Kategorie
Autor:innen
Jahr

Vom Maidan nach Magglingen

«Olga» erzählt die Geschichte einer jungen Kunstturnerin, die 2014 aus der revolutionsgeschüttelten Ukraine in die Schweiz kommt. Elie Grappes Film hat auf erschütternde Weise Aktualität bekommen; am Freitag war Premiere im Kinok, einen Tag zuvor begann der Krieg gegen die Ukraine.
Von  Peter Surber
Anastasia Budiashkina als Olga. (Bilder: Cineworx)

Blaugelbe Fahnen, Transparente, eine unüberschaubare Menschenmenge, dann Polizei, die in die Menge knüppelt, Schüsse: Auf dem Maidan, dem zentralen Platz in Kiew, wird für eine freie und demokratische Ukraine demonstriert. Das ist 2014. Acht Jahre später fallen russische Bomben auf das Land.

Die ukrainische «Revolution der Würde» von 2014 ist der eine Erzähl- und Bilderstrang im Film Olga des jungen Westschweizer Regisseurs Elie Grappe. Der andere Spielort ist Magglingen bei Biel. Hier, in der verschneiten Jura-Idylle, kommt eines Abends Olga Budiashkina an, 17jährig, Kunstturnerin. Ihre Mutter schickt sie aus Kiew weg, als die Unruhen immer heftiger werden und ihr, der prominenten Journalistin und Aktivistin, mit dem Tod gedroht wird. Die Schweiz, das Land von Olgas verstorbenem Vater, verspricht Sicherheit.

Krieg mit Waffen, Krieg mit Körpern

Auf dem Maidan knallen Schüsse – in der Sporthalle in Magglingen schlagen Körper auf, durchtrainierte, auf Hochleistung getrimmte Turnerinnenkörper. Kein Krieg gegen ein Land wird hier geführt, aber ein Kampf um Medaillen, um halsbrecherische Figuren am Stufenbarren, an den Ringen, auf dem Balken.

Der Film schneidet die beiden Szenerien immer wieder übereinander, konfrontiert und kontrastiert zwei Welten, die für Olga mehr und mehr zur Zerreissprobe werden: hier das Ringen um ihren Platz im Team, um einen Startplatz an der Europameisterschaft, um die turnerische Karriere – dort das Ringen um Selbstbestimmung, der gefährliche Einsatz ihrer Mutter, die atemlosen Berichte ihrer Freundin vom Maidan.

Bis zum Ermüdungsbruch

Elie Grappe hat bei seinem Spielfilm-Erstling nicht mit Schauspielprofis, sondern mit Eliteturnerinnen gedreht. Sie bieten sportlich Grandioses, aber sie spielen auch ihre Filmrollen überzeugend, allen voran Anastasia Budiashkina als Olga.

Olga, Kinok St.Gallen, nächste Vorstellungen 2. März 18.40 Uhr,
6. März 10.30 Uhr

kinok.ch

Mit atemloser Spannung verfolgt man die Trainings, Olgas verbissene frühmorgendliche Runden auf der Bahn, die immer stärker aufbrechenden Spannungen im Schweizer Nationalteam, wo Kolleginnen zu Konkurrentinnen werden, ihren Triumph an den Europameisterschaften, die Einsamkeit nachts im Zimmer, fern der Heimat. Schliesslich der Ermüdungsbruch im Fuss, der symbolisch ist für die übermenschlichen Strapazen der Turnerinnen und für die Unaushaltbarkeit des Identitätskonflikts, in dem sich Olga aufreibt.

Zugleich, und mit ebenso wachsender Beklemmung, nimmt man teil am Aufbegehren des ukrainischen Volks, damals, 2014. Mit dokumentarischem, expressiv zusammengefügtem Bildmaterial ruft der Film die Vehemenz und die Hoffnungen der «Revolution der Würde» in Erinnerung, ebenso die Brutalität der Polizeikräfte unter dem damaligen prorussischen Präsidenten Janukowitsch, die eines Nachts auch Olgas Mutter niederknüppeln.

Am Ende kommt Olga zurück in ihre Heimat, 2020, es sind optimistische Bilder vom Maidan, Bilder eines halbwegs befriedeten Landes. Man sieht sie im sicheren Kinosessel und weiss, dass jetzt, zwei Jahre später Bomben fallen und in diesen Stunden und Tagen eine kilometerlange Kolonne von Panzern und Armeefahrzeugen auf den Maidan zurollt.

 

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze