Songhoy Blues aus Mali fanden 2012 in den Wirren des Bürgerkriegs zusammen durch die gemeinsame Ablehnung des Musikverbots, das die Islamisten mit ihren Scharia-Gesetzen verhängten. Religions- und Stammeszugehörigkeit kümmern die vier Jungs nicht. Ihr Herz schlägt für den Desert Blues, der zuerst Damon Albarn (Blur, Gorillaz) und dann Nick Zinner (Yeah Yeah Yeahs) auf sie aufmerksam werden liess.
Mit Marema holt das Kulturfestival die neue grosse Frauenstimme des Senegals nach St.Gallen. Mit ihrem souligen Afropop erzählt sie von sozialer Ungerechtigkeit und den starken Frauen ihrer Heimat. Ebenfalls äusserst tanzbar, dann aber auch wieder besinnlicher ist Bongeziwe Mabandla. Der südafrikanische Singer/Songwriter verbindet traditionellen Afro-Folk mit feinen elektronischen Klängen.
Marema spielt am 5. Juli.
Nur ein paar Breitengrade weiter nördlich haben sich drei Jungs aus Palästina zu 47Soul zusammengetan und bereisen nun die Welt mit ihrem eigens kreierten Genre «Shamstep», eine Fusion aus traditioneller Strassenmusik der Sham-Region (Palästina, Jordanien), elektronischen Beats und Einflüssen aus Hip Hop und Rock. Was an Grossanlässen wie Glastonbury oder Roskilde funktioniert, kann im Museumsinnenhof nicht verkehrt sein. Im Anschluss legt der St.Galler DJ Naurasta Selecta auf.
47Soul: am 13. Juli live.
Energetischen Rap liefert KT Gorique, die Unterwalliserin mit ivorischen Wurzeln. 2012 gewann sie als erste Frau überhaupt die Weltmeisterschaften im Freestyle Rap in New York. Auf ihrem neusten Album Akwaba setzt sie ihre musikalische Reise in Richtung Future Roots fort. Support erhält sie am Kulturfestival vom St.Galler Rapper Rapture Boy, der 2020 den bandXost-Wettbewerb gewann.
Auf Altbewährtes, eventuell etwas gar Gefälliges setzen die Festival-Macher:innen in der Elektronik-Sparte: Digitalism, Kosheen und Booka Shade haben ihren Zenit definitiv überschritten. Das dürfte das eingefleischte Kulturfestival-Publikum allerdings wenig kümmern. Was auch immer funktioniert und zum kollektiven Hüftewackeln lädt: die Amsterdam Klezmer Band. Auch wenn die mutigen Experimente – abgesehen vom Afrika-Schwerpunkt – dieses Jahr wieder ausbleiben, lohnt sich der eine oder andere Ausflug ins Museumsquartier definitiv.
KT Gorique: 7. Juli. Support: Rapture Boy
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.