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«Um Himmels Willen nicht immer die gleiche Musik»

Über 50 Konzerte und eine schwarze Null, Verliebte, Absperrgitter und Lärmbeschwerden: Das Tankstell-Kollektiv schaut zurück auf seine ersten fünf Jahre. Ab Donnerstag wird gefeiert.
Von  Claudio Bucher , 
20 Jahre St.Galler Nachtleben: Tankstell - Freiraum am Berg. (Bilder: Reto Wettach)

Ende der 90-er wurden die Kellerräume des Wohnhauses an der Teufenerstrasse 75 zur Bar umfunktioniert. Als vierte Delegation übernahm 2013 das jetzige Kollektiv die Tankstell und hielt in den Statuten der Genossenschaft fest: Der «gemütliche Treffpunkt im Quartier Riethüsli (…) dient nicht in erster Linie der Erwirtschaftung von Profit, sondern der Versorgung ihrer Mitglieder.»

Mittlerweile versorgt die Tanke sieben Kollektivmitglieder, zumindest im Nebenjob: Lisa Caluori, Tobias Diedrich, Maja Dörig, Josua Federer, Jasmine Oberhänsli, Rouven Stucki und Reto Wettach.

Zehn Fragen an drei Siebtel des Kollektivs.

Maja Dörig, du bist seit 2013 dabei. Was haben die fünf Jahre Tankstell mit dir gemacht?

Maja Dörig: Mich? Alt. Und jung gehalten (lacht). Wir haben viel Bestätigung erfahren und schnell gemerkt, dass die Stadt nicht viele Räume bietet wie unseren an der Teufenerstrasse: ein alternatives Lokal, das nicht nur Nische sein will. Wo man tanzen kann, ohne Eintritt zu zahlen und keine horrenden Preise für Getränke hinlegen muss.

Die meisten eurer Vorgänger haben das Lokal nach zwei, drei Jahren wieder abgegeben. Warum ist das bei Euch anders?

Maja: Bei uns ist der Betrieb auf mehrere Schultern verteilt. Wir sind sieben und noch lange nicht ausgebrannt.

Jasmine Oberhänsli, du bist im Herbst 2016 dazugekommen. An welchen Moment erinnerst du dich?

Jasmine: Wohl an meinen ersten Abend.

Maja: Du bist sehr spontan eingesprungen damals.

Jasmine: Genau. Ich war auf dem Heimweg, ihr habt mich reingewunken und gefragt, ob ich aushelfen kann.

Maja: Das war Rouvens Idee.

Jasmine: Und ich hatte keinerlei Bar-Erfahrung. Es ging jedoch überraschend gut. Das letzte Jahr an der Bar hat mich vor allem Offenheit gelehrt.

Maja: Wir suchten damals auch jemanden Neues für das Kollektiv, und es war klar, dass es eine junge Frau sein soll. Momentan reicht unser Team von 25 bis knapp 40.

Reto Wettach, du warst im Gründungsteam 2013, damals noch ohne Gastronomie-Erfahrung: An welchen Moment erinnerst du dich?

Reto: Vor allem an Begegnungen: Ein Paar, das sich im Laden verliebt. Alte Freunde, die sich nach Jahren zufällig wiedertreffen in der Tankstell. Oder Engstirnige, die Ihre Vorurteile abbauen können.

Der schlimmste Moment?

Reto: Wenn mich die fünf Jahre Barleben etwas gelehrt haben: Schlimme Momente vergisst man zum Glück viel zu schnell.

Maja: Für mich war der schwierigste Moment schon der im letzten Sommer, als Nachbarn interveniert haben, vor allem wegen Lärm. Die wollten am liebsten, dass wir schliessen. Auch die Gewerbepolizei stellte damals hohe Anforderungen an uns. Wir wussten zu Beginn nicht, ob wir überhaupt weitermachen können – oder wollen.

Das hatte auch mit der Situation des leerstehenden Schulhaus Tschudiwies in der Nähe zu tun. Es gab plötzlich mehr Andrang bei euch.

Man wollte uns für verschiedenes verantwortlich machen. Wir haben jedoch schnell das Gespräch gesucht, einen runden Tisch organisiert mit allen Parteien. Es hat sich herausgestellt, dass sich nicht die gesamte Nachbarschaft gestört fühlte, sondern jediglich die Anwohnerschaft eines Hauses.

Innert zwei Wochen habt ihr eine Lösung gefunden.

Maja: Und eine Woche später einen Türsteher.

Und das Tankstell-Publikum bekam ein US-Mindestalter: kein Zutritt unter 21. Neu trennt auch ein Absperrgitter die Bar von der Strasse. Wie haben sich diese Änderungen auf den Betrieb ausgewirkt?

