Kategorie
Autor:innen
Jahr

Elefanten, Pinguine, Regen und Sturm

Am Donnerstag startet in der St.Galler Lokremise zum zweiten Mal Jungspund, das Theaterfestival für junges Publikum – und zeigt: Die Szene floriert.
Von  Peter Surber
Heute keine Elefanten. (Bild: Sascha Rijkeboer)

Am 4. März kommen die Elefanten nach St.Gallen. Nein, nicht wie in früheren Jahren jene des Zirkus Knie, die jeweils in St.Fiden aus dem Güterzug ausstiegen, sondern imaginäre. Aber deshalb nicht weniger lebendige – denn sie entstehen aus der Fantasie von Kindern und der Zürcher Theatergruppe Team Tartar.

Das junge Ensemble erfindet Stücke, in denen es um reale und imaginäre Räume geht. Für das Publikum ab 6 Jahren entstehen zuerst auf der Bühne Elefantenfiguren, danach geht es in die Stadt hinaus, man schaut sich Mauern und Dächer an, entdeckt dort einen Rüssel und hier ein Stück Elefantenhaut und stellt fest: «Elefanten gibt es überall, man muss nur ganz genau hinschauen.»

Wort, Musik, Tanz, Figurenspiel

Heute keine Elefanten ist eins von elf Stücken, die das Festival Jungspund vom 27. Februar bis 7. März nach St.Gallen bringt. Fünf Produktionen sind für das kleinste Publikum ab 5 oder 6 Jahren gedacht, drei für die Mittelstufe, drei für Jugendliche ab 14 Jahren. Das Spektrum der Formen von Schauspiel über Musiktheater und Figurenspiel bis zum Tanz sei bewusst breit, sagt Festivalleiterin Gabi Bernetta.

Als Beispiele hebt sie die Wahre Geschichte von Regen und Sturm hervor, ein auch theaterpädagogisch perfekt aufgearbeitetes Projekt des etablierten Theaters La Grenouille Biel, daneben das verspielte und skurrile Slapsticktheater Heureka! um allerhand Erfindungen der Zürcher Gruppe Kolypan, das neue Stück des experimentierfreudigen Jungen Theaters Basel, eine Coming-of-Age-Story mit dem Titel Pool Position, oder das Tanzstück Forever von Tabea Martin, das sich so poetisch wie blutig mit dem Thema Sterben auseinandersetzt.

Zwei Koproduktionen entstehen mit hiesigen Bühnen. Im Figurentheater, das als Mitproduzent auftritt, spielt das junge Kollektiv Eoboff um Dominique Enz und Sebastian Ryser An der Arche um acht, eine Geschichte um drei Pinguine nach dem Buch von Ulrich Hub, das mit dem deutschen Kinderbuchpreis ausgezeichnet wurde. Und das Theater St.Gallen ist mit der Shakespeare-Bearbeitung Träume einer Sommernacht im Jungspund-Programm vertreten.

Nach dem ersten Mal bereits etabliert

Vor zwei Jahren hat Jungspund erstmals stattgefunden und «eingeschlagen»: Die Auslastung erreichte rund 80 Prozent, das Interesse in der Szene, bei den Schulen und beim sonstigen Publikum sei sehr hoch gewesen. Das Festival habe schnell einen «extrem hohen Bekanntheitsgrad erreicht» und St.Gallen als Adresse für Kinder- und Jugendtheater in die Köpfe gebracht, stellt Gabi Bernetta erfreut fest.

Beispielhaft dafür sei der Erfolg der Tanzproduktion Hocus Pocus von Philippe Saire, die am ersten Jungspund gezeigt wurde – und jetzt bis 2021 ausgebucht sei.

Lukas Bollhalder, Frauke Jacobi und Sebastian Ryser (von links) mit den drei Pinguinen. (Bild: Figurentheater)

Für die zweite Ausgabe habe es zahlreiche Bewerbungen gegeben, rund 45 Produktionen quer durch die Landesteile wurden visitiert. Mit dem Ergebnis, dass es, mit Ausnahme der einheimischen Bühnen, lauter neue Namen auf die beiden Lokremisebühnen geschafft haben, die vor zwei Jahren noch nicht dabei waren. Das Ausland fehlt allerdings, Jungspund lege den Fokus klar auf die Schweizer Theaterlandschaft – die grosse Nachfrage bestätige, dass eine solche Plattform für die sonst mit Auftrittsmöglichkeiten nicht sehr gesegnete Kinder- und Jugendtheaterszene existentiell sei.

Festival Jungspund, 27. Februar bis 7. März, Lokremise und Figurentheater St.Gallen

jungspund.ch

Neben dem Hauptprogramm zeigt das «Schaufenster» 10-Minuten-Auftritte von zehn meist jungen professionellen Ensembles. Das Angebot war innert Kürze ausgebucht, für Gabi Bernetta ein weiteres Zeichen für die Attraktivität des Anlasses. Diesen bereichert zudem ein vielfältiges Rahmenprogramm; die Jungspund-Band spielt, es gibt einen Scham-o-Mat des Freien Musiktheaters Zürich, der Fachverband Assitej verleiht am 28. Februar erstmals einen Preis, die jungen Theater-«Voyeure» halten ihr Städtetreffen hier ab, es entsteht eine eigene Festivalzeitung (für die noch junge Mitschreibende gesucht werden, Infos auf jungspund.ch).

Und im Aussenraum der Lokremise wächst der «Fätze», eine interaktive Installation aus Dachlatten, als Begegnungsort in die Höhe, erfunden vom Kollektiv «hochhinaus.art».

Bereits seien einzelne Produktionen, vor allem die Jugendstücke (Pool Position, Auerhaus und andere) ausverkauft oder kurz davor (auch Träume einer Sommernacht), sagt Ramun Bernetta, der für Marketing und Kommunikation zuständig ist. Einzig bei der Schulvorstellung der diesjährigen Tanzproduktion Forever harzt der Vorverkauf; Tanz habe es generell schwerer im Jugendtheater. Partner des Festivals sind das Theater und das Figurentheater St.Gallen, der Dachverband Assitej und die Vermittlungsplattform kklick.

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42

Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying

Musik im Rorschacherberg

Schloss­mu­sik von Big Band bis In­die

Von  Vera Zatti
Sommerbuehne by Night

Der Wi­der­stand der Ama­zo­nas­frau­en

In Kon­stanz gas­tiert der­zeit die Grup­pe As Ka­ru­a­na – ein po­li­ti­scher Frau­en­chor aus dem Ama­zo­nas. Sie zeigt mit ih­rer Mu­sik, ih­rem Tanz, ih­rer Kunst und ih­rem Wis­sen po­li­ti­sche Ré­sis­tance und kämpft für die Rück­erobe­rung ih­rer in­di­ge­nen Kul­tur.

Von  Veronika Fischer
AS KARUANA Gruppenfoto4