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Schübligtown grau anzuschaun

Was die St.Galler Standortförderung 2020/21 verpasst und verschweigt – und wie Niklaus Meienberg in den Achtzigerjahren über seine Heimatstadt und ihr Stadtmarketing hergezogen ist. 

Von  Matthias Fässler , 
Niklaus Meienberg 1979 (Bild: Wikimedia / Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung Rutishauser).

Prolog. Angestrengte Heimatliebe und heiliger Bimbam.

Es scheint schlecht bestellt um Meienbergs Heimat, die eingehügelte Stadt zwischen Freuden- und Rosenberg, wenn man durch eine Vorlage blättert, die vor ein paar Monaten im St.Galler Stadtparlament zuerst kurz debattiert und dann ziemlich geräuschlos akzeptiert wurde. Es ging um Geld, mal wieder, und natürlich nicht für Kultur, die beim nächsten Sparpaket wieder als erstes den Gürtel wird enger schnallen müssen, nicht für Schulen, nicht für den Ausbau der Fahrradwege. Sondern für eine Marketingkampagne für den Standort St.Gallen.

Es lamentieren in der Vorlage die Marktschreier, die Marktradikalen, die Direktion Inneres und Finanzen, in nomine die frisch gebackene Stadtpräsidentin: Die Bevölkerung der sakrosankten Gallusstadt wachse heute nur zögerlich, so heisst es, im Vergleich zur gesamten Schweiz sogar unterdurschnittlich. Oh jemine. Darum gelte es, Zitat, die «Wegzugsgründe zu schwächen und die Zuzugsgründe zu stärken». Schliesslich würden mehr Einwohner:innen eine stärkere Wertschöpfung vor Ort auslösen und damit zu mehr Wohlstand führen.

Und weil Wohlstand kostet, wolle man sich nun für 400’000 Franken eine Marketingkampagne leisten, die sich also gewaschen habe. Die Marketingstrateg:innen haben ihr den einsilbigen und einfältigen Namen «Sankt» gegeben, vielleicht weil sie ihnen als heilig und unantastbar gilt, vielleicht aber auch, weil ihnen seit Jahren nichts Anderes mehr einfällt als solch biederen Wortspielereien.

Menschen tauchen in der Vorlage übrigens lediglich als «Zielgruppen» auf: Während man die einen überzeugen will, hier zu bleiben, sollen die anderen gefälligst zurückkommen. Was fällt denen auch ein, nicht mehr in St.Gallen leben zu wollen und anderswo ge-wert-schöpft zu werden, gewertschröpft. Zurückkommen sollen etwa die sogenannten «Newcomer», die – Zitat – «das Leben in der Stadt je länger je mehr reizt». Oder die «Heimweh-St.Galler:innen», wie Silvia und Marco, Schulpsychologin und Programmierer, aufgewachsen in Wittenbach, wohnhaft jetzt aber unglücklicherweise noch in Zürich-Wipkingen. Oder wie wärs mit den «Workern» Timo und Aline, die durch ein neues Jobangebot in St.Gallen in die Gallusstadt gelockt werden könnten? Und wie steht es eigentlich um «Golden Agerin» Susanne, die sich für «Ernährung und Gesundheit» interessiert, sich in urbanen Zentren wohlfühlt und sich auf dem Land je länger je mehr alleine fühlt?

Sie alle sollen durch eine «emotionale Ansprache und rationale Gründe» nachhause gelockt werden. In den Schoss der Heimatstadt. Mit besonders einfallslos geratenen Ideen wie einer «Heimwehbox» (voller Klischees) oder einem «St.Gallerfest in Zürich, Bern oder Basel».

Niklaus Meienberg hätte bestimmt geschmunzelt ab so viel angestrengter Heimatliebe. Und hätte sich gleich mit Lust und der für ihn einzigartigen Dringlichkeit daran gemacht, einen bissigen Texte darüber zu schreiben. Man hört schon seinen unnachahmlichen Sound in der Stimme, wie er dann diesen Text genüsslich vorliest und damit allerlei Radau anzettelt.