Maja: Naja, es ist ein wenig ruhiger geworden, ein wenig entspannter.

Jasmine: Es gibt wieder mehr Raum zum Tanzen und mehr Zeit für Gespräche mit den Gästen.

Reto: Ich kann dazu noch keine klare Antwort geben. Wir befinden uns mittendrin in dieser Entwicklung. Diese Änderungen stellen eine Zäsur dar im Tankstell-Mikrokosmos. Sie sind eine grosse Herausforderung, wirtschaftlich wie menschlich. Und dies auch noch auf die Wintersaison… Es ist deutlich ruhiger geworden.

Maja: Manchmal vermisse ich die Jungen. Die sind auch weniger wählerisch, tanzen zu allem.

Ihr veranstaltet auch Konzerte für Acts, die teilweise keinen Slot finden im Palace, Kugl oder der Grabenhalle. Wie wichtig sind diese Gigs für Euch?

Maja: Für unser Verständnis der Location sind regelmässige Konzerte sehr wichtig. Auch für den Raum: Damit er lebt, damit das Publikum herausgefordert wird, mit Neuem, mit Ungewohnten. Wir wollen Abwechslung, um Himmels Willen nicht immer die gleiche Musik!

Zahlen sich diese Gigs aus?

Maja: Wirtschaftlich gesehen nicht. Die Konzerte sind meist mit Mehraufwand verbunden und werden querfinanziert.

Wenn ihr unbeschränkte Mittel hättet für die Tankstell: Was würdet ihr damit machen?

Jasmine: Ninze & Okaxy buchen: schöner, deeper Slow House aus Leipzig. Oder Aurora.

Maja: Ich sage immer: Diplo. Oder Die Nerven.

Jasmine: Und eine Gartenüberbauung.

Maja: Einen Wintergarten. Vielleicht mit dem Flair eines Palmenhauses.

Jasmine: Vielleicht ohne die Palmen. Mehr lokale Pflanzen.

Maja: (lacht)

Reto: Ich würde eigentlich nichts ändern an der Tankstell. Mit unbeschränkten Mitteln würde ich den Betrieb für die nächsten 20 Jahre sichern, damit auch die nächsten Generationen dieses Kleinod der Barlandschaft geniessen können.

Montag, nach dem Abräumen: Jasmine Oberhänsli und Maja Dörig vom Tankstell-Kollektiv. (Bild: cb)

Was plant ihr neben dem Fest an diesem Wochenende im Jubiläumsjahr?

Maja: Die Tanke wird neben unserem Fünfjährigen ja auch grosse 20. Dazu planen wir eine Reihe von Veranstaltungen. Vielleicht holen wir auch die ehemaligen Tankwärterinnen und Tankwarte zurück.

Reto: Ich dementiere mal nichts. Wir planen bekanntlich relativ spontan. Nur soviel: Der Sommer wird lang und schön.

Zum Schluss: Wenn die Tankstell ein Getränk wäre, welches wäre das?

Jasmine: Im Moment ein Fresh Paloma – frischgepresster Grapefruitsaft, Tequila, Salz, Limette, ein wenig Mineral. Viele Drinks improvisieren wir. Das passt zu uns: Wir arbeiten mit dem, was wir haben. Jedes Wochenende anders.

Maja: Vor fünf Jahren hätte ich wohl gesagt: Pimm’s. Das war unsere Visitenkarte – bunt, viel Verschiedenes, im grossen Glas serviert, Früchte, Minze, Gurke. Aber ich stimme Jasmin zu: Heute improvisieren wir mehr. Trotzdem haben wir grundsätzlich alles hier. Ausser Energydrinks – da verweigern wir uns.

Reto: Ganz profan: Bier. Manchmal ist für mich die Tanke aber auch die heisse Ovi, nach einem langen Tag in den Bergen. Süss, warm und voller Liebe.

Maja: Hach!

Spielen am Samstag am Jubiläum: das Lieblings-DJ-Paar deines Lieblings-DJs: Pa-Tee & P-Beat.

Das Jubiläumswochendende startet am Donnerstag, 8. Februar mit Tango von Café Deseado. Am Freitag legen TheDawn, Pac-Man und Ham-E Broken Beats auf, am Samstag (Fasnacht! Freinacht!) Pa-Tee & P-Beat, Manuel Moreno, Luca Barletta und Oliver von Mentlen Techno. Freitag und Samstag bekocht Daniel Cortez zudem frühe Gäste mit seiner Bleifrei Kitchen.
tankstell.ch

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck