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Flüchtige Bilder

Das Zeughaus Teufen zeigt Architekturfotografien. Aber es ist wie alle Museen noch geschlossen, wegen Corona. Kurator Ueli Vogt schreibt über die Ausstellung und erklärt, wie das Museum dennoch arbeitet, auch wenn es zu ist.
Von  Gastbeitrag

48 Fotografien hängen an den Wänden, Werke von Mitgliedern der IG Architekturfotografie Schweiz. Sie geben Einblick in das Schaffen dieses Berufsstands, und zwar anhand der «B-Side»: Zu sehen ist, was wir sonst nicht zu sehen bekommen, nämlich beiläufige und ausserhalb des Auftrags entstandene Bilder.

Die Fotografinnen und Fotografen haben vereinbart, dass jede und jeder etwa einen Quadratmeter Wand beanspruchen kann; ob dies viele kleine Bilder oder eine einzelne Fotografie ist, war eine individuelle Entscheidung. Die Art der Präsentation entspricht dem, was oft als «Petersburger Hängung» bezeichnet wird. Die Felder sind so zusammengestellt, dass Querbeziehungen entstehen, die weder voraus gedacht waren noch in der Gesamtheit eine Geschichte erzählen sollen.

   

Entstanden ist eine Art Wolke aus flüchtigen Blicken, die aber in der Gesamtheit verdichtet und erstaunlich repräsentativ erscheint. Der finnische Architekt Juhani Pallasmaa sagt in seinem Vortrag «Die Welt berühren»: «Unbewusste periphere Wahrnehmung überführt rein visuelle Gestalt in räumliche und körperliche Erfahrungen. Eine periphere Sehweise umgibt uns immer mit Raum, während eine streng ausgerichtete, fokussierte Sehweise uns aus ihm hinausdrängt und zu blossen Zuschauern macht.»

Das erklärt sehr schön, wie die beiläufige Sehweise, der flüchtige Blick eine umfassendere Wahrnehmung ermöglicht.

Die Ausstellung «APROPOS B-Side» ist ab dem 13. Mai wieder offen und zu den normalen Öffnungszeiten zugänglich. Ebenso im Zeughaus zu sehen: Die Ausstellung «The As Usual Dance Towards The Other Flight To What Is Not» von Regula Engeler. Sie entstand als Teil der (wegen Corona abgesagten) Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde, die am 2./3. Mai im Zeughaus Teufen hätte stattfinden sollen.

Zeughaus Teufen

Die Besucher fehlen uns, das ist keine Frage – auch wenn die Besucher nicht den Hauptteil der Arbeit ausmachen. Die besucherfreie Zeit kann dazu genutzt werden, das Selbstverständnis der Institution zu reflektieren, über den Sinn und Zweck eines Museums nachzudenken.

Dass das Haus ein Ort des Sehens und Zeigens ist, macht einen grossen Anteil der Legitimation eines Museums aus. Aber ein Museum ist auch ein Arbeitsort, es wird geforscht, geordnet und versorgt. Und etwas vom Wichtigsten dabei ist, dass die historischen, geschichtsträchtigen Dinge immer wieder auf Neues bezogen werden. So entstehen Verbindungen.

Museen sind aber auch Event-Orte – mit möglichst vielgestaltigen Veranstaltungen, damit möglichst viele Besucherkreise angesprochen werden können. Ein solches Veranstaltungsprogramm haben wir im Zeughaus intensiv betrieben, vielleicht auch zuviel, daher könnte diese verordnete Zwangspause durchaus auch der Reflexion dienen. Dafür braucht es grundsätzlich keine Besucher. Oft geschieht so etwas in Ateliers, auch zum Schutz, um nicht beim möglichen Scheitern beobachtet werden zu können.

Dass das Entstandene gesehen werden kann, ist wichtig. Aber oft ist es gerade bei bildender oder angewandter Kunst nicht zwingend, dass das zeitlich unmittelbar geschieht. Bilder, Skulpturen oder Installationen brauchen oft nicht die direkte Gegenwart der Betrachtenden. Dies kann in einigen Wochen, Monaten oder Jahren sein, vielleicht sogar beides. Wir betrachten ja auch immer wieder gerne Werke aus vergangenen Epochen; das ist eine der Kernaufgaben eines Museums.

Ein Gedanke klingt nach: dass etwas gar nicht gesehen werden muss, um Bedeutung zu haben.

Ueli Vogt, 1965, ist ausgebildeter Gärtner und Architekt. Seit 2012 leitet er das Grubenmann-Museum und Zeughaus Teufen. Bilder: Joshua Loher

Blackbox heisst die neue Rubrik auf saiten.ch. Ihre Einführung ist der Corona-Krise geschuldet. Der Kulturbetrieb steht seit Mitte März still, Konzerthäuser, Theater, Kinos, Museen, Clubs: geschlossen. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sind hier zu sehen und zu hören, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so. Und dies – soweit zumindest der Plan – über Corona hinaus.

 

 

 

 

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2