Es war vorauszusehen: Im Vorfeld eine grosse Klappe – in der Abstimmung aber dann doch kleinlaut kuschen. Es war die Angst vor einer -zigmillionenteuren Bauruine mitten in der Stadt St.Gallen, die in beiden Parlamenten zu den Geschenken an die Olma führte.
Dabei gab es im Vorfeld einige Kritik und viele Fragen: Zur Strategie und zu zukunftsfähigen Messemodellen. Zum Sanierungsplan. Zur Rentabilität der riesigen künftigen Halle 1. Zum Plan, die Olma-Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Zum vorgesehenen Preis der Aktien von 1100 Franken.
Konkrete Antworten las man kaum. Doch Olma-Direktorin Christine Bolt ist eine clevere Vermarkterin, sie verspricht uns eine blühende Messezukunft dank der neuen Halle. Die Marketingfrau hat einiges drauf – das muss man ihr lassen. Liest man aber die Kommentare zu den Medienberichten, kommt man dann doch ins Grübeln. Da wird gefragt ob die Chefin nicht mit dem Rücken zur Wand stehe, nachdem sowohl die Messeleiterin Manuela Fürer als auch der langjährige Finanzchef Adi Stuber den Betrieb verliessen. Auf «Inside Paradeplatz» wird offen der Abgang von Christine Bolt und Genossenschaftspräsident und ex-Stadtammann Thomas Scheitlin gefordert. Viele schieben das Finanzdebakel auch Nicolo Paganini zu, dem Vorgänger von Christine Bolt. Er habe sich nach der Wahl in den Nationalrat schleunigst von den Olma-Problemen davongeschlichen.
Ob die Rettung gelingt werden wir erst nächstes Jahr wissen. Zusätzlich zu den nun «geschenkten» Darlehen sucht die Messe weitere 20 Millionen neues Geld. Davon sind erst 6 Millionen zugesichert. Die Grosszügigkeit aus Industrie und Gewerbe hält sich bisher in Grenzen. Nachbargemeinden und -kantone haben in der ersten Runde abgesagt. Die umgewandelten Darlehen hätten nun Signalwirkung, hofft Christine Bolt auf mehr Grosszügigkeit.
Einige Kantons- und Stadtparlamentarier:innen haben sich offensichtlich schon auf eine Pleite eingestellt: Es komme ja nicht drauf an, ob man die Darlehen nun umwandle oder nicht, hiess es in den Räten. Das Geld sei eh schon ausgegeben. Auf die Rückzahlung zu verzichten oder das Geld in einem Konkurs zu verlieren, komme letztlich aufs Gleiche heraus.
Immerhin: Niemand wollte riskieren, dass die 160 Meter lange und 90 Meter breite Halle zu einer Bauruine wird, auch wenn sie rund 10 Millionen mehr kosten wird, als ursprünglich angenommen. Inzwischen ist von 174 Millionen Franken Gesamtkosten die Rede. Rund 40 Millionen davon wurden für den Deckel der Autobahn verbaut. Und daran haben der Kanton bereits 12 und die Stadt 18 Millionen Franken bezahlt. – Für die St.Galler Stadtbewohner:innen wäre eine Ruine wohl der grösste Ärger. Das Ungetüm sprengt – das zeigt sich gut im Blick von den Hängen herab – alle Dimensionen bisheriger Bauvolumen.
Doch was, wenn all die Finanzierungspläne scheitern? Auf «Inside Paradeplatz» findet sich bereits ein Rezept von Unternehmens- und Steuerberater René Bitterli: Dann brauche es nach einem Konkurs die Neugründung von zwei Gesellschaften, einer Messegesellschaft und getrennt davon eine Immobilienfirma. Danach werde sich weisen, welche Teile des Betriebs kostendeckend arbeiten.
Noch aber hält die Politik der Messe die Treue. Die Darlehen wurden umgewandelt. Den einzigen halbwegs mutigen Entscheid hat das Kantonsparlament gefällt und Regierungsrat Marc Mächler damit beauftragt, den Olma-Verwaltungsrat davon zu überzeugen, den Nennwert der künftigen Aktien nicht auf 1100 sondern nur auf 500 Franken festzulegen. Nur so habe das Papier eine Chance, zu einer «Volksaktie» zu werden. Und das Stadtparlament hat – mit nur einer Stimme Mehrheit – auch noch einen Strich gezogen: Bis Ende 2030 gibts von der Stadt keine weiteren Gelder mehr.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.