Ob man einen wie Meienberg mit einer solchen Box mit Bratwurst, Biberli und lokalem Bier dazu hätte bewegen können, zurückzukehren in seine Heimatstadt? Den «Golden Ager» Meienberg? Den «Heimweh-St.Galler»?

Erstens: O Furglercity Stickerstadt. Meienberg und St.Gallen

Seine Heimatstadt St.Gallen hat Meienberg trotz der räumlichen Distanz nie ganz losgelassen. Es ist die Stadt, die ihm 1990 zähneknirschend den Kulturpreis verleihen wird. Und dies, obwohl er nur noch selten in die Stadt zurückgekehrt ist. Meist, um seine Mutter zu besuchen. Einmal verschlägt ihn der Plan nach St.Gallen, ein Motorrad zu kaufen, das hier günstiger ist als in Frankreich. Und wenn er schon mal hier ist und wegen Schneegestöber feststeckt, dann schreibt er natürlich auch gleich eine Reportage darüber. Sie erschien unter dem Titel Aufenthalt in St.Gallen (670 m ü.M.). Er erinnert sich darin an sein Primarschulhaus, fast melancholisch, zärtlich, spricht aber auch von der alltäglichen Disziplinierung in der Schule, von Liebeleien, den einbetonierten Bürgerlichkeiten.

Aus der Reportage:

«Die Lust hatte sich in Ortsbezeichnungen hineingeflüchtet, und dort bleibt sie auch, Lustmühle, Nest, Freudenberg. Der Freudenberg hat seinen Namen von der Freude, welche die spazierenden St.Galler empfinden, wenn sie auf den gegenüberliegenden Rosenberg blicken, der herrschaftlich überbaut ist durch die Residenzen der reichen Mitbürger, die es durch ihre Tüchtigkeit zu einer Villa gebracht haben, während es die meisten St.Galler nur zu einem lohnenden Spaziergang bringen, etwa durch das Tal der Demut zum Wenigerweiher.»

Es spricht hier ein typischer Meienberg, der die gesellschaftlichen Widersprüche, die Klassenverhältnisse, nicht in der Sprache marxistischer Lesekreise findet, in hochtrabenden Begrifflichkeiten, sondern im Alltäglichen, wie hier in der Landschaft oder in einer anderen Reportage auf einem Zeltplatz, und diese Gegensätzlichkeiten doch in aller Deutlichkeit und politischen Schärfe benennt. In der Reportage klingt aber auch eine Art Tristesse an, die Meienberg beim Besuch der Stadt spürt, und um die es auch in einem seiner bekanntesten Gedichte geht.

Es trägt den Titel geboren und aufgewachsen in / gefärbt und gebleicht in. Es ist ein Gedicht als Klagelied, als «lamentatio» über den Tod vor dem Tod – media vita in morte sumus. Es ist eine Abrechnung mit der Heimatstadt. Ein Text, der so hart ins Gericht geht mit Meienbergs Heimatstadt, wie sonst kaum ein Text von ihm. «Mitten im Leben sind wir schon tot hat Kollega Notker genannt der Stammler Balbulus im Tal der Steinach gedichtet gesungen so ca. anno 890», so beginnt Meienberg. Und so endet er: «O dreimal gottvergessene bleiche Heimat heimatlich gebleichte kreuzbleich schielende Mumie in der Wolle gefärbte in der Sitter gegerbte feldgrau trommelnde Leiche Vaterstadt.»

Und dazwischen? Hier breitet Meienberg jene Stimmung aus, die er so typisch für St.Gallen hält, diese geistige Enge, dieser Drang zum Gehorsam, dieser Zwang zur Konformität, hier, wo alles, was nicht hineinpasse, passend gemacht werde, wo es keinen Platz gebe für das Unbequeme, Kritische. Es sei darum kein Zufall, so dichtet Meienberg, dass so ein «Totenjodel» wie jener von Balbulus hier im stickigen St.Gallen «ausgeknobelt» worden sei. «Wie leicht lässt es sich da versauern»?

