40’000 auf den Berner Strassen. Bundesplatz, kleine Schanze, grosse Schanze, Lorraine. 40’000 im Sandstein. 40’000 Frauen und solidarische Männer. Bundesplatz, Casino, Münstergasse, Gerechtigkeitsgasse, Marktgasse, Bundesplatz. 40’000. Als die Spitze des Umzugs wieder auf dem Bundesplatz ankommt, sind die letzten noch gar nicht losgelaufen. So viele sind 40’000.
Saiten hat sich zum Jahresschluss ein Heft zur Immunstärkung vorgenommen. Wir wollten Anregungen und Überlegungen aller Art zur politischen, gesellschaftlichen und individuellen Kräftigung des Immunsystems sammeln.
Zusammengekommen sind 24 Beiträge aus allen möglichen Richtungen, ein Adventskalender der resistenten Art: Kurzgeschichten, Selbsterfahrungen, Appelle, Wutausbrüche, Tiefgang und Smalltalk, Rezepte und Rezeptverweigerungen. 24 Stimmen, 24 Seiten, eine geballte Dosis Immunium® Akut, garantiert mit Risiken und Nebenwirkungen.
In der Junkerngasse sitzt ein Mann wütend in seinem Auto, weil er nicht wegfahren kann. Er muss warten, bis weitere Zehntausende vorbei spaziert sind. Soll er warten; die Frauen in diesem Land haben viel zu lange auf ihr Stimmrecht gewartet und warten immer noch auf Gleichstellung. Soll er warten, eine oder zwei oder drei Stunden. Die 40’000 auf der Strasse haben das Warten satt.
Wir sollen noch weiter warten? Dann wartet ihr doch auch mal, dann wartet, wenn wir die Lorrainebrücke blockieren. Wartet, wenn die ganze Stadt lahmgelegt ist, das ganze Land. Ohne uns läuft gar nichts.
Illustration: Joël Roth und Zéa Schaad
In der Kramgasse steigt eine Frau auf den Zähringerbrunnen, hält sich an der Brunnenfigur fest, um violette Bänder zu montieren, die Bänder wehen im Wind, die Haare der Frau auch, nur die Brunnenfigur bewegt sich nicht; der Bär in seiner Rüstung erstarrt. Man denkt an diese ikonische Titanic-Szene, ob man will oder nicht, und dann denkt man, ja, vielleicht geht die Titanic tatsächlich bald unter, vielleicht rammt das Patriarchat bald den Eisberg, von dem es nur die Spitze erahnt hat.
«Das Patriarchat hat ein Ablaufdatum», steht auf irgendeinem Schild. Right, es ist schon lange abgelaufen. Recyceln sollte man es, wenn sich denn da was recyceln liesse. Oder einfach in den Sondermüll.
Weg damit.
Jessica Jurassica, 1993, ist Literatin, Musikerin, Künstlerin und arbeitet an einer Bar. Sie ist im Appenzeller Hinterland aufgewachsen und lebt seit sieben Jahren in Bern.
Dieser Beitrag erschien auch im KSB Leseheft «Durchgehend warme Küche». ksb.ist/leseheft
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.