Sie wäre für den grossen Schluss-Tusch im Museumsinnenhof zuständig gewesen: Judith Holofernes, Solokünstlerin und Frontfrau der Band Wir sind Helden. Wie aber gestern bekannt wurde, muss Holofernes ihre Auftritte dieses Wochenende aus gesundheitlichen Gründen absagen, auch jenen in St.Gallen.
«Ich lag drei Wochen flach im Bett mit Rücken- und rasenden Kopfschmerzen – ausgelöst durch einen Infekt, der sich mit bestehenden Verspannungen zu einer Art ‹Nackenschmerzen aus der Hölle› zusammengetan hat. Vorzustellen so in etwa wie ein Schleudertrauma, nur ohne Schleudern, schreibt sie auf Facebook und liefert gleich noch den Bildbeweis.
Ihr Lieben, ich freue mich sehr, dass PANDA LUX mich heute Abend in St Gallen vertreten, sie haben ordentlich aufgerüstet für euch und das wird sicher toll. Feiert für mich mit! 😚 Posted by Judith Holofernes on Samstag, 22. Juli 2017
Ihr Lieben, ich freue mich sehr, dass PANDA LUX mich heute Abend in St Gallen vertreten, sie haben ordentlich aufgerüstet für euch und das wird sicher toll. Feiert für mich mit! 😚
Posted by Judith Holofernes on Samstag, 22. Juli 2017
«Es tut uns sehr leid für alle, die sich auf das Konzert gefreut haben», sagt Kulturfestival-Veranstalter Lukas Hofstetter am Samstag. «Wir machen das Beste daraus und wünschen Judith gute Besserung.»
Headliner-Ersatz konnte er auf die Schnelle nicht finden, darum schliesst das Kulturfestival dieses Jahr mit einem St.Galler-Abend, für 20 Franken statt den ursprünglichen 36: Die Seebueben von Panda Lux übernehmen Holofernes Slot und haben sich dafür Verstärkung in Form von drei Bläsern geholt, den Auftakt macht neu der verträumte Tausendsassa Wassily, der im Herbst im Palace seine erste Platte tauft.
Dass der letzte Kulturfestivalabend in diesem Jahr von St.Gallern getragen wird, spricht auch für die Organisatoren. Anders als andere Festivals verfrachtet das Kulturfestival die lokalen Bands und Musikerinnen nämlich nicht an den Rändern oder auf separaten Bühnen, sondern behandelt sie als wichtigen Teil des dreiwöchigen Programms: Fast jedes Jahr wird am Kulturfestival eine Platte von Einheimischen getauft und an fast jedem Abend kommt der Support, sofern es einen braucht, aus der Ostschweiz.
Hofstetters diesjährige Festival-Bilanz ist trotz kurzfristigem Troublesooting positiv. «Wir sind einmal mehr sehr zufrieden», sagt er auf Anfrage. «Die erste Woche ist vergleichsweise ruhig angelaufen, die zweite war komplett ausverkauft und die dritte Woche war ähnlich durchzogen wie das Wetter, aber ebenfalls sehr gut besucht.»
Acid Arab am 21. Juli. (Bild: Marcello Engi)
Die Atmosphäre sei toll gewesen, besonders an den ruhigeren Abenden, etwa bei Wallis Bird oder Newton Faulkner, die am liebsten nächstes Jahr gleich wieder kämen. Zu den lauteren Highlights zählt Hofstetter die israelischen Schwestern von A-WA oder auch die zwei Franzosen von Acid Arab, die dem Museumsinnenhof gestern nochmal richtig eingeheizt haben.
Bleibt zu hoffen, dass es auch heute Abend noch einmal hoch hergeht. Danach ist wieder Warten angesagt. Vom Programm fürs nächste Kulturfestival ist noch nichts bekannt, ausser dass die Musik dem König Fussball voraussichtlich etwas Platz machen muss.
Mehr vom diesjährigen Kulturfestival: hier und hier.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.