Verdächtig #08: Vorgebaute Joints

E.S.I.K. ist zurück aus der Sommerpause – und blickt zurück: Auf die Polizeikontrollen am Openair St.Gallen, bei denen manche offenbar «fairer» behandelt werden als andere...
Von  Khaled Aissaoui

Hier die Geschichte in Textform:

I ha do vonere gschicht ghört, die chani eu nöd vorenthalte, aber wani eu mue vorenthalte isch d’identität vo dere person. Uf eigene wunsch… aber da passt jo zu dem blog wo verdächtig heisst! Thema Open Air SG 2016… also i übergib s’wort an….

I bi da johr wiedermol am open air im tobel gsi, under anderem au well en kolleg vo mir döt ufgleit hät, und scho am erschte obig chunt er völlig entnervt zu üsem zeltplatz und verzellt üs folgendi gschicht:

i bi jetzt gad bim Iigang vo dä polizei kontrolliert worde… s’isch so gloffe, bim iigang bini ganz normal inecho, dä bändel vo mim dj-kolleg hät aber irgendwie nöd funktioniert und er hät möse an schalter… aso bin i stoh bliebe und han uf ihn gwartet… plötzli stoht ein nebet mir und seit KONTROLLE: Bitte mitcho… denn bini mit ihm zum Kontrollbereich gloffe, er het min rucksack gnoh und vorem durchsueche gfroget, öb ich Betäubigsmittel debi hegi. I hanem gad gseit dassi sechs vorbauti joints debiheg. Hanem gad zeigt wo’s sind, er hets schön uf d’siite gleit und denn dä ganz rucksack no gnau dursuecht, alli grät uspackt und undersuecht.

Irgendwenn seit er: Sie wüssed jetzt aber scho wa passiert!?
I ha denn gseit nei, weissi nöd..
Und er: Da git ä buess und wenn sie die gad zahled isch guet und sus wird sie ine zuegschickt. Under 10 gramm gits kei Strofverfahre…
Denn frogter im Ernscht: Wieviel Gras hets denn do im Gsamte dine!?
I ha denn gseit: Kei Ahnig, aber sicher weniger als es gramm!

Irgendwenn ghör i dass i dä kabine nebet dra min dj-kolleg kontrolliert wird. Bi ihm hends au en 50er Gras gfunde, hend en ihm au weggnoh, aber bi ihm hends gfunde es gäb kei buess, er seg jo au no helfer und hegi guet gschaffet! Als hetted’s da eifach so gwüsst bi so vielne helfer, und sowieso, wa söll die underschiedlich behandlig!? Naja, zrugg zu dä gschicht, i ha denn irgendwenn dä polizischt gfroget, öb denn jetzt d’idee seg, dassi mir ufem gländ was bsorgi, und er het gfunde: Jo, da isch jo au nöd so schwer!

Spöter im Polizeiwage bim Buess zahle seit denn en andere Polizist zu mir: Sie hend jo sicher gnueg kollege ufem gländ wo ihne öpis chönd geh! Jo super, und wie isch da züüg ufs gländ cho, wenn ihr sogar künstler kontrolliered, hani denkt! Eis hani denn aber scho no möse loswerde, wo’s mi denn go loh hend: Bim weglaufe hani gseit: I wör denn s’nächscht mol au no uf Maa kontrolliere, wenner scho kontrolliered…! Ha denn nur no ghört wie dä bull woni buess zahlt ha dä ander aherrscht: Heschen öppe nöd dursuecht…!

Naja, sone Gschicht git scho z’denke… wemmer’s nämli schins gnau nimmt, isch die buess gar nöd rechtens… gad letschti so en artikel gläse, dass dä Bsitz bis 10g für Eigekonsum noch CH-Gsetz gar nöd büesst werde cha… aber das amne SG Open Air au künstler so behandlet werdet loht mi viel meh ufhorche… Naja denket dra… hinderfroged alles und bliibed verdächtig!

Khaled Aissaoui, 1975, ist Sportlehrer, Rapper, DJ und Produzent aus St.Gallen.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Gren­zen und Brü­che auf der Büh­ne

Ei­ne hal­be Mil­li­on we­ni­ger von Kan­ton und Stadt – trotz­dem ma­chen Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len vor­läu­fig kei­ne Ab­stri­che beim Pro­gramm. Die Spiel­zeit 26/27 kün­digt «Grenz­gän­ge» an, sehr zeit­ge­mäs­se ins­be­son­de­re im Schau­spiel.

