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Hopp Kultur statt Stille Nacht

In St.Gallen wird Protest laut über die Sparentscheide des Stadtrats gegen das Palace und das Sitterwerk. Gute Gelegenheit, an Hopp Kultur zu erinnern, die Proteste gegen die kantonale Kulturplafonierung vor fünf Jahren.
Von  Peter Surber , 

«Wir akzeptieren den massiven Kulturabbau nicht und wollen gemeinsam ein Zeichen des Widerstands setzen. Es trifft uns alle, darum zählen wir auf euer aktives Mitwirken!» Mit diesen Worten rief eine Gruppe mit dem Namen Hopp Kultur zu Protestaktionen gegen das Kultursparen auf. Nein, das war nicht Ende 2018, das war Mitte Juni 2013.

Zur Debatte stand damals das kantonale Sparpaket 3. Es enthielt Sparbefehle im Kulturbereich von gesamthaft 820’000 Franken, darunter die Halbierung der Betriebsgelder für die Kunstzone in der Lokremise, den Verzicht auf das Rom-Atelier und weitere Einschnitte.

Die Protestaktion von 2013.

«Hopp Kultur» machte mit Plakaten und Klebern Lärm. Geholfen hat es wenig – wenn man von der Mobilisierung der Szene absieht. Diese hatte immerhin zur Folge, dass das Rom-Atelier von einem Freundeskreis privat weiterfinanziert wurde. Diese private Zwischenfinanzierung läuft dieser Tage aus. Die neue Lösung ab 2019 ist eine überkantonale Kooperation mit Graubünden und dem Fürstentum Liechtenstein, mehr dazu hier.

Das Unwort des Jahres: Kulturplafonierung

Diesem kleinen Erfolg standen seither weitere Sparübungen entgegen. Die langfristig gravierendste leistete sich ebenfalls das Kantonsparlament: Es hat 2017 erstmals eine Plafonierung der Kulturausgaben auf dem Stand von 2017 beschlossen und diese im Februar 2018 verlängert bis ins Jahr 2021.  Betroffen war unter anderem die Archäologie-Ausstellung, die erst zwei Jahre zuvor feierlich eröffnet worden war – und jetzt den Geldhahn abgedreht kriegte.

Die Folgen waren und sind aber umfassender, wie Andreas Kneubühler schrieb: «Der Antrag bedeutet, dass eine Erhöhung der Beiträge ausgeschlossen ist, auch wenn beispielsweise das Angebot erweitert werden könnte, weil es dafür mehr als genug Publikum gibt. Anders gesagt: Keine zusätzlichen Ausstellungen, keine neueröffneten Kulturorte. Eine tiefgefrorene St.Galler Kulturlandschaft.»

Die Plafonierung ist von der Parlamentsmehrheit von SVP und CVP durchgeboxt worden. FDP und SP/Grüne waren dagegen, inklusive Kulturminister Martin Klöti, der sich im Saiten-Interview 2017 denn auch gründlich ärgerte: «Stets geht es darum, weniger Geld auszugeben oder zumindest nicht mehr. Von Gestaltungswillen und vom Engagement der Politik für die Gesellschaft ist hingegen kaum etwas zu spüren. Rundherum sehe ich sehr viel Eigeninitiative und freiwilliges Engagement, sei es im Gesundheitswesen, in der Kultur, im Sport, im Sozialen oder in der Bildung. Bloss beim Staat wird einzig ans Geld gedacht.»

Die Plafonierung wirkt sich bereits auch auf städtische Projekte aus; seither gebe es «weniger und reduzierte Beiträge» des Kantons, stellt Katrin Meier fest. Bedroht sei aber auch der kulturelle Aufschwung in den Landregionen, wo sich der Kanton und die Gemeinden fifty-fifty an der Finanzierung von regionalen Kulturprojekten beteiligen. Meiers Fazit: Die Kulturplafonierung «drückt auf viele ein wenig – nicht spektakulär, aber spürbar.»

Eine weitere Kultur-Ohrfeige war der Entscheid des Kantonsrats, das Klanghaus-Projekt im Toggenburg zu versenken; es kommt in einer finanziell entlasteten Variante nächstes Jahr immerhin doch noch vors Volk.

Und jetzt also die Kulturschere in der Stadt: Der Stadtrat reagiert damit auf den Entscheid im Stadtparlament, den Steuerfuss um 3 Prozentpunkte zu senken, der Kommentar dazu hier.

Das Palace begründet – und protestiert

In einem Sonder-Newsletter äusserte sich am Samstagabend das Palace zur Nicht-Erhöhung des Betriebsbeitrags. «Unser Antrag für eine Subventionserhöhung war gut begründet», heisst es darin. «Seit der Gründung 2006 hat sich das Palace zu einem Betrieb mit rund 50 Mitarbeitenden entwickelt, erhielt aber seither keine Subventionserhöhung. Jährlich unterstützt uns die Stadt mit 200’000 Franken, wobei 60’000 davon direkt wieder als Miete an die Stadt zurückgehen. Die jetzt geplante Erhöhung wäre bescheiden gewesen, erst der Anfang für eine langfristige Sicherung des Betriebs.»

Ausserdem treffe der Entscheid auch das Sitterwerk, dem eine Subventionserhöhung um 15’000 Franken ebenfalls verwehrt wurde. Und betroffen sei letzlich die ganze Kulturszene.

Wie kurzsichtig dies sei, zeige ein Blick zurück. «Mitte des letzten Jahrzehntes fand in der Stadt und im Kanton St.Gallen ein kultureller Aufbruch statt. Die Lokremise mit Kinok und Theater wurde gegründet, eine neue Museumsstrategie mit dem Neubau des Naturmuseums und dem Umbau des Kunstmuseums in Angriff genommen, die Bibliothek in der Hauptpost entstand und auch das Palace. All diese Häuser wurden zu beliebten öffentlichen Treffpunkten und Diskussionsorten.»

Viele dieser Projekte seien durch Druck von unten entstanden und verwirklicht worden dank einer Politik, «die für einen kurzen Moment mutig in die Zukunft blickte und sich von der sonst üblichen Ostschweizer Skepsis befreite. Durch die simple Steuersenkungs- und Sparpolitik werden diese Errungenschaften in Frage gestellt. Als ob tiefere Steuern Leben in die Strassen bringen würde und nicht die Kultur.»

Der Speckgürtel soll mitzahlen

Kurzum: Grund genug zum Widerstand. Dieser scheint sich momentan zu formieren – nicht zuletzt auch aus dem Ärger heraus, dass die Stadt gerade mit grossem Schwung und breiter Beteiligung ein neues Kulturkonzept aufgleist – und gleichzeitig schnöde den Sparhebel ansetzt.

Das Palace hofft in seinem Newsletter daher, «dass wieder eine Bewegung in St.Gallen entsteht», und nennt schon einmal die wichtigsten Anläufe: einen Antrag im Stadtparlament, Subventionserhöhungen für das Palace, das Sitterwerk und weitere Betriebe wieder zu ermöglichen; ein Ende der kantonalen Kulturplafonierung; vorwärts machen mit dem Umbau des Kunstmuseums.

Und, zentral: eine Debatte darüber, die reichen Gemeinden im Umland der Stadt besser an den Kulturausgaben zu beteiligen.

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,