Für Winterthurinnen und Winterthurer sind es die zwölf schönsten Tage im Jahr: die Musikfestwochen. Aber weshalb eigentlich? Jeden Abend um halb sieben verwandeln sich die Steinberggasse und der Kirchplatz in einen grossen Treffpunkt. Manche reisen gar aus dem Ausland an, um ihre alten Freunde und Bekannten zu treffen. Und nicht wenige nehmen sich extra für die Musikfestwochen Ferien und helfen aktiv mit: Knapp 800 Helferinnen und Helfer kümmern sich um den Bühnenaufbau, die Deko, die Bandbetreuung oder den Ausschank von Bier.
Auch wenn das Altstadtfestival manchmal wie eine grosse «Wohngemeinschaft» wirkt – ein Festival nur für die Winterthurerinnen und Winterthurer sind die Musikfestwochen nicht. Die einmalige Atmosphäre ist sicher ein Grund, weshalb selbst die grossen Acts von der eindrücklichen Stimmung am ältesten Openair-Festival der Schweiz schwärmen. Nicht wenige wollen wiederkommen. So dürfen sich Fans zum Beispiel auf Glen Hansard freuen, der bereits 2013 das Publikum in der Steinberggasse verzaubert hat.
Musikfestwochen 2017: 9. bis 20. August, Steinberggasse und Kirchplatz Winterthur musikfestwochen.ch
Die Musikfestwochen gelten vor allem auch als Entdeckerfestival: Neben Feist, Kraftklub und Boilers am kostenpflichtigen Wochenende ist im Gratis-Programm zum Beispiel der Geheimtipp Oddisee. Der amerikanisch-sudanesische Rapper mischt Gospel, Jazz und den rauen Hip-Hop aus den Strassen seiner Heimatstadt Washington, D.C., und schmiedet daraus seinen ganz eigenen Sound.
Dass man hier kostenlos auch Bands sehen und hören kann, die erst in zwei, drei Jahren gross sein werden, zeigt die Geschichte von Faber. Vor zehn Jahren gewann der heute 23-Jährige mit seiner damaligen Band an den Musikfestwochen das Finale des Nachwuchswettbewerbs Band-it. Letztes Jahr eröffnete der sympathische Singer-Songwriter das kostenlose Programm auf der Bühne am Kirchplatz. Und nun spielt er auf der grossen Bühne als Vorband des Pop-Poeten Philipp Poisel und der amerikanischen Folk-Rock-Grösse Band of Horses.
Am Samstag auf der Startrampe: Crimer.
Wenn auf der grossen Bühne umgebaut wird, treten seit zwei Jahren Nachwuchsbands auf der Startrampe auf. Dieses Jahr wurde der Slot für die 15-Minuten-Auftritte ausgeschrieben, über 100 Bands zwischen Zürich und St.Gallen haben sich beworben. Den Sprung auf die Bühne auf einem der berühmten Judd-Brunnen haben neben anderen auch vier Talente aus St.Gallen geschafft: Crimer (Wave Pop), Wesno (Hip Hop), Wassily (Electronic Pop) und Mama Jefferson, deren Frontfrau Vanja Vukelic ursprünglich ebenfalls aus der Ostschweiz stammt.
Neben spannenden Bands bringt das Festival 2017 auch ein neues Geländekonzept: Auf dem Kirchplatz entsteht die Schlemmerei, in der nicht nur Essensstände untergebracht sind, sondern auch das Aussenstudio von Radio Stadtfilter und eine Wandzeitung des Coucou. Und zusammen mit dem Kulturmagazin verschönern die Musikfestwochen ihr Festival um einen Aspekt mehr: Dieses Jahr gibt es nämlich auch Kunst von jungen Kunstschaffenden auf dem Gelände. Und wer abends nicht mehr nach Hause fahren will, findet im Albani, dem legendären Hotel auf dem Festivalgelände, einen Schlafplatz.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.