«Sobald der Gülden im Becken klingt, im Huy die Seel im Himmel springt.» Mit so verlockenden Worten hat der Prediger Johann Tetzel vor 500 Jahren den Gläubigen den Ablasshandel schmackhaft gemacht – und damit Martin Luther zu seinem Kampf gegen das käufliche Seelenheil inspiriert. Jetzt nimmt der St.Galler Kabarettist und Historiker Hans Fässler das Thema mit Ironie auf: Er eröffnet den Fussballgläubigen die Chance, sich ein reines Gewissen zu erkaufen.
Fässler bietet heute abend vor dem EM-Viertelfinal am Eingang zum Kulturfestival im Historischen Museum Ablassbriefe für einen Fünfliber an. «Nun mal ehrlich: Ihr habt doch manchmal schon ein schlechtes Gewissen, wenn Ihr EM-Fussball schaut und kräftig mitfänt?», steht auf dem Flyer, mit dem Fässler für seine Aktion wirbt.
Und dann nennt er die Schamgründe: «Weil es Euch doch schon irgendwie peinlich ist, dass Ihr genau das tut, was die Sponsoren Adidas, Nike, Coca Ccola, Puma, Hisense, VW, Swiss Life und Credit Suisse von Euch wollen? Weil Euch doch die Illusion von der klassenübergreifenden Erlebnisgemeinschaft und vom friedlichen Wettstreit der ‚Nationen’ schon ein bisschen suspekt ist? Weil Ihr schon spürt, dass es pervers ist, dass das Lohnverhültnis zwischen einem dieser Superkicker und einem Hilfsplatzwart nicht 1:12 ist, sondern 1:1000?»
Fässlers Aversion gegen den Spitzenfussball und dessen korrupte Strukturen ist nichts Neues – zuletzt hatte er vor der EM für mehr Moral und Debatte plädiert. Die jetzige Aktion soll aber nicht nur ironisch den Ablasshandel auf die Schippe nehmen und zum Nachdenken über die Hintergründe des Milliardenbusiness‘ namens Fussball anspornen – sondern Fässler will auch konkret etwas bewirken.
Der Erlös der Ablassaktion geht an die Gewerkschaft GEFONT, die sich für die nepalesischen Bauarbeiter einsetzt, die die Stadien für die WM 2022 in Qatar bauen. Über die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen auf den Uefa-Baustellen haben verschiedene Medien berichtet, so die Tageszeitung taz oder die NZZ, und auf Youtube findet man Informationen zur Klage der Menschenrechtsgruppe Sherpa gegen das beim Stadionbau führende Bauunternehmen Vinci Construction:
Man kann also nur hoffen, dass sich möglichst viele Fussballfans vor dem Spiel Portugal-Polen für einen Ablasshandel entscheiden. Auf dass sie zumindest für diesen einen Abend in den Fussballhimmel kommen. Und erst noch etwas Gutes tun dabei.
Am Donnerstag ging für den FCSG der europäische Traum zu Ende. Wie gehen die Espen damit um? Das Spiel gegen den amtierenden Meister dürfte Aufschlüsse geben – live im SENF-Ticker ab 16.30 Uhr.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.