Von  Peter Surber
Konzert Theater SG 1sw 79f097893f611

Ver­lo­ren auf der gros­sen Büh­ne – und im Ge­dan­ken­wirr­warr

Die Kri­tik an der Ein­la­dung des ex­tre­mis­ti­schen und tech­no-li­ber­tä­ren US-Blog­gers Cur­tis Yar­vin ans St. Gal­len Sym­po­si­um war gross – und be­rech­tigt. Trotz­dem war sein Auf­tritt am En­de vor al­lem ei­nes: ent­lar­vend. Sel­ten tra­ten die Wi­der­sprü­che, die Selbst­über­schät­zung und die in­tel­lek­tu­el­le Lee­re der Neu­en Rech­ten so öf­fent­lich zu­ta­ge.

Von  Philipp Bürkler
Curtis Yarvin Symposium 1 philipp buerkler

In eigener Sache

Weg­wei­ser in der Ost­schwei­zer Kul­tur­land­schaft

Von  Michael Lünstroth
Sarah luethi philip stuber michael luenstroth

Wi­bora­da – zwi­schen My­thos und Wahr­heit

His­to­ri­sche Über­lie­fe­run­gen sa­gen oft mehr über die Geis­tes­hal­tung der Ver­fas­ser aus als über ge­schicht­li­che Tat­sa­chen. Was lässt sich al­so ge­si­chert über die his­to­ri­sche Per­son Wi­bora­da sa­gen? Ei­ne quel­len­kri­ti­sche Spu­ren­su­che.

Von  Tanja Scherrer
2605 Wyborada Laura Tura listening iconography

Die Spit­ze des Zau­ber­bergs

Ein Jahr­hun­dert nach Tho­mas Manns Ro­man grei­fen Karl Ka­ve & Du­ri­an das Mo­tiv neu auf und er­zäh­len mit Zau­ber­berg ein viel­schich­ti­ges Kon­zept­al­bum über Pfle­ge, Per­spek­ti­ven und gut be­tuch­te Da­men.

Von  Jeremias Heppeler
Karl kave durian

Der ewi­ge Kreis­lauf des Le­bens

Pa­ris, New York, Shang­hai, It­tin­gen: Mit Fa­bri­ce Hy­ber gas­tiert mal wie­der ein in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ter Künst­ler im Kunst­mu­se­um Thur­gau. Ei­ne Be­geg­nung.

Von  Michael Lünstroth
l LünstrothI

Lie­bes­leid im Schaum­bad

Treue­pro­be, Ver­klei­dungs­spuk, Part­ner:in­nen­tausch: Così fan tut­te scheint de­fi­ni­tiv von vor­ges­tern. Trotz­dem lohnt sich Mo­zarts Oper auch jetzt wie­der am Thea­ter St.Gal­len. Am Sams­tag war Pre­mie­re.

Von  Peter Surber
6122 30cosi foto dufajedyta

Das Mit­ein­an­der im Fo­kus ei­ner Kunst­aus­stel­lung

Das Kunst­zeug­haus Rap­pers­wil-Jo­na zeigt seit dem 26. April die ak­tu­el­le Samm­lungs­aus­stel­lung «wo­hin – wo­her – wo­mit». Mit­ge­stal­tet von Men­schen aus der Re­gi­on un­ter­sucht sie, wie Teil­ha­be in Mu­se­en künf­tig aus­se­hen kann.

Von  Larisa Baumann
1 KZH wohin woher womit c Katharina Seleznova

FC St.Gal­len vs. Si­on 0:3 – Mer ho­led dä an­der Chü­bel

St.Gal­len ver­liert das Spiel ge­gen Si­on und macht so Thun zum Meis­ter. Doch in St.Gal­len den­ken längst al­le an den an­de­ren Ti­tel, der dann in drei Wo­chen ver­ge­ben wird. Das Spiel ge­gen Si­on zum Nach­le­sen gibt es trotz­dem im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Filmfestival in Frauenfeld

Que­e­re Fil­me im Thur­gau

Von  Vera Zatti
Black Burns Fast still 1

Buch zur Migration in die Ostschweiz

Statt Ar­beits­kräf­te ka­men Men­schen

Von  Roman Hertler
Bildschirmfoto 2026 05 01 um 19 38 15

«Wir müs­sen Wi­bora­das Ge­schich­te neu er­zäh­len»

In die­sem Jahr fei­ert St.Gal­len den 1100. To­des­tag Wi­bora­das. Ob­wohl die In­klu­sin ei­nen gros­sen Ein­fluss auf die Stadt hat­te, ist sie den we­nigs­ten ein Be­griff. Das soll sich än­dern. Wie dies ge­lin­gen soll und wel­che Be­deu­tung Wi­bora­da heu­te noch hat, er­zäh­len Jo­lan­da Schär­li und Hil­de­gard Aepli vom Ver­ein Wi­bora­da-Ju­bi­lä­um 2026 so­wie Ka­rin K. Büh­ler von der fe­mi­nis­ti­schen Bi­blio­thek Wy­bora­da im Ge­spräch mit Sai­ten.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
2605 Wyborada Laura Tura portrait
Heftvorschau 05/26
Wiborada, Amerikanisch träumen

