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Arche und Flüchtlingsboot

In der Lokremise und im Figurentheater St.Gallen ist Jungspund im Gang. Das Festival für Junges Theater startete fulminant und mit Fragen, die unter die Haut gehen. Wie: Gibt es einen Gott? Oder: Wer bin ich?
Von  Peter Surber

Kaum sind ein paar Minuten vergangen, liegen sie sich in den Haaren beziehungsweise Federn, die drei Pinguine. Und dann murkst der rebellischste der drei streitlustigen Freunde auch noch einen Schmetterling ab. Kein Wunder, dass Gott daran keine Freude hat und gleich eine Sintflut losschickt – wenn es einen Gott denn überhaupt gibt.

Das ist die grosse Frage im Erfolgsstück An der Arche um acht des deutschen Autors Ulrich Hub. Gibt es ihn, wenn man ihn doch nicht sehen kann? Stimmt es, dass er alles sieht und hört und weiss? Und warum straft er die Tiere mit dieser Sintflut und lässt nur gerade zwei von jeder Art auf die Arche?

Weil Pinguine einander trotz Krach nicht im Stich lassen, schmuggeln die zwei, die von der Taube ein Arche-Ticket erhalten haben, den dritten Pinguin kurzerhand im schweren Überseekoffer aufs rettende Schiff – womit die Probleme natürlich erst so richtig anfangen. Aber auch die grandiosen Einfälle und wunderbaren Archegeräusche; wer wissen will, wie Löwen und Pfauen und Kühe und Papageien und Hunde und Katzen und Pinguine vor dem Einschlafen tönen, erlebt es hier.

An der Arche um acht ist vom 11. bis zum 22. März im Figurentheater St.Gallen zu sehen.

figurentheater-sg.ch

Sebastian Ryser, Frauke Jacobi und Lukas Bollhalder treiben mit den drei Pinguinen ein so turbulentes wie poetisches Spiel. Die Figuren hat Johannes Eisele gebaut, die Bühne Andreas Bächli, Regie führt Dominique Enz. Und das Trio übernimmt im Wechsel gleich auch noch die Rolle der Taube, die der ganze Stress auf der Arche an den Rand des Zusammenbruchs bringt.

Lukas Bollhalder, Frauke Jacobi und Sebastian Ryser mit den drei Pinguinen. (Bilder: Tine Edel)

Ob leibhaftige Schauspieler oder Spielfigur, darauf achtet man schon nach kurzer Zeit nicht mehr, gebannt vom dussligen Pinguintrio, von den sprachwitzigen Dialogen und ihrem heiteren Tiefgang. Und gepackt von den Songs, die Stefan Suntinger für das Stück erfunden hat.

Die grosse Kunst dieses kleinen Stücks ist, dass es ernsthaft, kindgerecht und moralinfrei zum Nachdenken über Gott und die Welt anzuregt. Die Schülerinnen und Schüler gingen an der Premiere denn auch konzentriert und bestens amüsiert mit. Die Koproduktion der freien St.Galler Gruppe Eoboff und des Figurentheaters ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Sie bleibt nach der Festivalpremiere auf dem Spielplan des St.Galler Figurentheaters.

Flüchtlinge retten – wie geht das?

Und nochmal ein Trip aufs Meer, diesmal aber für ein Publikum ab 14 und nicht mit biblischem, sondern politischem Hintergrund. Und nochmal Familienstreit: Linus und Cora schreien sich an, wie es nur Geschwister können, und brechen dann trotzdem miteinander aus der Familienenge aus, mit einem hehren Ziel: Flüchtlinge retten. Dass das einfacher gewollt als getan ist, merken Linus und Cora rasch.

Er ist gerade 18 geworden, seine Geburtstagsparty ist aus dem Ruder gelaufen mit Kollateralschaden am Steinway der Eltern, und was aus ihm überhaupt einmal werden soll: kein Plan. Sie, die jüngere, nervige Sis, wollte schon immer etwas Sinnvolles machen. Fluchtdrang und Tatendrang kommen zusammen im Stück Pool Position vom Jungen Theater Basel, das der junge Basler Autor Lucien Haug dem Ensemble auf den Leib geschrieben und Suna Gürler rasant inszeniert hat.

Allerdings – und trotz dem Spruch des Vater, der Wille sei «au bloss en Muskel»: Mit dem guten Willen kommen die beiden nicht weit. Schon die erste Begegnung mit gestrandeten Flüchtlingen am Bahnhof Mailand macht sie ratlos. Und dann treffen sie auf Messi, einen angehenden Tänzer, der ihnen beibringt, dass man «Geflüchtete» sagt, nicht «Flüchtlinge», der ein Schiff besitzt, angeblich, und auch sonst einiges auf der Platte hat, was die Jugendlichen aus dem Takt wirft.

Pool Position wird nochmal heute abend am Jungspund-Festival gespielt, die Vorstellung ist aber ausverkauft.

jungspund.ch

Das Stück rattert im Turbotempo, getaktet mit Rückblenden und einer präzisen Soundchoreografie. Sätze und Situationskomik, Harasse und Plastikstühle wirbeln durcheinander. Dass Flynn Jost, Rosa-Lin Meessen und Tim Brügger (noch) keine Profis sind, merkt man keinen Augenblick. Ihr virtuoses und glaubwürdiges Spiel und die hartkantige Dramaturgie belegen einmal mehr die fantastische Arbeit, die das Junge Theater Basel seit Jahrzehnten leistet.

Flynn Jost, Rosa-Lin Meessen und Tim Brügger (von links). (Bild: Junges Theater Basel)

Mit vollem Körpereinsatz stürzen sich die drei Spieler in den Pool, der dem Stück den Titel gibt – und der zugleich ein kraftvolles Bühnen- und Symbolbild liefert für die Lage der helvetischen Wohlstandskids. Das verantwortungslose Planschen im Pool genügt ihnen nicht mehr, aber mit dem Sackgeld für den WWF ist auch noch keine Welt gerettet.

Was heisst gesellschaftliches Engagement, wohin mit der Wut über die Ungerechtigkeiten auf der Welt, und was, wenn einem das eigene Ego dauernd im Weg ist? Mit solchen Fragen trifft das Stück den Nerv der (Klima-) Jugend. Und auch den Ton: An der Premiere am Freitagabend herrschte geballte Konzentration nicht nur unten im Pool, sondern auch im Publikum.

Theater aller Art und ein Dachlatten-Vergnügen

Den Start am Donnerstagabend machte das Tanzstück Forever – eine heftige Auseinandersetzung um Tod und Sterben. Das weitere Programm bis zum 7. März ist bunt gemischt, von der verspielten Wörterfabrik oder dem clownesken Schoggiläbe bis zu den Träumen einer Sommernacht, dem Beitrag des Theaters St.Gallen an das Festival.

Ausserdem wächst bei der Hollywood-Tafel vor der Lokremise der Fätze in die Höhe: eine Dachlatten-Installation, bei der das Jungspund-Publikum zum Mitnageln und Mitschrauben eingeladen ist – oder zum Suppeessen, zum Beispiel heute Samstag abend.

 

 

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

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Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2