Aktuell auf dem Spielplan steht Der Sturm von Sasa, ein von Regisseur Pierre Massaux mit Flüchtlingen erarbeitetes Stück nach Shakespeares «Sturm». Das zwölfköpfige Ensemble ist ein Ausnahme – die kleine, nur 4 auf 6 Meter grosse Bühne ist eher für Solo-, Duo- oder Triostücke geeignet. Eine Soloproduktion folgt dann ab dem 3. Mai: Eveline Ketterer vom Theater «Das Klima» spielt Die niederen Instinkte.
Beide, Massaux und Ketterer, gehören zum Kollektiv, das sich das Theater 111 seit Sommer 2013 zur künstlerischen Heimat gemacht hat. Weiter im neunköpfigen Team dabei sind die Schauspieler Nathalie Hubler und Thomas Fuhrer, die Theaterpädagogin Lisa Gartmann, die Puppenspieler Kathrin Bosshard und Stefan Engel, Musiker Christian Berger und Margrit Meier-Waldstein.
Nathalie Hubler in Eseleien. (Bilder: pd)
Das Spektrum des Gebotenen ist entsprechend weit – Kriminalistisches wie der Höhlenmord, Fabelhaftes wie der Soloabend Eseleien von Nathalie Hubler, Gesellschaftskritisches wie das Dreipersonen-Stück Ich bin nicht menschlich zum Thema der Künstlichen Intelligenz waren in dieser Saison unter anderem zu sehen, ausserdem Figurentheater, Kinderprogramme oder die musikalisch-literarische Reihe «Wortklang-Klangwort».
Was anderswo keinen Platz hat
Comedy oder Clownerie, sonst an vielen Kleintheatern die dominierenden Sparte, fehlen hingegen bisher. Das Theater 111 biete ein Nischenprogramm – beziehungsweise «viele Nischen innerhalb der Nische» für all das, was anderswo keinen Platz im Programm hat, sagt Nathalie Hubler.
Für sie ist das eine zentrale Qualität der kleinen Bühne mit ihren gerade einmal 50 Sitzplätzen: einen vertrauten Spielort zu haben, wo sich vielfältige Kontakte mit anderen Theaterschaffenden ergeben und wo Selbstbestimmung gross geschrieben ist. Eher lose, aber freundschaftlich und ohne Konkurrenzdenken sei das Verhältnis zu anderen Kleinbühnen der Stadt, der Kellerbühne, dem Parfin de siècle oder dem Kultbau. Und eher kritisch, das sieht auch Nathalie Hubler so, sei die Lage insgesamt für die freie Theaterszene. In der Stadt fehle noch immer eine Spiel- und Arbeitsstätte für die Freien.
In den gut fünfeinhalb Jahren seit dem Start habe sich die Existenz des Theaters auch über den Kreis der Betreiberinnen und Betreiber herumgesprochen; die Anfragen für Gastspiele nähmen zu, sagt Nathalie Hubler. Und stellt gleich klar: «Wir sind keine Veranstalter.» Man kann das Theater 111 für Gastspiele oder sonstige Veranstaltungen mieten, ist aber für Werbung und Finanzierung selber verantwortlich. Solche Arbeit für Dritte zu leisten, wäre nicht auch noch möglich.
Viel Gratisarbeit, viel Freiheit
Denn Administration, Werbung, Technik und alles, was sonst zum Theaterbetrieb gehört, geschieht im «Hundertelfi» ehrenamtlich. Für einzelne Produktionen könne man, wie alle anderen Veranstalter auch, Projektbeiträge bei Stadt, Kanton und Stiftungen beantragen. Aber den Betrieb selber und alle anfallenden Investitionen trägt das Theater selber, einerseits über den Verein, andrerseits durch Gratisarbeit.
Als Kulturort ohne kommerzielle Absichten und ohne Subventionen steht das junge Theater ziemlich allein in der Förderlandschaft. Nathalie Hubler sieht darin auch Vorteile: Man könne das Programm frei planen, niemand sei «der Chef», während mit einer Leistungsvereinbarung die Ansprüche an Bürokratie, Kontrolle und eine professionalisierte Geschäftsführung steigen würden.
5 Jahre Theater 111, 28. April 11 – 17.30 Uhr, Grossackerstrasse 3 St.Gallen
theater111.ch
Noch ist die kleine Vorstadtbühne ein Geheimtip – viele, auch Nachbarn im Quartier wüssten immer noch nicht, dass es das Theater 111 gibt. Gelegenheit, das zu ändern, bietet das Fest von morgen Sonntag. Es versteht sich als «Dankeschön» an die Vereinsmitglieder und das Publikum.
Den Anfang macht ein Programm für Kinder mit Joséphine François, Lisa Gartmann und dem Figurentheater Edthofer/Engel. Nach dem Mittag spielen Lisa Gartmann und ihr Theaterkurs Nirgendland nach Mascha Kaléko, Kathrin Bosshard zeigt Ausschnitte aus dem Bundesordner-Programm und Clau Wirth erzählt die fantastische Geschichte Don Quijote tanzt keine Sevillanas.
Und der letzte Programmteil ab 16 Uhr: Nathalie Hubler spielt, begleitet von Gitarrist Christian Berger, Fabelhaftes, Eveline Ketterer zeigt einen Ausschnitt aus Die niederen Instinkte, und Franziska Hoby von der Compagnie Buffpapier kommt als «Isabelle la Belle» auf die Bühne. Als Gast wartet zudem Manuel Stahlberger mit neuen «Schnipseln» auf.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.