Kategorie
Autor:innen
Jahr

Expedition mit bewegten Objekten

Die Tanzkompanie Rotes Velo, in St.Gallen gegründet und heute in Bern heimisch, kommt mit dem letzten Teil ihrer Stücktrilogie zurück in die Grabenhalle. «Terra incognita» ist ein Stück für Puppen und Menschen in Bewegung. Tänzerin Hella Immler sagt, was das Ensemble im «unbekannten Land» entdeckt hat.
Von  Peter Surber
Bilder: pd

Über die ganze Bühne lagen sie verstreut, die Zettel. Dann schälte sich aus den Papierbergen eine Puppe und eine zweite, ein Kind – Figuren, die sich einen Weg durch die apokalyptische Atmosphäre des Stücks suchten. Das Stück hiess Revolution Dada, die bislang letzte Produktion der Rotes Velo Kompanie, im Januar 2019 wurde es in der St.Galler Grabenhalle uraufgeführt, hier der Bericht.

Damals hätten die Spieler «die Liebe zu diesen Objekten entdeckt», sagt Hella Immler, Tänzerin und Mitgründerin des Ensembles. Jetzt, im Jahr danach, haben die Puppen die Bühne fast ganz erobert. Im neuen Stück mit dem Titel Terra incognita spielen sie die Hauptrolle. Emilio H. Díaz Abregú, künstlerischer Co-Leiter des Ensembles, hat sie geschaffen, bewegt werden sie von einem fünfköpfigen Ensemble.

Die Bilder und der Trailer der Produktion lassen erahnen, wie verspielt und vielfältig wandelbar diese Objekte sind. Sie taumeln, purzeln, lassen sich führen und treiben umgekehrt die menschlichen Spielerinnen und Spieler an.

Einzelne sind überlebensgross, andere klein. Marionetten? Puppen? «Gestalten» nennt Hella Immler sie am liebsten und betont: «Wir sind keine Puppenspieler, sondern wir sind Tänzer. Für uns steckt in jedem Objekt der Tanz mit drin.»

Trilogie von düster bis hell

Die Gestalten in Bewegung zu bringen, das habe «sehr, sehr viel Arbeit» gebraucht. Zugleich stecke in den Figuren aber auch ein Humor und eine Heiterkeit, die das jüngste Stück von den früheren unterscheide. Es habe in der Vergangenheit immer mal wieder Kritik gegeben, die Produktionen des Roten Velos seien zu düster.

Tatsächlich ging es 2018 in Eine Stunde auf Erden um das Ende der Welt, in Revolution Dada dann um den Versuch, sich eine neue Welt zu erschaffen – Terra incognita versteht sich als dritter und optimistischer Teil dieser Trilogie. Das Stück schickt seine Heldin, SHEOHE genannt, in die Welt hinaus auf der Suche nach Schönheit, nach Liebe, nach dem Zauber des Lebens.

Terra incognita: 20. und 21. Oktober, 20 Uhr, Grabenhalle St.Gallen, 1. November Tanzraum Herisau

Workshop «Das geheime Leben der Objekte»: 26. und 27. Oktober, Theater am Gleis Winterthur

rotesvelo.ch

Der Titel spielt an auf eine Zeit, «als noch Drachen, Seeschlangen oder andere Biester den Kartographen dazu dienten, unerforschte Gebiete darzustellen». Heute sei das vormals Unbekannte hingegen komplett kartographiert und vermessen. «Unvorstellbares oder Unverständliches wird an die Peripherie gedrängt. Je mehr wir wissen und verstehen, umso weniger Raum existiert für Fantasie und die Wunder dieser Welt», heisst es in der Ankündigung zum Stück.

Von Corona ausgebremst

Terra incognita allerdings ist seinerseits auf eine Welt gestossen, die für alle unbekannt war: die Welt von Covid-19. Die Premiere im Februar im Südpol Luzern konnte noch stattfinden. Dann kam der Lockdown – zum Glück sei es gelungen, die Tournee jetzt im Herbst neu zu planen, mit Halt in Bern, in St.Gallen, Zürich, Winterthur und am 1. November nochmal in der Ostschweiz, im Tanzraum Herisau.

Für die ersten drei Vorstellungen, am vergangenen Wochenende im Tojo Theater in Bern, hätten sie schon gebangt, ob das Publikum überhaupt kommen würde. Aber dann war das Theater über alle Erwartungen gut besucht und die Resonanz «unglaublich positiv», sagt Hella Immler.

Dennoch räumt sie ein: «Es ist momentan nicht einfach, die Leute ins Theater zu locken. Aber wir wollen auftreten, wir wollen teilen, was uns beschäftigt.» Gelegenheit dazu ist am Dienstag und Mittwoch abend in der St.Galler Grabenhalle, am Mittwoch ergänzt um ein Publikumsgespräch nach der Vorstellung. Beim Gespräch mit dabei sind auch Marco Santi, der die Kompanie zu Beginn des Projekts mit Coachings begleitet hat, und der Künstler Hans Guggenheim.

Zukunftspläne? 2021 feiert das Rote Velo sein zehnjähriges Bestehen. Nach den letzten drei Grossproduktionen könnten eher kleine Formate folgen, sagt Immler. «Und wir wollen den Fokus auch auf soziale Projekte legen, nicht nur auf der Bühne präsent sein, sondern auch in Projekten mit Schulen oder mit unseren Mitgliedern.»

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Tunneleröffnung

Von der Lok­re­mi­se zur Reit­hal­le gehts jetzt un­ten durch

Von  René Hornung
IMG 6792

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02