Das Gedicht ist, bei allem Lamentieren, aber auch eine zeitlose Ode an die Heimatstadt. In dieser Widersprüchlichkeit, oder auch: in dieser Dialektik, spiegelt sich vielleicht jene typische St.Gallische Frage nach dem Verhältnis zur eigenen Stadt: diese Gleichzeitigkeit von Distanz und Kritik und doch so etwas wie heimatlicher Verbundenheit. Es ist diese Frage, die Menschen hier immer wieder umtreibt. Die die einen dazu bewegt, der Stadt den Rücken zu kehren (wie Meienberg). Andere kehren wieder zurück, und wieder andere bleiben, obwohl sie eigentlich besser gehen sollten, wo es doch so viel zu lamentieren gibt. Und wieder andere Optimist:innen bleiben, weil die Verhältnisse ja nur dann zum Tanzen gebracht werden können, wenn man vor Ort ordentlich Musik und Radau macht.

Es ist diese st.gallische Frage, aber vielleicht auch dieser etwas kulturpessimistische Blick, der auch in der Popkultur immer wieder auftaucht, der – meist von Männern – besungen wird. Etwa bei Rapper Göldin, im Hauptberuf Journalist, der es nicht wie Meienberg nach Paris, aber immerhin bis nach Zürich geschafft hat. Sein Song Saint City Low Life, geschrieben zehn Jahre nach dem Tod Meienbergs 1993, ist gewissermassen die moderne und schweizerdeutsche Fassung von Meienbergs Gedicht geboren und aufgewachsen in / gefärbt und gebleicht in.

Da raunt es bei Göldin: «me hend es rothus mit ennere rostbrune fassade. mer hend vill lüüt wo ganz liecht z’provoziere sind… mer hend vill lüüt wo vill dra lit, dass alles bim alte bliebt… me hend vill, doch vill muet hemmer nöd… saint city low life.»

Und was besingen heute eigentlich die Popbands Stahlberger und Dachs, wenn nicht just auch immer diese Eingeengtheit und Provinzialität im Tal zwischen Freuden- und Rosenberg?

O Gallenstadt, O Männerstadt.

Geschrieben ist das Gedicht von Meienberg als Figurengedicht, als Text, der typografisch eine Figur abbildet, wo die Form zum Inhalt beiträgt. So wird im Gedicht der normale Lauftext immer wieder unterbrochen durch einen schmalen, säulenartigen Teil, meist durch Anrufungen an die Stadt: O Gallenstadt, O Nierenstadt O Furglercity Stickerstadt O Schübligtown grau anzuschaun. Die Enge der Stadt spiegelt sich in der Enge des Gedichts.

Meienberg kombiniert in diesen Anrufungen geschickt jene scheinbar typischen St.Galler Eigenheiten, mit denen sich die Stadt selber gerne vermarktet, noch bis heute, mit Zuschreibungen von Aussen. St.Gallen ist nicht nur Olma, Biber, Brodworscht. St.Gallen ist auch Furglercity, ist Dominanz des Freisinns, ist Schübligtown grau anzuschaun.

Zweitens: Kritik und Liebe

Dass im Gedicht nur Männer auftauchen, ist kein Zufall. Meienberg war fasziniert von der Macht, aber eben auch den Mächtigen, den einflussreichen Leuten, fast immer Männern, die er – im Gegensatz zu den Frauen – ernst nahm. Die Journalistin Bettina Dyttrich schrieb dazu: «Die Fixierung auf Männer erstaunt deshalb, weil Meienberg ansonsten eigentlich einen guten Sensor für die Unterdrückten hatte, die Gebeutelten, aber auch für die Aufmüpfigen, Armen, die Arbeiter:innen, darunter hätte er bestimmt eine Frau finden können.»

