Kategorie
Autor:innen
Jahr

Fliegen die Bronzen bald nach Benin City?

Knapp 100 Objekte aus dem alten Königreich Benin befinden sich in Schweizer Museen, davon acht in St.Gallen. In einem vom Bund finanzierten Projekt soll nun deren Provenienz systematisch geklärt werden. Die hierfür gegründete Benin-Initiative Schweiz ist in Restitutionsfragen «offen» für den Dialog.
Von  Roman Hertler
Harrt weiter aus: Gedenkkopf der Königinmutter Iyoba im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Es kommt Bewegung in die Sache mit den Benin-Bronzen im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen. Die Debatte um die umstrittenen Ausstellungsstücke – eine Iyoba-Figur und eine Reliefplatte, beides ziemlich sicher aus der Beute des kolonial-britischen Raubzugs von 1897 – dauert mittlerweile über zwei Jahre. Das HVM hat angekündigt, sich an der neu gegründeten Benin Initiative Schweiz zu beteiligen.

Acht Schweizer Museen schliessen sich hierbei zum Verbund zusammen, um die Provenienzen ihrer Sammlungen aus dem Königtum Benin im heutigen Nigeria zu untersuchen. Die Projektleitung hat das Rietberg-Museum Zürich übernommen. Das Bundesamt für Kultur unterstützt das Vorhaben, das im Mai startet, mit 100’000 Franken. Die Stelle für eine wissenschaftliche Mitarbeit wird in den nächsten Tagen ausgeschrieben. Im Sommer 2022 sollen die Forschungsergebnisse publiziert werden.

Anzahl Benin-Objekte in den Museen, die sich der Benin-Initiative angeschlossen haben:

HVM St.Gallen (8)

Museum Rietberg Zürich (19)

Bernisches Historisches Museum (5)

Ethnografisches Museum Genf (9)

Ethnografisches Museum Neuenburg (18)

Musem der Kulturen Basel (20)

Museum Schloss Burgdorf (3)

Völkerkundemuseum Uni Zürich (15)

Insgesamt sind in den schweizerischen Sammlungen 97 Objekte dem Königtum Benin zuzuordnen. Unklar ist nach wie vor, bei welchem Anteil es sich um britisches Raubgut handelt. Im HVM St.Gallen sind es nach Forschungsarbeiten des Berliner Ethnologen Andreas Schlothauer aller Wahrscheinlichkeit nach zwei von acht Objekten.

Nicht alle Kunstgegenstände aus dem Edo-Königreich sind im Zuge der britischen «Strafexpedition» unmittelbar nach Europa und in die Schweiz gelangt. Die St.Galler Objekte stammen beispielsweise aus der Sammlung von Han Coray. 1940 hatte das Museum diese und rund 130 weitere Stücke vom St.Galler Kunstsammler erworben. Welche Rolle Kunsthändler und -sammler in Europa wie in Afrika insgesamt spielten, gilt es zu klären.

Kooperation mit Nigeria – aber mit wem genau?

Laut Michaela Oberhofer, Afrika-Kuratorin beim Museum Rietberg, soll die Herkunft sämtlicher Benin-Objekte nochmals von Neuem überprüft werden. Das gilt auch für jene Stücke, bei denen man eigentlich schon Bescheid weiss, wie bei den beiden Bronzen in St.Gallen. Sollten weitere Objekte ausserhalb der beteiligten Museen auftauchen, würde man sich auch dieser annehmen.

«Das Ziel der Initiative ist neben der Provenienzforschung vor allem der Aufbau von Beziehungen nach Nigeria im Sinne einer gleichberechtigten Zusammenarbeit auf kultureller, musealer und akademischer Ebene», führt Oberhofer gegenüber Saiten aus. Die Initiative stehe unter anderem in Kontakt mit der Benin Dialouge Group, Benin Digital oder der Arbeitsgruppe «Koloniale Proveninenzen» im Arbeitskreis Provenienzforschung. Wer für die Initiative aber konkret die Verhandlungspartner und wissenschaftlichen Mitarbeiter sind, bleibt vorerst unklar. Im Mai, wenn das Projekt startet, soll dazu mehr kommuniziert werden.

Das Bronzerelief zeigt einen Kriegsfürsten mit Ritualschwert. (Bild: Urs Bucher)

«Es geht nicht darum, wen wir als legitimen Verhandlungspartner in Nigeria ansehen», sagt Oberhofer. «In Nigeria wird an einem rechtlichen Rahmenwerk gearbeitet, das die Restitution und den Umgang mit Benin-Sammlungen in westlichen Sammlungen regeln wird. Wir werden diese Vorgaben, wer von Nigeria als Verhandlungspartner definiert wird, respektieren.»

Rückgabe nicht primäres Ziel

Von verschiedener Seite europaweit wird gefordert, das britische Raubgut aus dem Königtum Benin solle sofort zurückgegeben werden. Bei der Benin Initiative hat man es, wie auch beim HVM St.Gallen, damit nicht so eilig. Man bekundet immerhin Offenheit für die Restitutionsfrage.

Von nigerianischer Seite seien bisher keine Rückgabeforderungen an ein Schweizer Museum gestellt worden, sagt Michaela Oberhofer. – Sollte Diebesgut nicht auch ohne Aufforderung zurückgegeben werden? «Wir treten mit Nigeria in diesen Aushandlungsprozess über den zukünftigen Umgang mit unseren Benin-Beständen ein und sind offen dafür, wohin uns dieser Prozess zusammen mit Nigeria führen wird.» Im Rahmen der breiten internationalen Zusammenarbeit werde das Thema des zukünftigen Umgangs mit den Sammlungen, und damit auch die Frage der Restitution, diskutiert. Die beiden Benin-Bronzen des HVM bleiben also vorerst in St.Gallen.

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
Image2

Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
260708 Gutesbauen 02 260527 GBO2603 4559 MAX

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB