Der deutsche Schriftsteller Michael Maar hat das möglicherweise wichtigste Buch zu Covid-19 veröffentlicht: Die Schlange im Wolfspelz: Das Geheimnis grosser Literatur. Darin kommen die Wörter «Corona», «Covid» und noch nicht einmal «Virus» nicht vor.
Dieser Satz ist ein gutes Beispiel für schlechten Stil. Darum geht es in Maars Buch: um literarischen Stil. Mir geht es um die Stärkung meines Sprachimmunsystems.
Coronagerede und kein Ende, und jetzt auch wieder im Immunstärkungsmagazin Saiten. Unsere Besessenheit mit Covid hat unser Immunsystem geschwächt. So viele brennende Themen sind vernachlässigt worden, so viele Erkenntnisse, zu denen uns die Krise verholfen hat, schon wieder vergessen. Wer es immer noch nicht begriffen hat, der kann nur noch Michael Maars Buch helfen.
Illustration: Joël Roth und Zéa Schaad
Was ist guter Stil? Keiner weiss es. Schlechten Stil schmeckt man beim Lesen auf der Zunge. Nabokov ist guter Stil, dieser kleine Satz allerdings ein Klischee, mit dessen Aussage nicht alle einverstanden wären, schon gar nicht Mütter von Dreizehnjährigen. Ausserdem: zu viele Adjektive. Kafka ist besserer Stil, was falsch ist, denn Stil kann man nicht auf einer Skala bewerten oder sollte es zumindest nicht.
Aber: nur wenige Adjektive.
Alfred Polgar (Stil: nicht so bekannt wie die anderen beiden, benötigt also die Vornamenverstärkung) meint, Stil sei das, was nicht mit Sinnen wahrnehmbar sei. Was also (nicht A. Polgar) von Sinnen ist. Das ist gar nicht übel: ein Text, der «ausser sich ist», einen «überaus erregt» zurücklässt (beide Zitate: Duden). Sehr übel aber in Bezug auf unsere Gesellschaft während einer Pandemie, die nach dem Geschmack praktisch aller zu lange dauert. Noch schlimmer: nicht bei Sinnen.
Am besten hat das Verhalten des Virus Günter Eich in den ersten und letzten Zeilen seines Gedichtes «Huhu» beschrieben:
Wo die Beleuchtung beginnt, bleibe ich unsichtbar. (…) Mich triffst du nicht mehr, solang ich auch rufe.
Was unser gesellschaftliches Immunsystem nämlich am meisten stärkt, ist: Geduld. Den Doppelpunkt bräuchte es nicht. Das ist eine Stilfrage.
Christoph Keller, 1963, ist Schriftsteller in St.Gallen. 2019 publizierte Keller den Roman Der Boden unter den Füssen, 2020 erschien Jeder Krüppel ein Superheld.
Saiten hat sich zum Jahresschluss ein Heft zur Immunstärkung vorgenommen. Wir wollten Anregungen und Überlegungen aller Art zur politischen, gesellschaftlichen und individuellen Kräftigung des Immunsystems sammeln.
Zusammengekommen sind 24 Beiträge aus allen möglichen Richtungen, ein Adventskalender der resistenten Art: Kurzgeschichten, Selbsterfahrungen, Appelle, Wutausbrüche, Tiefgang und Smalltalk, Rezepte und Rezeptverweigerungen. 24 Stimmen, 24 Seiten, eine geballte Dosis Immunium® Akut, garantiert mit Risiken und Nebenwirkungen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.