Es gibt übers Openair St.Gallen diesen abgedroschenen Spruch, dass man dorthin nur wegen der Stimmung gehe. Als Musikfreund hat man eigentlich nur Unverständnis für diese Einstellung übrig. Und sowieso: Openair, Stimmung? Schon easy, aber als mittelalterlicher Sack, der ich nun mal geworden bin, ist mir «das St.Galler» mittlerweile fast ein bisschen zu gross.
Diesen Sommer verziehe ich mich deshalb einmal mehr zu einer anderen kleinen Festivalperle: dem Szeneopenair Lustenau. Und an dieses kann man wirklich nur wegen der Stimmung gehen, wenn man das denn sucht.
Bosse, letztes Jahr am Szene Openair.
Direkt an der österreichisch-schweizerischen Grenze liegt das Festivalgelände, für Ostschweizer also in Veloreichweite. Dort angekommen, checkt man entspannt in der Fahrrad-Lounge ein: ein rund um die Uhr bewachter Velo-Abstellplatz mit direktem Zugang zum Festivalgelände.
Szene Openair: 3. bis 5. August, am Alten Rhein Lustenau, szeneopenair.at
Dort stellt man sein Zelt bevorzugt auf dem Paradies-Camping auf. Das ist ein kleiner Bereich, wo Müll laut der Festival-Website «gar nicht erst gemacht wird» und nach Mitternacht alle feiern, «wie zuhause auf dem Balkon: respektvoll». Alternativ gibt es auch einen guten alten Zeltplatz nebenan, wo Bierbongs und Essensschlachten nicht selten sind.
Das Festivalgelände wird eingefasst vom alten Rhein – perfekt zum Abkühlen, wenn am Samstagnachmittag die Augustsonne über Zelt und Bühne brütet. Irgendwo hängt da auch dieses Tarzanseil, mit dem man sich von einem Baum aus gut fünf Metern Höhe in den Rhein schwingen kann.
Am Freitag auf der Main Stage: Yung Hurn.
Austrophile Ostschweizer wissen ausserdem: Die Stimmung am «Szene» ist wie erwähnt gut, die Vorarlberger ein lockeres und nettes Völkchen. Man fühlt sich gut aufgehoben bei unseren Freunden ennet der unsichtbaren Grenze.
Und für jene, die nicht nur wegen der Stimmung gehen: Es gibt natürlich auch viel Musik. Poppigen Punk mit Billy Talent oder Jennifer Rostock, sommerliche Reggaeklänge mit Dub FX, Schmuse-Gesang mit Clueso oder Cloud-Rap von Yung Hurn … aber um ehrlich zu sein, kenne ich gar nicht so viel vom Line-Up. Egal, nix wie hin!
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
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