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Steine, die keine sind

Im historischen Haus Max Burkhardt in Arbon zeigt die Fotografin Nora Dal Cero die Serien Stranded und Summertime Sadness. Es geht um Umweltschutz, natürliche Ressourcen und Klimawandel. Am 28. Februar ist die Vernissage. 

Bild aus der Serie Stranded von Nora Dal Cero (Bild: pd/Nora Dal Cero)

Bild aus der Serie Stranded von Nora Dal Cero (Bild: pd/Nora Dal Cero)

Man sitzt am See. Ent­deckt im grau­en Kies­strand et­was Grü­nes. Ein spe­zi­el­ler Stein? Nein. Ein Glas­stück, viel­leicht von ei­ner Bier­fla­sche. So ge­schlif­fen von der Wit­te­rung, dass es sich naht­los in sei­ne Um­ge­bung ein­fügt – nur dass es dort ei­gent­lich nicht hin­ge­hört, weil es Ab­fall ist. 

Mit sol­chen an­ge­spül­ten und von der Wit­te­rung ge­form­ten Ab­fall­stü­cken setzt sich die Fo­to­gra­fin No­ra Dal Ce­ro in ih­rer Se­rie Stran­ded aus­ein­an­der. Dal Ce­ro lebt und ar­bei­tet in Zü­rich, ist aber über ih­ren Part­ner mit der Ost­schweiz ver­bun­den. Seit 16 Jah­ren ist sie als selbst­stän­di­ge Fo­to­gra­fin tä­tig und hat sich auf Por­träts und Food-Fo­to­gra­fien spe­zia­li­siert. Nach­hal­tig­keit, Res­sour­cen­be­wusst­sein und Um­welt­schutz sind da­bei ih­re Kern­the­men. Die­se greift sie auch in ih­rer frei­en Ar­beit als Künst­le­rin auf. 

Dal Ce­ros Se­rie Stran­ded so­wie wei­te­re Ar­bei­ten sind ab dem 28. Fe­bru­ar im Haus Max Burk­hardt in Ar­bon zu se­hen. Sai­ten hat mit ihr über die Aus­stel­lung ge­spro­chen.

Sai­ten: Wie kam es zur Aus­stel­lung in Ar­bon?

No­ra Dal Ce­ro: Der Ver­ein um das Haus Max Burk­hardt hat mich di­rekt an­ge­fragt. Den Kon­takt hat die Aus­stel­lungs­ku­ra­to­rin San­dra Gim­mel ver­mit­telt, mit der ich be­reits in ver­schie­de­nen kom­mer­zi­el­len Pro­jek­ten zu­sam­men­ge­ar­bei­tet ha­be. 

Was zei­gen Sie in der Aus­stel­lung?

NDC: Ich zei­ge mei­ne bei­den Fo­to­se­ri­en Stran­ded und Sum­mer­ti­me Sad­ness. In Stran­ded geht es um das Ab­fall­pro­dukt Plas­tik, das die ge­sam­te Welt und vor al­lem auch die Ge­wäs­ser ver­schmutzt. Sum­mer­ti­me Sad­ness the­ma­ti­siert die Zer­stö­rung der mensch­li­chen Le­bens­räu­me als Fol­ge der Kli­ma­er­wär­mung.

In Sum­mer­ti­mes Sad­ness zei­gen Sie ziem­lich apo­ka­lyp­ti­sche Land­schafts- und Ar­chi­tek­tur­auf­nah­men. Wie kam es da­zu?

NDC: Mit der Se­rie Sum­mer­ti­me Sad­ness ha­be ich im Jahr 2024 spon­tan be­gon­nen. Ich war auf ei­ner Rei­se durch Ka­li­for­ni­en, als das Ge­biet von ei­ner Un­wet­ter­ka­ta­stro­phe ge­trof­fen wur­de – es wa­ren wohl die stärks­ten Re­gen­fäl­le seit 150 Jah­ren. Al­les sah so aus­ge­stor­ben aus, rich­tig apo­ka­lyp­tisch. Das war be­un­ru­hi­gend. Gleich­zei­tig lag dar­in auch ei­ne me­lan­cho­li­sche Schön­heit. Ich ha­be dann be­gon­nen, die­se düs­te­ren Sze­ne­rien mit der Ka­me­ra zu do­ku­men­tie­ren, und viel­leicht ver­dankt die Se­rie ge­nau die­ser Äs­the­tik ihr Po­ten­zi­al.

Was kann die­se Äs­the­tik beim Be­trach­ten aus­lö­sen?

NDC: Die Auf­nah­men ver­mit­teln, dass Tra­gik und Schön­heit fast über­all gleich­zei­tig exis­tie­ren kön­nen. Et­wa bei mei­nen Auf­nah­men ei­ner men­schen­lee­ren Stadt, in der hie und da noch ein Schrift­zug leuch­tet. Die­se Äs­the­tik hat das Po­ten­zi­al, die Be­trach­ten­den zu er­rei­chen und zum Nach­den­ken an­zu­re­gen. Bei­spiels­wei­se zum Nach­den­ken über die kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen und wie wir als Men­schen für die­se ver­ant­wort­lich sind.

Bild aus der Serie Summertime Sadness (Bild: pd/Nora Dal Cero)

Bild aus der Serie Summertime Sadness (Bild: pd/Nora Dal Cero)

Die Serie entstand auf einer Kalifornien-Reise (Bild: pd/Nora Dal Cero)

Die Serie entstand auf einer Kalifornien-Reise (Bild: pd/Nora Dal Cero)

Auch bei der Se­rie Stran­ded steht das The­ma Um­welt­schutz im Zen­trum. Wie ist die­se Ar­beit ent­stan­den?

NDC: Die Se­rie ent­stand aus mei­ner ei­ge­nen Ir­ri­ta­ti­on her­aus. Ich stand vor zwei Jah­ren nach ei­nem Un­wet­ter am Strand des Co­mer­sees und ha­be die Stei­ne be­wun­dert. Dann ha­be ich rea­li­siert, dass das kei­ne Stei­ne sind, son­dern an­ge­schwemm­tes Plas­tik. Es hat mich so er­staunt, wie gut sich die­ser Fremd­kör­per in die Na­tur ein­fügt. Des­halb ha­be ich ei­ni­ge die­ser Ob­jek­te ein­ge­sam­melt und da­mit wei­ter­ge­ar­bei­tet. 

Was ha­ben Sie mit den ge­sam­mel­ten Ob­jek­ten ge­macht?

NDC: Ich ha­be die Ob­jek­te in ei­ner ver­meint­lich na­tür­li­chen Um­ge­bung in­sze­niert und fo­to­gra­fiert. Da­bei ha­be ich viel mit Ver­grös­se­run­gen ge­ar­bei­tet. Ent­stan­den sind die Ar­bei­ten so­wohl bei mir im Stu­dio als auch in der Na­tur, wie zum Bei­spiel den Drei Weie­ren in St.Gal­len. 

Wor­auf ha­ben Sie bei der Aus­stel­lung in Ar­bon ge­ach­tet?

NDC: Wir sind ak­tu­ell noch im Auf­bau. Ge­plant ist, dass sich die Aus­stel­lung vom Ein­gangs­be­reich bis in die obe­re Eta­ge er­streckt. Dass die Räum­lich­kei­ten im Ju­gend­stil ge­stal­tet sind, ist ei­ne Her­aus­for­de­rung, denn es ent­steht so­fort ein Dia­log mit mei­nen Ar­bei­ten. Die­sen wol­len wir aber für uns nut­zen. Das ist an­re­gend, et­was ganz an­de­res, als die Ar­bei­ten vor ei­ner weis­sen Wand zu prä­sen­tie­ren.

Was möchten Sie den Besucher:innen vermitteln?

NDC: Ich wünsche mir, dass die Besucher:innen genau hinschauen und hinterfragen, was sie da eigentlich sehen. Und gerade weil ich ernste Themen aufgreife, ist es mir wichtig, Hoffnung zu vermitteln. Deshalb sind meine Werke bewusst nicht nur düster, sondern auf ihre eigene Art positiv und farbenfroh.

 

Nora Dal Cero – «Stranded»: 28. Februar bis 22. März, jeweils samstags und sonntags, 11 bis 16 Uhr, Haus Max Burkhardt, Arbon.

Vernissage am Samstag, 28. Februar, 17 Uhr. 

Öffentliche Führungen am Samstag, 8. März, und Samstag, 21. März, jeweils 14 Uhr (Anmeldung erwünscht).

noradalcero.ch

Die Fotografin Nora Dal Cero (Bild:pd)

Die Fotografin Nora Dal Cero (Bild:pd)

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