Dop­pel­tes Ju­bi­lä­um: Im Mai jährt sich das Mar­ty­ri­um der St.Gal­ler Stadt­hei­li­gen Wi­bora­da zum 1100. Mal. Und der Ver­ein Wy­bora­da, der 1987 die gleich­na­mi­ge fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek er­öff­ne­te, fei­ert sein 40-Jahr-Ju­bi­lä­um. Aus­ser­dem im Mai-Heft: Das Ge­spräch zwi­schen Flo­ri­an Vetsch und dem St.Gal­ler Au­tor Chris­toph Kel­ler über des­sen neu­en Ro­man.

Saiten 2605 Cover

Stadt St.Gal­len stellt neu­es Spar­pro­gramm vor

Ab­bau von über 46 Voll­zeit­stel­len in der Ver­wal­tung, Schlies­sung des Volks­ba­des, zu­sätz­li­che Blit­zer für die Stadt­po­li­zei: Mit sol­chen Mass­nah­men will die St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung bis 2029 das jähr­li­che Loch in der Stadt­kas­se um 17,1 Mil­lio­nen Fran­ken re­du­zie­ren.

Von  Reto Voneschen
Rathaussw

Co­ver­cock­tail von Team Ne­gro­ni

Die Ost­schwei­zer Band Team Ne­gro­ni hat ei­ne Vi­nyl-Plat­te mit Co­ver­songs her­aus­ge­bracht. Am 7. Mai wird Don't Drag Me Down in der st.gal­li­schen Gra­ben­hal­le ge­tauft.

Von  Jeremias Heppeler
01 4 2

Die Ab­sur­di­tät des War­tens

Pu­re Zeit­ver­schwen­dung oder end­lich mal ei­ne Pau­se im durch­ge­tak­te­ten Rhyth­mus der Ta­ge? Drei Per­for­mer:in­nen nä­hern sich dem Phä­no­men des War­tens künst­le­risch-wis­sen­schaft­lich an.

Von  Judith Schuck
Nummer ziehen Christoph Luchsinger Micha Stuhlmann Thomas Kessler web

Al­tern muss kein De­fi­zit sein

Das Kol­lek­tiv Dance Me to the End setzt sich für die Sicht­bar­keit von Al­tern im Tanz ein. Am 1. und 2. Mai prä­sen­tiert es zwei ver­schie­de­ne Tanz­stü­cke in der St.Gal­ler Lok­re­mi­se. Sai­ten hat mit drei Kol­lek­tiv­mit­glie­dern ge­spro­chen.

Von  Vera Zatti
Kopie von Dance me to the end 25 neu 14

Ein be­weg­tes Le­ben

Pan­kraz Vors­ter war der letz­te Fürst­abt von St.Gal­len. Sein Ta­ge­buch lie­fert wert­vol­le Er­kennt­nis­se zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft. Das Stifts­ar­chiv St.Gal­len hat die Hand­schrift als Edi­ti­on ver­öf­fent­licht und ver­gan­ge­nen Mitt­woch ei­nen Ein­blick ge­ge­ben.

Von  Tanja Scherrer
1 H5 A2709

Wut als Treib­stoff

In ih­ren Songs ver­ar­bei­tet die Win­ter­thu­rer Band An­ger Mgmt. die psy­chi­schen Pro­ble­me ih­res Sän­gers. Heu­te er­scheint ihr zwei­tes Al­bum, das er­neut in die in­ne­ren Ab­grün­de führt. Es ist ein dunk­ler Mo­no­lith – mit ei­nem Licht­blick am Schluss. 

Von  David Gadze
Anger mgmt Dave Honegger 3

«Die gröss­te Be­dro­hung? Kli­ma­wan­del und po­li­ti­sche Ra­di­ka­li­sie­rung»

Das Kin­der­dorf Pes­ta­loz­zi fei­ert sein 80-jäh­ri­ges Be­stehen. Mit wel­chen Her­aus­for­de­run­gen Kin­der heut­zu­ta­ge kon­fron­tiert sind und wie die Stif­tung da­ge­gen­hält, er­klärt Pro­gramm­lei­te­rin Ber­tha Ca­ma­cho.

Von  Daria Frick , Bilder:  Sara Spirig
2604 Redeplatz Bertha Camacho Sarah Spirig