Samuel Blaser, 8. Februar 2021 um 13:56 Uhr Vielleicht stellt sich die Frage, ob Bildende Kunst heute als gesellschaftliches Phänomen nicht schlicht sinnlos geworden ist, und bloss ihr leerer Ordner in der Gesellschaft verwaltet wird, weil man ihn bunt angefärbt und sich an ihn gewöhnt hat und er einigen Funktionären noch ein paar Batzeli abwirft. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass in zehn bis zwanzig Jahren jene Bildungsbürger, für die Kunst noch ganz selbstverständlich zum Arrangement des geistigen Lebens gehörte, ausgestorben sein werden. Es wird eine Generation folgen, deren symbolischer Kosmos aus Games, Netflix und gleichgeschalteten Lehrplänen gespiesen wurde. Bildende (Gegenwarts)Kunst als gesellschaftliches Phänomen steht also vor der (ev. unlösbaren) Aufgabe, aufzeigen zu können, dass die digitale Isolationskultur mangelhaft ist und sie hier mindestens eine ergänzende Rolle hat. Dazu muss sie sich aber lösen von ihren eigenen durch Kunsthochschulen geförderten Sektierertum und der Arroganz, an sich quasi automatisch bedeutungsvoll und wichtig zu sein. Deswegen nochmals die Polemik: Bildende Kunst ist heute sinnlos geworden!