Politik ist ernst. Man kann sie aber auch mal von der spielerischen Seite nehmen. Und sich in die Bundespolitik hochwürfeln – mit etwas Glück. Zum Beispiel, wenn man diese Karte zieht: «1929. Eine von 249’237 Schweizerinnen und Schweizern unterzeichnete Petition fürs Frauenstimmrecht wird eingereicht. 2 Felder vorwärts.» Pech andrerseits bei dieser Karte: «1935. Die Vorlage zum Automobilgesetz ist dringender als das ‹noch nicht reife Problem des Frauenstimmrechts›. Einmal aussetzen.»
Man merkt: Das Ganze ist ein Leiterlispiel. 55 Ereigniskarten, 6 Spielfiguren, 2 Würfel, das Spielfeld gerastert wie der Boden im Bundeshaus, Leitern führen hoch, Rutschen wieder nach unten, und immer wenn man auf eine Schnecke würfelt, zieht man eine Ereigniskarte. Erfunden haben das Spiel die Historikerinnen Noemi Crain Merz, Isabel Koellreuter und Franziska Schürch.
Wir haben das Spiel getestet im erweiterten Freundeskreis. Man lernt viel über das unsägliche Vor- und Zurück von 1918 bis 1990. Immer neue Vorstösse, immer wieder die Vorlagen in den Kantonen, Volksabstimmung über Volksabstimmung, Frust um Frust, dazwischen auch geschlechterpolitische Lichtblicke.
Glücklich, wer das Jahr 1971 zieht: Die Jubiläums-Karte führt geradewegs vorwärts auf Feld 100. Dann fehlt nur noch ein Einer bis ins Ziel. Auch die Wahl von Elisabeth Kopp zur ersten Bundesrätin 1984 bringt die glückliche Spielfigur gleich auf Feld 84.
Ganz bös erwischt hat es bei unserem Testspiel dagegen einen der (männlichen) Mitspieler: Kurz vor den heiligen Berner Hallen angelangt, zog er zuerst das Innerrhoder Nein von 1990, die Arschkarte des Spiels: Zurück zum Start! Und kurz danach gleich nochmal Innerrhoden, das 95-prozentige Nein an der Landsgemeinde 1959: weitere 10 Felder zurück…
Am Ende siegte – reiner Zufall – eine Frau, die es auch im realen Leben bereits ins Bundeshaus geschafft hat: Franziska Ryser, die grüne St.Galler Nationalrätin.
Ab ins Bundeshaus. Das Schweizer Leiterlispiel, Verlag Hier & Jetzt 2020, Fr. 41.90. abinsbundeshaus.ch
Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.
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