Ende der 90-er wurden die Kellerräume des Wohnhauses an der Teufenerstrasse 75 zur Bar umfunktioniert. Als vierte Delegation übernahm 2013 das jetzige Kollektiv die Tankstell und hielt in den Statuten der Genossenschaft fest: Der «gemütliche Treffpunkt im Quartier Riethüsli (…) dient nicht in erster Linie der Erwirtschaftung von Profit, sondern der Versorgung ihrer Mitglieder.»
Mittlerweile versorgt die Tanke sieben Kollektivmitglieder, zumindest im Nebenjob: Lisa Caluori, Tobias Diedrich, Maja Dörig, Josua Federer, Jasmine Oberhänsli, Rouven Stucki und Reto Wettach.
Zehn Fragen an drei Siebtel des Kollektivs.
Maja Dörig, du bist seit 2013 dabei. Was haben die fünf Jahre Tankstell mit dir gemacht?
Maja Dörig: Mich? Alt. Und jung gehalten (lacht). Wir haben viel Bestätigung erfahren und schnell gemerkt, dass die Stadt nicht viele Räume bietet wie unseren an der Teufenerstrasse: ein alternatives Lokal, das nicht nur Nische sein will. Wo man tanzen kann, ohne Eintritt zu zahlen und keine horrenden Preise für Getränke hinlegen muss.
Die meisten eurer Vorgänger haben das Lokal nach zwei, drei Jahren wieder abgegeben. Warum ist das bei Euch anders?
Maja: Bei uns ist der Betrieb auf mehrere Schultern verteilt. Wir sind sieben und noch lange nicht ausgebrannt.
Jasmine Oberhänsli, du bist im Herbst 2016 dazugekommen. An welchen Moment erinnerst du dich?
Jasmine: Wohl an meinen ersten Abend.
Maja: Du bist sehr spontan eingesprungen damals.
Jasmine: Genau. Ich war auf dem Heimweg, ihr habt mich reingewunken und gefragt, ob ich aushelfen kann.
Maja: Das war Rouvens Idee.
Jasmine: Und ich hatte keinerlei Bar-Erfahrung. Es ging jedoch überraschend gut. Das letzte Jahr an der Bar hat mich vor allem Offenheit gelehrt.
Maja: Wir suchten damals auch jemanden Neues für das Kollektiv, und es war klar, dass es eine junge Frau sein soll. Momentan reicht unser Team von 25 bis knapp 40.
Reto Wettach, du warst im Gründungsteam 2013, damals noch ohne Gastronomie-Erfahrung: An welchen Moment erinnerst du dich?
Reto: Vor allem an Begegnungen: Ein Paar, das sich im Laden verliebt. Alte Freunde, die sich nach Jahren zufällig wiedertreffen in der Tankstell. Oder Engstirnige, die Ihre Vorurteile abbauen können.
Der schlimmste Moment?
Reto: Wenn mich die fünf Jahre Barleben etwas gelehrt haben: Schlimme Momente vergisst man zum Glück viel zu schnell.
Maja: Für mich war der schwierigste Moment schon der im letzten Sommer, als Nachbarn interveniert haben, vor allem wegen Lärm. Die wollten am liebsten, dass wir schliessen. Auch die Gewerbepolizei stellte damals hohe Anforderungen an uns. Wir wussten zu Beginn nicht, ob wir überhaupt weitermachen können – oder wollen.
Das hatte auch mit der Situation des leerstehenden Schulhaus Tschudiwies in der Nähe zu tun. Es gab plötzlich mehr Andrang bei euch.
Man wollte uns für verschiedenes verantwortlich machen. Wir haben jedoch schnell das Gespräch gesucht, einen runden Tisch organisiert mit allen Parteien. Es hat sich herausgestellt, dass sich nicht die gesamte Nachbarschaft gestört fühlte, sondern jediglich die Anwohnerschaft eines Hauses.
Innert zwei Wochen habt ihr eine Lösung gefunden.
Maja: Und eine Woche später einen Türsteher.
Und das Tankstell-Publikum bekam ein US-Mindestalter: kein Zutritt unter 21. Neu trennt auch ein Absperrgitter die Bar von der Strasse. Wie haben sich diese Änderungen auf den Betrieb ausgewirkt?
Maja: Naja, es ist ein wenig ruhiger geworden, ein wenig entspannter.
Jasmine: Es gibt wieder mehr Raum zum Tanzen und mehr Zeit für Gespräche mit den Gästen.