Einen guten Riecher hatte Meienberg zweifelsohne für die gesellschaftlichen und moralischen Normen, für Autoritäts- und Identitätsvorstellungen, die er radikal infrage stellte. Das zeigt sich insbesondere auch bei seinen historischen Arbeiten. Meienberg sorgte mit diesen Arbeiten auch innerhalb der Geschichtswissenschaft für allerlei Radau und Debatten, die die Geschichtswissenschaft selber mit-verändern sollten. Dafür ist etwa Die Erschiessung des Ernst S. ein treffliches Beispiel. Er zeigt wie schonungslos die Militärjustiz als Klassenjustiz funktionierte und die kleinen Leute herhalten mussten, um die Nazisympathien grosser Teile des Grossbürgertums zu verbergen. Die kleinen hängt man, die Grossen lässt man laufen.

Meienberg stellte das Selbstbild der Schweiz als humanitäre und neutrale Musterschülerin wiederholt radikal in Frage, schrieb gegen das helvetische Saubermanns-Image an. Immer aber aus einer Perspektive, einer Art linkem Patriotismus, in Heimatverbundenheit.

Auch mit dieser politischen Kompromisslosigkeit, seiner direkten, manchmal auch beleidigenden Art hatte es zu tun, dass die Verleihung des Kulturpreises 1990 zum Politikum wurde. Es hagelte Kritik, vor allem aus bürgerlichen, aber auch aus kirchlichen Kreisen. Darunter auch prominente Vertreter wie der spätere Stadtpräsident Thomas Scheitlin, der Mann vom Rosenberg, der Jahre später nochmals intervenieren wird, um die Benennung einer Strasse nach Meienberg zu verhindern.

Stadtammann Heinz Christen überreicht Niklaus Meienberg im November 1990 im Theater St.Gallen den Kulturpreis der Stadt. (Bild: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St.Gallen/Archiv Kühne+Künzler)

Doch viele der Kritiker hatten Meienberg nie richtig verstanden. Wer sich durch die Texte liest, in denen St.Gallen vorkommt, der entdeckt darin zwar immer wieder kritische Töne. Doch wer genau liest, entdeckt auch einen nostalgischen, liebevollen Blick auf die Stadt. Im Falle von Scheitlin und Konsorten war das natürlich mehr als nur ein Missverständnis. Ihnen missfiel die politische Haltung, für die Meienberg stand. Und sie missfällt ihnen bestimmt auch noch heute, wo sie alle noch immer das gleiche tun wie damals: Ökonomie mit Demokratie verwechseln.

Drittens: Hat jemand Cancel Culture gesagt?

Die Kontroversen rund um Niklaus Meienberg stehen damit auch exemplarisch für den Umgang mit unliebsamen, kritischen Geistern. Natürlich hatte Meienberg immer viel Bühne für seine Texte und seine Inhalte. Er musste sie aber immer gegen breiten Widerstand erkämpfen: in der Geschichtswissenschaft wie im Journalismus.

Die Kritik, wonach unliebsamen Meinungen die Bühne entzogen werde, hat heute die politischen Vorzeichen gewechselt. Unter dem Stichwort Cancel Culture wird vor allem im liberalen und rechten Milieu beklagt und bejammert, dass es heutzutage nicht mehr möglich sei, seine Meinung zu äussern, ohne dass man von einem linksmoralischen Mob diskreditiert und zensiert, also «gecancelt», werde. Doch was hier als Untergang des Abendlandes beklagt wird, ist ein Fortschritt: Es zeigt nämlich, dass mehr Akteur:innen, als das früher der Fall war, eine Stimme erhalten, auch sogenannte marginalisierte Gruppen wie feministische Frauen oder Migrant:innen.

Vergessen geht auch, dass jene, die am meisten Drohungen und Kritik ausgesetzt sind, noch immer vor allem feministische Frauen und Migrant:innen sind. Und vergessen geht auch der Selbstwiderspruch, dass ausgerechnet jene Interview für Interview geben und eine mediale Bühne erhalten, die angeblich gerade gecancelt werden.

Letztens: Und heute, wie stickig ist’s noch heute?

