Das Kult X aufzubauen ist eine heikle Mission. «Wir sind auf den Goodwill der Nachbarn angewiesen», sagt Projektleiter Simon Hungerbühler. «Deswegen haben wir bereits im Vorfeld zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Die Nachbarn boten ihre Mithilfe an und wir haben einen Vertreter ins Betriebsteam aufgenommen.»
Kulturmanager Hungerbühler ist in Kreuzlingen als Programmverantwortlicher der beliebten Kleinkunstbühne Theater an der Grenze bekannt. Vom Stadtrat erhielt er den Auftrag, den Grundstein für das langersehnte Kreuzlinger Kulturzentrum zu legen. «Die Idee ist, klein anzufangen. Zu zeigen, dass etwas läuft, es wachsen zu lassen», erklärt er. Und das möglichst, ohne Stress mit den Nachbarn zu bekommen.
Keine Lust auf Party People
Letzteres könnte sich allerdings als komplizierter als gedacht erweisen. Ort des Geschehens ist das Schiesser-Areal. Der ehemalige Industriekomplex ist von Wohnblöcken umzingelt. Besorgte Nachbarn haben schon vor dem offiziellen Start verlangt, die Parkplätze vor dem geplanten Eingang zu Bar und Bistrobereich für Gäste zu sperren. Weder sollen Party People im Hof Zigarettenpause machen, noch wollen die Nachbarn nachts Autotüren schlagen hören.
Es sieht so aus, dass der Eingang zum Kult X deswegen wohl um die Ecke verlegt werden muss. Er würde dann direkt ins Hochparterre führen, in einen Multifunktionsraum für alle Arten von Veranstaltungen. Rockkonzerte sollen hier, aus Rücksicht auf die Nachbarn, nicht stattfinden. Dafür ist eine Reihe mit Akustikkonzerten einheimischer wie internationaler Künstler in Arbeit.
Weitere Infos: facebook.com/kultigs/
An seiner Gründungsversammlung Mitte Dezember stellte das Betriebsteam des Kult X weitere Eckpfeiler des Jahresprogramms 2018 vor. Vom Filmfestival über Kabarett und Theater bis zur Lesung und einer Fotoausstellung sind einige Daten reserviert, die ohne Krach über die Bühne gehen, aber den einen oder anderen Nachbarn hinter dem Ofen hervorlocken dürften. Zudem sind für die meisten Aufgabenbereiche Verantwortliche gefunden, für Social Media, den Webauftritt, Werbung, Sponsorensuche, Gastro oder die Freiwilligenkoordination.
Betrieben werden soll das Kult X an den jeweiligen Veranstaltungen durch ehrenamtliche Helfer. Es haben sich bereits viele Freiwillige gemeldet, denn ein Kulturzentrum hat in Kreuzlingen viele Befürworter und steht schon länger auf der Wunschliste. Es ist sozusagen eine Kreuzlinger Herzensangelegenheit. Dies erklärt, warum der Stadtrat 70’000 Franken (20’000 sind für das Programm vorgesehen, 50’000 beträgt die Miete) im Budget 2018 bereitstellte und der Gemeinderat den Posten im Oktober durchwinkte.
Ganz frei sind die Macher aber nicht. Die Kultursubvention ist an eine Leistungsvereinbarung gekoppelt. Mindestens 15 Veranstaltungen müssen im ersten Jahr stattfinden. Nachwuchsförderung, aktive Mittelbeschaffung und die Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Maturitätsschule sowie der PHTG sind weitere Forderungen.
Leiser Start, grosse Hoffnungen
Zusätzliche Brisanz gewinnt das Projekt dadurch, dass sich sowohl Theater an der Grenze als auch Z88 derzeit um die Zukunft an ihren jeweiligen Plätzen sorgen müssen. Nicht nur diese beiden wichtigen Kreuzlinger Kulturinstitutionen können ihre Hoffnung jetzt auf das Kult X als neue Heimat setzen. Für die Kreuzlinger soll das Kulturzentrum indes nicht nur ein Ort für Kino, Kunst, Musik, Tanz und Theater werden, sondern auch «ihr» Ort, an dem sie sich einbringen und verwirklichen können, wo sie sich wohlfühlen sollen.
Das Nutzungskonzept, welches die Arbeitsgruppe zu diesem Zweck ausarbeitet, soll im 2018 an den Stadtrat übergeben werden. Erfahrungen aus dem «leisen» Start werden hier eingeflochten. «Wer beim Betrieb helfen will, darf sich gerne melden», sagt Hungerbühler. Ebenso sei Feedback immer willkommen.
Wird der Pilotversuch ein Erfolg, könnte er ausgebaut werden und später gar einem finalen Kulturzentrum den Weg ebnen. Denn für das Schiesser-Areal existieren Umbau- und Erweiterungspläne inklusive Ersatzbau im Garten – der Traum vom «richtigen» Kulturzentrum. Ein solches Millionenprojekt müsste allerdings vors Volk. Den Anfang dazu soll das Kult X machen.
Stefan Böker ist Mitglied der Programmgruppe des Kult-X. Dieser Beitrag erschien im Januarheft von Saiten.
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