Wo sind sie, die Lesben? Wie ist ihre Sichtbarkeit? Was führt zur Unsichtbarkeit? Mit diesen und anderen Fragen rund ums Thema Lesben und Lesbenkultur beschäftigt sich die deutsche Journalistin Stephanie Kuhnen seit mehreren Jahren.
Seit Mitte der 1980er-Jahre ist sie selber Aktivistin, später hat sie sich im Aktivismus professionalisiert. Daher sei es für sie naheliegend gewesen, ein Buch zur lesbischen Sichtbarkeit in der heutigen Gesellschaft herauszugeben, wie sie in einem Interview mit jungen lesbischen YouTuberinnen sagt.
Kuhnens Buch ist letztes Jahr erschienen und trägt den provokativen Titel Lesben raus. Es ist eine Sammlung von Beiträgen von 28 Autorinnen und Autoren, die das Thema aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten: aus der persönlichen, der politischen und auch aus der professionellen. Gesamthaft gesehen ist das 296 Seiten umfassende Werk ein Plädoyer für mehr lesbische Sichtbarkeit in der Gesellschaft und Community. Am Freitag liest Stephanie Kuhnen im Frauenpavillon aus ihrem Buch.
Noch immer schwul dominiert
Nach einem Ausflug ins Unternehmerinnentum mit eigener Buchhandlung (2001 bis 2008), ist Stephanie Kuhnen heute beruflich als Journalistin, Buchautorin und Fundraiserin unterwegs. Von 2012 bis 2014 war sie ausserdem Chefredakteurin des lesbischen Magazins «L-MAG». Nebst dem aktuellen Buch Lesben raus hat sie zwei weitere Bücher geschrieben: Butch/Femme. Eine erotische Kultur sowie Rettet die Delphine; Bisse und Küsse. Stephanie Kuhnen lebt seit über 20 Jahren in Berlin.
Lesbische Sichtbarkeit ist seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Thema und stark mit der weiblichen Sichtbarkeit und der Rolle der Frauen in einer männerdominierten Gesellschaft verbunden. Das Problem heute sei eine strukturelle Diskriminierung, eine strukturelle Unsicherheit, sagt sie im YouTube-Interview weiter.
Ausserdem sei die Gruppe von Menschen verschiedener sexueller und geschlechtlicher Identitäten, kurz LSBTTI* genannt, noch immer von schwulen Männern dominiert. Wenn von Homosexuellen gesprochen werde, seien Lesben nur «mitgemeint». Auch würden bei LSBTTI*-Themen selten lesbische Expertinnen befragt. Dagegen müsse frau etwas tun, so die Aktivistin. Auch deshalb habe sie dieses Buch herausgegeben.
«Sichtbar sind leider nur wenige»
Die St.Galler Kunstschaffende Regula Wagner hat den Anlass am Freitag mitorganisiert. «Es gibt zu wenig sichtbare Lesben in der Politik, den Medien und allgemein in der Öffentlichkeit und ausserdem nur wenig lesbische Veranstaltungen in der Region», sagt sie.
Weitere Informationen auf Facebook: «Lesben raus! Für mehr lesbische Sichtbarkeit». Auf queer-lake.net sind zudem alle LGTBIQ-Events rund um den Bodensee aufgeführt.
Wagner hofft, dass sich das bald ändert. Mit der Lesung von Stephanie Kuhnen soll ein Schritt in diese Richtung getan werden. «Je mehr Lesben sichtbar sind, desto mehr Unterstützung erhalten wir von den Gleichstellungsbüros für unsere Projekte und desto besser können wir der Diskriminierung am Arbeitsplatz und der Lohnungleichheit von Frauen – und damit auch von Lesben – entgegenwirken», ist sie überzeugt.
Der Abend im Frauenpavillon im St.Galler Stadtpark beginnt um 19 Uhr mit einem italienischen Buffet. Die Lesung und die anschliessende Diskussion, die von Saiten-Redaktorin Corinne Riedener und Regula Wagner moderiert wird, sind im Rahmen des «Warmen Mai – der andere Kulturmonat» und in Zusammenarbeit mit LOS, der Lesbenorganisation Schweiz und WyberNet, dem Netzwerk engagierter lesbischer Berufsfrauen, entstanden. Der Eintritt ist frei, der Anlass ist für alle offen.
Farbig war St.Gallen am Wochenende, am buntesten ging es aber in der Grabenhalle zu und her. Dort stieg eine Gay-Party, die sich sehen lassen konnte – im Wortsinn.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
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Jubiläum
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