Den Anfang am 4. August macht Italien. Und auch die SENF-Hefte werden weiterhin im Fanlokal getauft – das nächste am 17. August.
Auch ein Fumoir gibt es im Fanlokal, passend zum St.Galler Wetter.
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
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Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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