«Solange es Bäume, Wind, Wasser, Gebirge, Schnee, Sonne und Wanderwege gibt, bleibt Inglins Literatur lebendig.» Schreibt Usama Al Shahmani, 2002 aus dem Irak geflüchteter Autor. Er hat das Nachwort zu Schneesturm im Hochsommer verfasst, einer Neuausgabe von zehn Erzählungen des Schriftstellers Meinrad Inglin (1893-1971).
Die Lawine, Der Lebhag, Zwei hochmütige Seeforellen, so zum Beispiel lauten Inglin-Titel. Ob sie für ein heutiges Lesepublikum nicht zu nostalgisch tönen? Klugerweise schafft der Limmat-Verlag, der das Buch herausgibt, einen Link zur Gegenwart: Er lässt den Iraker Al Shahmani in einem Nachwort über seine Inglin-Lektüre schreiben – eine literarische oder eher noch literaturpolitische Win-win-Situation.
Meinrad Inglin in den Bergen. (Bild: KB Schwyz)
Usmana Al Shahmani, dem Saiten-Publikum kein Unbekannter, lebt in Frauenfeld, seine deutsch geschriebenen Romane erscheinen ebenfalls bei Limmat, zuletzt Im Fallen lernt die Feder fliegen. Al Shahmani – eloquent und dezidiert – gehört zudem zum Team des Literaturclubs im Fernsehen SRF.
Im Nachwort schreibt er von seiner Hinwendung zum Wandern. Warum wandern? Um sich zugehörig zu fühlen! Wandern als eine natürliche Bewegung, die er glücklicherweise in der Schweiz entdeckt habe.
Meinrad Inglin: Schneesturm im Hochsommer. Erzählungen. Hrsg. von Ulrich Niederer. Nachwort von Usama Al Shahmani. Limmat Verlag 2021, Fr. 29.90
Usama al Shahmani liest diesen Mittwoch, 27. Oktober, 19 Uhr im Raum für Literatur St.Gallen aus Im Fallen lernt die Feder fliegen.
Nehmen wir Inglins Erzählung von drei Männern auf einer Hochtour im Sommer. Das Wetter verschlechtert sich dramatisch. Sie stürzen ab, verletzen sich, einer nur leicht. Kann er über Leben und Tod entscheiden? Zwar würde sich die Geschichte heute kaum mehr so abspielen, in Zeiten von Handy und Rettung per Helikopter. Die existenziellen Fragen aber stellen sich immer noch.
Ganz anders der letzte Text im Band: Inglins – aus heutiger Sicht fragwürdige – Vortragsreise für Auslandschweizer ins Nazi-Deutschland im Kriegsjahr 1940 ist beklemmend, in jeder Beziehung.
Al Shahmani übrigens würde Inglins Erzählungen gerne ins Arabische übersetzen.
«Im Fallen lernt die Feder fliegen» heisst der neue Roman von Usama Al Shahmani. Weggehen und Neuanfangen bleibt ein wichtiges Thema für ihn: Migration bedeutet eine Verletzung und eine Bereicherung – das wirkt bis in die Sprache hinein.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
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Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.