Wenn man wissen will, was wäre, wenn…. – dann kann man zum Beispiel auf saiten.ch/kalender klicken und sehen, was an einem beliebigen Tag im Februar an Kulturanlässen stattgefunden hätte. Und was dort steht, ist bereits sehr ausgedünnt, weil mit der seit Monaten andauernden Unsicherheit unzählige Veranstaltungen bereits verschoben oder erst gar nicht geplant worden sind.
Noch ein Monat mehr: Mit einem drastischen Bild reagiert hat die Taskforce Kultur, und dies bereits präventiv vor den heutigen Bundesratsentscheiden. In einem am Dienstag verbreiteten Brief schreibt sie: «Der Schweizer Kultursektor wurde ins künstliche Koma versetzt.» Es brauche rasch wirksame Unterstützungsmassnahmen, um ihn am Leben zu erhalten.
«Es braucht ein Frühlingserwachen»
«Seit rund 11 Monaten unterliegt die Kultur- und Veranstaltungsbranche einem eigentlichen Arbeitsverbot. Davon sind rund 270’000 Kulturschaffende und rund 63’000 Kulturunternehmen betroffen», heisst es im Brief an den Bundesrat. Man verstehe zwar aus gesundheitspolitischer Sicht die geplante Verlängerung der Pandemie-Massnahmen, aber Veranstaltungsverbote seien ein massiver Eingriff in die Wirtschafts- und Kunstfreiheit. «Daher sind einfache, rasche und wirksame Entschädigungen unabdingbar.»
Die Entschädigungen würden nur zögerlich oder noch gar nicht bezahlt, kritisiert die Taskforce. Es brauche national einheitliche und vereinfachte Regelungen. Unter anderem müsse Kurzarbeit auch bei befristeten Anstellungen entschädigt werden, wie sie im Kultursektor häufig seien. Und die Ausfallentschädigungen sollen auf 100 Prozent (statt 80) erhöht werden.
«Es kann nicht sein, dass die Schweizerische Nationalbank mittlerweile über eine Ausschüttungsreserve von annähernd 100 Mrd. Franken verfügt und in dieser Krisenzeit dennoch nur 4 Mrd. an die öffentliche Hand ausschütten will. Geld für rasche und ausreichende Entschädigungen an die lahm gelegten Branchen wie die Kultur wäre in der Schweiz vorhanden», heisst es im Brief der Taskforce.
Alex Meszmer, Mitglied der Taskforce Kultur und Suisseculture-Präsident aus dem Thurgau, ergänzt auf Saiten-Nachfrage: «Es braucht ein Frühlingserwachen nach dem Winterschlaf.» Nötig sei eine Revitalisierungsstrategie ähnlich einem Konjunkturprogramm – umso mehr, als es Anzeichen für kommende Sparprogramme in den Kantonen gebe, die auch die Kultur treffen werden.
Ob im Frühling ein einigermassen normales Kulturleben wieder in Gang kommt? Meszmer geht «eher von Sommer aus».
Wenigstens zwei Tonhalle-Termine im Februar
Die Verlängerung des Kultur-Lockdowns trifft all jene Veranstalterinnen und Veranstalter, die ab 22. Januar neue Programme geplant haben. Dazu gehört unter vielen anderen das St.Galler Sinfonieorchester. Mit der Verlängerung habe man leider rechnen müssen, sagt Konzertdirektor Florian Scheiber. Schwierig – «aber was wir können, machen wir weiter».
Ganz leer geht das Klassikpublikum also nicht aus: Am 21. Februar streamt Konzert und Theater St.Gallen ein Sinfoniekonzert aus der Tonhalle mit Werken von Schönberg, Mahler und Dvorak – ein spätromantischer «Dreiteiler» als Ersatz für das vormals geplante, aber schon länger gestrichene Konzert mit Mahlers Neunter Sinfonie. Zudem singt der Profichor des Theaters am 11. Februar ein A-Cappella-Programm in der Tonhalle.
Solche Streams bleiben auf das hiesige Orchester beschränkt. Denn entscheidend sei, dass dieses mit seinem Publikum im Kontakt bleibe. Dafür seien ausgewählte Konzertstreams das coronabedingt probate Mittel. Kammermusikübertragungen soll es aus der St.Galler Tonhalle hingegen nicht geben. Und kein Thema sei es, professionellen Musikfilm-Produktionen Konkurrenz machen zu wollen. Dafür wären ganz andere technische Voraussetzungen nötig. Die Aufnahme bleibt daher nur ein, zwei Tage im Netz – eine Ausnahme bildet bisher das Konzert «Himmlisch» mit Werken von Schubert und Strauss vom November, das zusätzlich filmisch aufbereitet worden ist.
Scheibers Corona-Statement: Trotz Stream soll beim St.Galler Sinfonie-Publikum das Live-Gefühl erhalten bleiben, die Vorfreude aufs Konzert zu seinem ganz bestimmten Zeitpunkt. Auch wenn diese Vorfreude gerade auf eine harte Probe gestellt wird.
Die Comedia bleibt zu – aber zuversichtlich
Neu betroffen ist mit der Verschärfung der Massnahmen der Detailhandel, soweit er nicht Lebensnotwendiges verkauft. Und damit auch die Buchhandlungen. Sandra Tschümperlin von der St.Galler Buchhandlung Comedia trägt es mit Fassung. «Wir haben ab Montag geschlossen, aber wir arbeiten weiter.»
Via den Online-Shop oder telefonisch können weiterhin Bücher, CDs und Comics bestellt und per Post geliefert oder zu einem abgemachten Zeitpunkt vor dem Laden abgeholt werden. «Das hat im ersten Lockdown im Frühling gut geklappt», sagt Sandra Tschümperlin. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, dank unserer solidarischen Kundschaft und weil auch Bibliotheken und Schulen weiter Bücher bestellt haben.»
Die Comedia bleibe zuversichtlich – so wie sie dies schon immer war: «Bücher sind Balsam für Geist und Seele», steht im vorweihnächtlichen Comedia-Newsletter. Und in einem früheren, mitten im Lockdown, war zu lesen: «Gerade wird unsere Welt kleiner, unser Bewegungsradius beschränkt sich auf unsere Stadt, unser Quartier, unsere Wohnung. Wir helfen Euch, Euer Fernweh zu stillen und Euren Horizont offen zu halten.»
Also: Bücher lesen – gegen die Coronadepression.
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.