Und wie stickig ists denn eigentlich noch heute? Es liesse sich aufzählen: in einer Stadt, die es erst kürzlich geschafft hat, eine StadtpräsidentIN zu wählen, in einer Stadt, in der Parkplätze zwar aufgehoben werden, aber nur sehr sehr zähneknirschend, in einer Stadt, die sich einen Autobahnzubringer mitten in ein Quartier und in eine belebte Brache pflanzen will (und damit Meienberg an den Autobahn-Anschluss erinnern würde, der sein Kindheitsquartier durchschnitten hatte (er nannte die Befürworter:innen des Projekts damals «bohnenstrohdumm»)…

…in einem Kanton, der noch immer in aller Überheblichkeit jenen das Stimm- und Wahlrecht verweigert, die hier wohnen, arbeiten, Steuern zahlen, in einer Stadt, in der man dem lokalen grün-weissen Fussballunternehmen gefälligst zu applaudieren und es zu hofieren hat, einer Stadt, dem fast keine belebten Innenstadtquartiere mehr bleiben, seit in der Innenstadt nur noch gearbeitet, geshoppt und weggewiesen wird, sowieso einer Stadt, die ihre Innenstadt nicht durch Menschen, sondern nur durch Kunden beleben will, wobei man heute ja ohnehin nie ganz weiss, ob das nicht dasselbe ist, einer Stadt, die manche gerne als Unternehmen geführt sähen, einer Stadt, in der die Polizei hinter jedem unerlaubt plakatierten Plakat einen revolutionären Umsturzversuch vermutet und entsprechend darauf reagiert, die eine friedliche Demonstration für solidarische Corona-Massnahmen niederknüppelt und gleichzeitig mit grossen Verständnisgesten auf jene selbsternannten Freiheitskämpfer reagiert, die auf Schutzmassnahmen pfeifen. In einer Stadt, in der die Belebung und Gestaltung von öffentlichem Raum in erster Linie Aufgabe von Architektur- und Stadtplanungsbüros ist.

Einer Stadt, in der es an Orten fehlt, für die man zu kämpfen bereit ist.

In einer Stadt, die einige, wie in der zu Beginn zitierten Vorlage, mit einer solchen ökonomischen Verbissenheit verstandortmarken, anpreisen, lobhudeln müssen, dass man sich manchmal fragt, was denn von einer solch skizzierten Stadt und dem Leben darin übrig bliebe, ohne das Geifern nach ökonomischer Rentabilität, nach Wertschöpfung.

Darüber schreiben könnte eine Lokalzeitung, die das längst nicht mehr ist, weil ihr Korrektorat nach Bosnien und Herzegowina und ihr Mantelteil nach Aarau ausgelagert worden ist, und die wenigen Stellen, die übrig blieben, allmählich abgebaut werden, weil die Medien zu Konzernen geworden sind, die reibungslos zu funktionieren haben. Auch einer wie Meienberg könnte da nur stören.

Natürlich war Meienberg ein Kind des Kalten Krieges, agierte in einer polarisierten politischen Atmosphäre, die oft nur zwei Positionen zuliess, ein Dafür oder ein Dagegen, ein Links oder Rechts. Es mag mit dem geistigen Klima des Kalten Krieges zu tun gehabt haben, aber es war auch eine Grundüberzeugung Meienbergs, dass jeder Streit die Welt der Wahrheit etwas näher bringe.

Was der Stadt fehlt, und wofür Meienberg stand, ist die Lust am Gerangel, an offenen Konflikten, an der Zuspitzung. An einer Art der Politik, die sich selbst nicht für alternativlos hält, und einer Kultur, die sich nicht damit begnügt, was sie erreicht hat.

Alles, nur keine «Heimweh-Box».

Oh Schübligtown, grau anzuschaun.

Das ist noch immer Meienbergs Heimatstadt. Hier wurde er gebleicht und gefärbt. Aufgewachsen im St.Fiden-Quartier. Zwischen Rosen- und Freudenberg.

Gekürzte Fassung der Rede, die Matthias Fässler im September 2021 in Trogen im Begleitprogramm zum Oratorium Media vita in morte sumus von Peter Roth gehalten hat.

Dieser Beitrag erschien im Januarheft von Saiten.

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