Am 4. März kommen die Elefanten nach St.Gallen. Nein, nicht wie in früheren Jahren jene des Zirkus Knie, die jeweils in St.Fiden aus dem Güterzug ausstiegen, sondern imaginäre. Aber deshalb nicht weniger lebendige – denn sie entstehen aus der Fantasie von Kindern und der Zürcher Theatergruppe Team Tartar.
Das junge Ensemble erfindet Stücke, in denen es um reale und imaginäre Räume geht. Für das Publikum ab 6 Jahren entstehen zuerst auf der Bühne Elefantenfiguren, danach geht es in die Stadt hinaus, man schaut sich Mauern und Dächer an, entdeckt dort einen Rüssel und hier ein Stück Elefantenhaut und stellt fest: «Elefanten gibt es überall, man muss nur ganz genau hinschauen.»
Wort, Musik, Tanz, Figurenspiel
Heute keine Elefanten ist eins von elf Stücken, die das Festival Jungspund vom 27. Februar bis 7. März nach St.Gallen bringt. Fünf Produktionen sind für das kleinste Publikum ab 5 oder 6 Jahren gedacht, drei für die Mittelstufe, drei für Jugendliche ab 14 Jahren. Das Spektrum der Formen von Schauspiel über Musiktheater und Figurenspiel bis zum Tanz sei bewusst breit, sagt Festivalleiterin Gabi Bernetta.
Als Beispiele hebt sie die Wahre Geschichte von Regen und Sturm hervor, ein auch theaterpädagogisch perfekt aufgearbeitetes Projekt des etablierten Theaters La Grenouille Biel, daneben das verspielte und skurrile Slapsticktheater Heureka! um allerhand Erfindungen der Zürcher Gruppe Kolypan, das neue Stück des experimentierfreudigen Jungen Theaters Basel, eine Coming-of-Age-Story mit dem Titel Pool Position, oder das Tanzstück Forever von Tabea Martin, das sich so poetisch wie blutig mit dem Thema Sterben auseinandersetzt.
Zwei Koproduktionen entstehen mit hiesigen Bühnen. Im Figurentheater, das als Mitproduzent auftritt, spielt das junge Kollektiv Eoboff um Dominique Enz und Sebastian Ryser An der Arche um acht, eine Geschichte um drei Pinguine nach dem Buch von Ulrich Hub, das mit dem deutschen Kinderbuchpreis ausgezeichnet wurde. Und das Theater St.Gallen ist mit der Shakespeare-Bearbeitung Träume einer Sommernacht im Jungspund-Programm vertreten.
Nach dem ersten Mal bereits etabliert
Vor zwei Jahren hat Jungspund erstmals stattgefunden und «eingeschlagen»: Die Auslastung erreichte rund 80 Prozent, das Interesse in der Szene, bei den Schulen und beim sonstigen Publikum sei sehr hoch gewesen. Das Festival habe schnell einen «extrem hohen Bekanntheitsgrad erreicht» und St.Gallen als Adresse für Kinder- und Jugendtheater in die Köpfe gebracht, stellt Gabi Bernetta erfreut fest.
Beispielhaft dafür sei der Erfolg der Tanzproduktion Hocus Pocus von Philippe Saire, die am ersten Jungspund gezeigt wurde – und jetzt bis 2021 ausgebucht sei.
Lukas Bollhalder, Frauke Jacobi und Sebastian Ryser (von links) mit den drei Pinguinen. (Bild: Figurentheater)
Für die zweite Ausgabe habe es zahlreiche Bewerbungen gegeben, rund 45 Produktionen quer durch die Landesteile wurden visitiert. Mit dem Ergebnis, dass es, mit Ausnahme der einheimischen Bühnen, lauter neue Namen auf die beiden Lokremisebühnen geschafft haben, die vor zwei Jahren noch nicht dabei waren. Das Ausland fehlt allerdings, Jungspund lege den Fokus klar auf die Schweizer Theaterlandschaft – die grosse Nachfrage bestätige, dass eine solche Plattform für die sonst mit Auftrittsmöglichkeiten nicht sehr gesegnete Kinder- und Jugendtheaterszene existentiell sei.
Festival Jungspund, 27. Februar bis 7. März, Lokremise und Figurentheater St.Gallen
jungspund.ch
Neben dem Hauptprogramm zeigt das «Schaufenster» 10-Minuten-Auftritte von zehn meist jungen professionellen Ensembles. Das Angebot war innert Kürze ausgebucht, für Gabi Bernetta ein weiteres Zeichen für die Attraktivität des Anlasses. Diesen bereichert zudem ein vielfältiges Rahmenprogramm; die Jungspund-Band spielt, es gibt einen Scham-o-Mat des Freien Musiktheaters Zürich, der Fachverband Assitej verleiht am 28. Februar erstmals einen Preis, die jungen Theater-«Voyeure» halten ihr Städtetreffen hier ab, es entsteht eine eigene Festivalzeitung (für die noch junge Mitschreibende gesucht werden, Infos auf jungspund.ch).
Und im Aussenraum der Lokremise wächst der «Fätze», eine interaktive Installation aus Dachlatten, als Begegnungsort in die Höhe, erfunden vom Kollektiv «hochhinaus.art».
Bereits seien einzelne Produktionen, vor allem die Jugendstücke (Pool Position, Auerhaus und andere) ausverkauft oder kurz davor (auch Träume einer Sommernacht), sagt Ramun Bernetta, der für Marketing und Kommunikation zuständig ist. Einzig bei der Schulvorstellung der diesjährigen Tanzproduktion Forever harzt der Vorverkauf; Tanz habe es generell schwerer im Jugendtheater. Partner des Festivals sind das Theater und das Figurentheater St.Gallen, der Dachverband Assitej und die Vermittlungsplattform kklick.
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