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Das Echo der Schopfe

Mit einer Performance hat die dänische Saxophonistin Mette Rasmussen das Festival «Klang Moor Schopfe» in Gais eröffnet. Zehn Tage lang gibt es im Hochmoor ökologisch sensible Klanginstallationen, Workshops und Konzerte.
Von  Philipp Bürkler , 
Der Künstler Ludwig Berger überträgt die Geräusche aus dem Bienenstock in den Schopf, 2019. (Bild: Glenn Bristol)

«Als ich hier ankam, fand ich mich in der absoluten Stille wieder, nur das Zirpen von Grillen und Kuhglocken sind zu hören», erzählt der im doch etwas lauteren Berlin-Kreuzberg lebende Medienkünstler Marco Barotti begeistert. «It’s so beautiful», sagt er in italienischem Akzent. Mit seiner Begeisterung ist Barotti nicht alleine: Alle der rund 20 teilnehmenden Kunstschaffenden des «Klang Moor Schopfe»-Festivals schwärmen übereinstimmend von der hügeligen Landschaft und den von der Sonne knallig grün leuchtenden Wiesen.

Saxophonistin Mette Rasmussen im Hochmoor.

Die kommenden zehn Tage zeigen die Gäste aus Dänemark, Luxemburg, Österreich oder den USA in einem der zwölf schmucken, von der Witterung teilweise arg gezeichneten Schopfe ihre anregenden, verspielten, aber auch nachdenklichen Klanginstallationen. Eingeladen nach Gais hat sie der Musiker und Klangkünstler Patrick Kessler, der dieses Jahr «Klang Moor Schopfe» bereits zum zweiten Mal nach 2017 kuratiert. Diskussionen, Workshops, Konzerte, DJ-Sets und Gastronomie im Schützenhaus runden das Kunstereignis in der Natur ab.

Eröffnet hat das Festival am Donnerstagabend die im norwegischen Trondheim lebende dänische Improvisationskünstlerin Mette Rasmussen mit einer abstrakten Saxophon-Performance. Durch ihre physische Präsenz und vielfältig-kreative Spielarten, kombiniert mit gesprochenen Textfragmenten, schaffte Rasmussen eine einzigartige Atmosphäre. Das Echo der lauten Töne hallte durch das offene Tor des Schützenhauses zu den Wäldern und wieder zurück zum Publikum. «Ich wusste nicht, dass es ein Echo gibt», sagt Rasmussen, die wenige Stunden zuvor in Gais angekommen ist, nach ihrem Konzert. «Die akustische Kombination, hier der schalltote Raum, draussen die langen Echos, waren ein extrem spannender und lustiger Kontrast für mich.»

Mit Kunst gegen den Plastik-Kollaps

Das Gaiser Hochmoor ist ein fragiles Ökosystem und in seiner Form weltweit wohl ziemlich einmalig. Die Gegend ist der ideale Ort, den drohenden Umweltkollaps und den enthemmten Ressourcenverschleiss auf dem Planeten künstlerisch zu thematisieren und noch stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Marco Barotti: Clams (Bild: Kasimir Höhener)

Mit seiner Installation «ClamDas Gaiser Hochmoor ist ein fragiles Ökosystem und in seiner Form weltweit wohl ziemlich einmalig. Die Gegend ist der ideale Ort, den drohenden Umweltkollaps und den enthemmten Ressourcenverschleiss auf dem Planeten künstlerisch zu thematisieren und noch stärker ins Bewusstsein zu rufen.s» thematisiert Marco Barotti beispielsweise die globale Plastikverschmutzung in Gewässern. 79 transparente Jakobsmuscheln aus recyceltem Plastik reagieren vibrierend und akustisch auf einen hochsensiblen Sensor, der etwa 150 Meter entfernt in einem Brunnen verschiedenste Parameter der Wasserqualität misst. Die Daten werden in Echtzeit in den Schopf übertragen und dort von einem Computer in Klänge umgewandelt und hörbar gemacht.

5G und die Insekten

Auch andere Künstler stellen den Einfluss des Menschen auf die Umwelt ins Zentrum ihrer Arbeiten und beschäftigen sich mit der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Die Genfer Klangkünstlerin Julie Semoroz thematisiert die Folgen von Handyantennen auf Insekten. «Wir haben herausgefunden, dass 4G und vor allem das neue 5G massiven Einfluss auf das Verhalten von Insekten haben», sagt sie. In ihrer Installation lässt Semoroz die Besucher eintauchen in die Geräuschwelt von Insekten und macht diese Lebewesen so für uns Menschen hör- und erlebbar.

Die Genferin Julie Semoroz beschäftigt sich im Schopf mit den Auswirkungen von Handystrahlen auf Insekten.

«Klang Moor Schopfe» stellt künstlerisch wichtige Fragen über das Verhältnis zwischen Mensch zur Natur. Wie verletzlich ein Ökosystem letztendlich ist, wird deutlich, wenn man sich bewusst in einem solchen aufhält und sich damit auseinandersetzt. Abgerundet wird das Naturerlebnis mit einem täglichen fein kuratierten Programm.

Den heutigen Abend bespielen der dänische Künstler Jacob Kirkegaard mit einer Sound-Performance sowie der in Gais lebende deutsche Künstler Albert Oehlen mit einem DJ-Set. Morgen erzählen die Künstlerinnen und Künstler des Kollektivs «Atacama × Amazon × Alps» in einer Diskussionsrunde über ihre Arbeit, die sie in die Schweizer Alpen, den brasilianischen Regenwald und in die Wüste Chiles gebracht hat.

klangmoorschopfe.ch

 

 

 

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

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Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

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Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2