Reto: Ich kann dazu noch keine klare Antwort geben. Wir befinden uns mittendrin in dieser Entwicklung. Diese Änderungen stellen eine Zäsur dar im Tankstell-Mikrokosmos. Sie sind eine grosse Herausforderung, wirtschaftlich wie menschlich. Und dies auch noch auf die Wintersaison… Es ist deutlich ruhiger geworden.
Maja: Manchmal vermisse ich die Jungen. Die sind auch weniger wählerisch, tanzen zu allem.
Ihr veranstaltet auch Konzerte für Acts, die teilweise keinen Slot finden im Palace, Kugl oder der Grabenhalle. Wie wichtig sind diese Gigs für Euch?
Maja: Für unser Verständnis der Location sind regelmässige Konzerte sehr wichtig. Auch für den Raum: Damit er lebt, damit das Publikum herausgefordert wird, mit Neuem, mit Ungewohnten. Wir wollen Abwechslung, um Himmels Willen nicht immer die gleiche Musik!
Zahlen sich diese Gigs aus?
Maja: Wirtschaftlich gesehen nicht. Die Konzerte sind meist mit Mehraufwand verbunden und werden querfinanziert.
Wenn ihr unbeschränkte Mittel hättet für die Tankstell: Was würdet ihr damit machen?
Jasmine: Ninze & Okaxy buchen: schöner, deeper Slow House aus Leipzig. Oder Aurora.
Maja: Ich sage immer: Diplo. Oder Die Nerven.
Jasmine: Und eine Gartenüberbauung.
Maja: Einen Wintergarten. Vielleicht mit dem Flair eines Palmenhauses.
Jasmine: Vielleicht ohne die Palmen. Mehr lokale Pflanzen.
Maja: (lacht)
Reto: Ich würde eigentlich nichts ändern an der Tankstell. Mit unbeschränkten Mitteln würde ich den Betrieb für die nächsten 20 Jahre sichern, damit auch die nächsten Generationen dieses Kleinod der Barlandschaft geniessen können.
Montag, nach dem Abräumen: Jasmine Oberhänsli und Maja Dörig vom Tankstell-Kollektiv. (Bild: cb)
Was plant ihr neben dem Fest an diesem Wochenende im Jubiläumsjahr?
Maja: Die Tanke wird neben unserem Fünfjährigen ja auch grosse 20. Dazu planen wir eine Reihe von Veranstaltungen. Vielleicht holen wir auch die ehemaligen Tankwärterinnen und Tankwarte zurück.
Reto: Ich dementiere mal nichts. Wir planen bekanntlich relativ spontan. Nur soviel: Der Sommer wird lang und schön.
Zum Schluss: Wenn die Tankstell ein Getränk wäre, welches wäre das?
Jasmine: Im Moment ein Fresh Paloma – frischgepresster Grapefruitsaft, Tequila, Salz, Limette, ein wenig Mineral. Viele Drinks improvisieren wir. Das passt zu uns: Wir arbeiten mit dem, was wir haben. Jedes Wochenende anders.
Maja: Vor fünf Jahren hätte ich wohl gesagt: Pimm’s. Das war unsere Visitenkarte – bunt, viel Verschiedenes, im grossen Glas serviert, Früchte, Minze, Gurke. Aber ich stimme Jasmin zu: Heute improvisieren wir mehr. Trotzdem haben wir grundsätzlich alles hier. Ausser Energydrinks – da verweigern wir uns.
Reto: Ganz profan: Bier. Manchmal ist für mich die Tanke aber auch die heisse Ovi, nach einem langen Tag in den Bergen. Süss, warm und voller Liebe.
Maja: Hach!
Spielen am Samstag am Jubiläum: das Lieblings-DJ-Paar deines Lieblings-DJs: Pa-Tee & P-Beat.
Das Jubiläumswochendende startet am Donnerstag, 8. Februar mit Tango von Café Deseado. Am Freitag legen TheDawn, Pac-Man und Ham-E Broken Beats auf, am Samstag (Fasnacht! Freinacht!) Pa-Tee & P-Beat, Manuel Moreno, Luca Barletta und Oliver von Mentlen Techno. Freitag und Samstag bekocht Daniel Cortez zudem frühe Gäste mit seiner Bleifrei Kitchen. tankstell.ch
Zugegeben, die Songs der Band Europa: Neue Leichtigkeit können teils abstrus und provokant wirken, aber sie sind keineswegs ironisch, sondern ernst gemeint. Am 27. April spielen sie in der Tankstell in St.Gallen.
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.