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The future is bright

Künstliche Intelligenz: Fluch oder Segen? Das Stück Ich bin nicht menschlich geht einer widersprüchlichen Entwicklung nach. Am 6. Februar ist Premiere im Theater 111.
Von  Corinne Riedener , 
Nathalie Hubler, Thomas Fuhrer und Rino Hosennen beim Proben. (Bilder: pd)

Aus toter Materie etwas Lebendiges erschaffen: Das wollte auch Viktor Frankenstein, der Protagonist aus Mary Shelleys 1818 erschienenem Roman. Als Frankenstein begreift, wie hochmütig und anmassend sein Schöpfungsdrang war, kippt seine anfängliche Begeisterung in Abscheu und Entsetzen. Er macht sich zwar Vorwürfe, die Verantwortung für sein Tun will er dennoch nicht tragen und lädt sich dadurch noch zusätzliche Schuld auf.

Mary Shelleys romantisch-fantastische Geschichte
wird gelesen als Mahnmal gegen den menschlichen Drang, sich selbst zu Gott zu machen und die Vernunft über alles zu stellen. Doch wie sähe Frankensteins Schöpfung heute aus? Wäre das vielleicht ein Sex- oder ein Pflegeroboter? Ein selbstfahrendes
 Auto? Ein Nano-Drohnen-Schwarm? Oder ein Algorithmus, der klandestin unsere täglichen Entscheide beeinflusst?

Und was, wenn diese Geschöpfe eines Tages aufbegehren, wenn die Computer und Roboter einen eigenen Willen entwickeln, wie es in vielen Science-Fiction-Erzählungen der Fall ist? Doch was heisst hier Science Fiction … «Unsere technikbegeisterte Gesellschaft
eilt mit riesigen Schritten Richtung Science Facts», sagt Anne Meyer, die Regisseurin des Stücks Ich bin nicht menschlich, das im Februar im Theater 111 Premiere feiert.

Wie Siri, aber mit Haut

Schon heute werden Roboter produziert, die ihre Halter nicht nur in sexueller Hinsicht verwöhnen sollen, sondern auch gleich noch den Haushalt schmeissen, das Wetter vorhersagen und sich anderweitig als Gesprächspartnerinnen anbieten. Wie Siri oder Alexa, aber mit Mimik, Gestik und einer Haut, die sich beinahe echt anfühlt.

Premiere: 6. Februar, Theater 111 St.Gallen

Weitere Vorstellungen: 9., 10., 13., 15., 16., 23. und 24. Februar (Theater 111) sowie 6. und 7. April (Alte Stuhlfabrik Herisau)

Nebst all den Fragwürdigkeiten aus weiblicher bzw. menschlicher Perspektive stellen sich dabei auch robo-ethische Fragen. Haben diese Wesen ein Bewusstsein? Sollen sie Rechte haben? Ein eigenes Zimmer? Eine Beerdigung? Oder die selbstfahrenden Autos: Ist deren rational getroffene Entscheidung weniger, gleich viel oder mehr wert wie die eines Menschen, der vielfach auch «den Bauch» miteinbezieht?
 Kann man das Auto rechtlich für einen selbstverursachten Unfall belangen oder muss der Mensch, der es programmiert hat, dafür geradestehen?

Viele romantisieren die neuen technologischen Errungenschaften, träumen von einer besseren Welt dank künstlicher Intelligenz. Einer Welt, in der wir Menschen endlich unseren ureigenen Bedürfnissen nachgehen können und nicht mehr der schindenden Lohnarbeit. Für sie sind Roboter und Algorithmen die künftigen, moralisch vertretbaren Sklaven. Weil sie ja nichts fühlen und somit auch nicht widersprechen können.

Andere hingegen prophezeien der Menschheit eine düstere Zukunft: Roboter werden dereinst die Welt beherrschen, so die Dystopie. Die Maschinen werden sich aufschwingen und uns gefühlsduslige Menschen überflüssig machen, uns zu Beta-Versionen degradieren, zu biologischem Abfall mit einer lächerlich 
kurzen Lebenserwartung. Die Zukunft wird unsterblich sein.

Man macht, weil man es kann

Die Meinungen klaffen weit auseinander. Nicht nur für Menschen, die sich kaum mit dem Thema künstliche Intelligenz auseinandersetzen, ist es schwierig, sich eine Meinung zu bilden. Auch weil ein gewisses Mass von K.I. vieles im Leben angenehmer machen kann.

Gespräch mit dem Historiker Caspar Hirschi, dem Wirtschaftsethiker Thomas Beschorner und dem K.I.-Spezialisten Thilo Stadelmann zum Thema «Warum Maschinen ein menschliches Aussehen haben sollten oder nicht»: 23. Februar, im Anschluss an die Aufführung.

Und die Fachwelt? Da wird wacker gestritten, weiterentwickelt und verkauft. Man macht, weil man es kann, das scheint oft die Devise zu sein. Jede neue Entwicklung wird in den höchsten Tönen angepriesen, alles glänzt, «the future is bright». Nie hört man 
von einem Software-Entwickler, der sich selbst in die Psychiatrie eingewiesen hat in der Hoffnung, dass man ihn dort nicht entdeckt und seine Erfindung nicht in die falschen Hände gerät, ähnlich wie bei Dürrenmatts Physikern.

Diesen und anderen Fragen zur Künstlichen Intelligenz geht das Stück Ich bin nicht menschlich nach. Da gibt es den charismatischen Doktor Bann, gespielt von Thomas Fuhrer. Der umtriebige Visionär und Programmierer stellt dem willigen Publikum an einer «Konferenz für neue Technologien» zwei seiner Schöpfungen vor: die Roboter Sophie und Hannes, gespielt von Nathalie Hubler und Rino Hosennen.

Gespickt mit zig Anglizismen schwärmt Bann – er ist der einzige Mensch aus «Fleisch und Blut» im Stück und zugleich die ambivalenteste Figur – von seinen Humanoiden. Er berichtet von ihrem Innenleben, ihrer Schaffenskraft, ihrem Konversationspotenzial und ihrer Fähigkeit, selber zu lernen. Schnell wird klar: Sophie will die Welt zu einem lebenswerteren, besseren und gerechteren
 Ort machen, während Beta-Version Hannes von der Unterwerfung der Menschen träumt. Der Mann als Auslaufmodell sozusagen.

Wer nun denkt, das ist alles nur Theater, nur ein dramaturgisches Konstrukt der beiden Autorinnen Nathalie Hubler und
 Anne Meyer sollte sich dringend einmal auf YouTube und anderen Plattformen umschauen. Dort gibt es unzählige Mitschnitte und Vorträge verschiedener Tech-Konferenzen und -Vorträge. Der Inhalt des Stücks ist nicht ihren Köpfen entsprungen, sondern genau
so gesagt worden an der RISE-Konferenz in Hongkong. Hubler und Meyer haben ihn lediglich übersetzt und den theatralischen Rahmen darum herum gebaut.

Moralisieren wollen sie aber nicht, sagen sie. Ich bin nicht menschlich sei vielmehr eine Art Erklärstück,
 ein Aufruf, die eigene Verantwortung wahrzunehmen.

Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

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Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights