Kategorie
Autor:innen
Jahr

Junge gegen «Verbotskultur»

Unnötig, unehrlich und nicht durchsetzbar: Mit diesen Argumenten bekämpfen die St.Galler Jungparteien das kantonale Verhüllungsverbot. Abgestimmt wird am 23. September - Fragen an die Grüne Rebekka Schmid und den Freisinnigen Noah Menzi.
Von  Marion Loher

Der Kanton St.Gallen will die Gesichtsverhüllung und somit das Burka-Tragen in der Öffentlichkeit verbieten. Sagen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 23. September Ja zum Verhüllungsverbot, wäre St.Gallen nach dem Tessin der zweite Kanton mit einer derartigen Vorschrift.

Doch soweit soll es nicht kommen. Die vier Jungparteien des Kantons Juso, Jungfreisinnige, Junge Grüne und JGLP haben ihre Kräfte überparteilich gebündelt und sich zusammen mit den Mutterparteien Grüne, GLP und SP zum «Komitee gegen Verbotskultur» zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Ziel: Ein Nein zum Verhüllungsverbot.

«Misstrauen gegenüber der Bevölkerung»

«Das Gesetz ist eine Massnahme gegen ein Problem, das es gar nicht gibt – also absolut unnötig», sagt Rebekka Schmid, Vorstandsmitglied der Jungen Grünen. Sie wohne nun schon seit vielen Jahren in der Stadt St.Gallen und habe noch nie eine Burka-Trägerin gesehen. Noah Menzi, Präsident der Jungfreisinnigen, wohnt zwar nicht in St.Gallen, studiert aber an der HSG. Auch ihm sei noch nie eine Frau mit einer Burka begegnet – «nicht hier und nicht anderswo im Kanton».

Für den 20-Jährigen ist denn auch klar: «Eine liberale Gesellschaft, wie wir sie sind, braucht keine solchen Gesetze. Der Staat hat niemandem zu sagen, was er anziehen darf und was nicht.» Ein solches Bekleidungsverbot sei ein Schritt in die falsche Richtung einer Verbotskultur. «Dies signalisiert ein grosses Misstrauen gegenüber der Bevölkerung, insbesondere gegenüber Andersdenkenden oder Andersgekleideten.»

«Ein Wischi-Waschi-Gesetz»

Mit dem Verhüllungsverbot soll künftig bestraft werden, wer im öffentlichen Raum sein Gesicht verhüllt, sofern damit «die öffentliche Sicherheit oder der religiöse oder gesellschaftliche Friede bedroht oder gefährdet ist». Ob eine Bedrohung oder Gefährdung vorliegt, wäre in jedem einzelnen Fall zu beurteilen. «Dass das Gesetz auf die Burka abzielt, ist offensichtlich», sagt die 21-Jährige Rebekka Schmid. «Trotzdem ist es so unklar und vage formuliert, dass es Raum für staatliche Willkür lässt.»

Für einmal einig: Rebekka Schmid von den Jungen Grünen und der Jungfreisinnige Noah Menzi. (Bild: Marion Loher)

Noah Menzi nennt es «schwammig und unehrlich, ein Wischi-Waschi-Gesetz, das sich ordnungspolitisch nicht durchsetzen lässt». Die Folge wäre lediglich eine «sinnlose Bürokratie». Ausserdem gebe es im Kanton St.Gallen bereits ein Gesetz, das verbietet, sich an Demonstrationen und Sportanlässen unkenntlich zu machen. «Dieses Vermummungsverbot nun auf ein generelles Gesichtsverhüllungsverbot auszuweiten, ist ein unnötiger Eingriff in die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger», sagt Rebekka Schmid.

Schnee, Kälte und Zuversicht

Im vergangenen November hatte der Kantonsrat das Verhüllungsverbot knapp beschlossen, ausschlaggebend war damals die Mehrheit von SVP und CVP. Die FDP und das linksgrüne Lager hatten dagegen gestimmt. Daraufhin ergriffen die Jungsozialisten und die Jungparteien der Grünen und Grünliberalen das Referendum. Trotz widrigster Umstände – Schnee, Nässe und Minus-Temperaturen – gelang es den Nachwuchspolitikern, innerhalb der gesetzlichen Frist von 40 Tagen die nötigen 4000 Unterschriften zu sammeln.

«Wir wurden damals oft belächelt, nicht ernst genommen», erinnert sich die junge Grüne. «Viele trauten es uns nicht zu, dass wir die Unterschriften zusammenbringen.» Es sei ein hartes Stück Arbeit gewesen. Doch die habe sich schliesslich gelohnt.

Nicht, oder nur vereinzelt auf der Strasse mit dabei waren die Jungfreisinnigen. Was aber nicht heisst, dass sie keine Unterschriften gesammelt haben. «Wir setzten uns mittels Mailing für das Referendum ein», sagt Noah Menzi. «Die grosse Arbeit aber haben Juso, junge Grüne und JGLP geleistet», windet er seinen Komitee-Kollegen ein Kränzchen.

Dass Linksgrüne und Bürgerliche zusammenspannen, hat Seltenheitswert. «Es geht um die Sache, und gemeinsam haben wir mehr Chancen, den Abstimmungskampf zu gewinnen.» Und gemeinsam haben sie in den verbleibenden Wochen noch einiges vor. «Wir werden sowohl auf Social Media Werbung machen als auch auf die Strasse gehen, Flyer verteilen und mit den Leuten sprechen», sagt der Jungfreisinnige. Zudem seien bislang zwei Podien in Wil und Rapperswil geplant sowie eine Überraschungsaktion.

Und wie wird die Abstimmung ausgehen? «Ich bin <schüüch> optimistisch», sagt Noah Menzi, und Rebekka Schmid meint: «Es könnte knapp werden – knapp positiv für uns.»

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Der Wi­der­stand der Ama­zo­nas­frau­en

In Kon­stanz gas­tiert der­zeit die Grup­pe As Ka­ru­a­na – ein po­li­ti­scher Frau­en­chor aus dem Ama­zo­nas. Sie zeigt mit ih­rer Mu­sik, ih­rem Tanz, ih­rer Kunst und ih­rem Wis­sen po­li­ti­sche Ré­sis­tance und kämpft für die Rück­erobe­rung ih­rer in­di­ge­nen Kul­tur.

Von  Veronika Fischer
AS KARUANA Gruppenfoto4

Vol­ler Wi­der­sprü­che

Ma­le­rin, les­bisch und glü­hen­de NS-An­hän­ge­rin. Ste­pha­nie Hol­len­stein (1886-1944) war vie­les. Ein Wi­der­spruch? Der neue Do­ku­men­tar­film von Bir­git­ta Wei­zen­eg­ger be­fasst sich mit dem Le­ben der vor­arl­ber­gi­schen Künst­le­rin.

Von  Vera Zatti
Im Schatten der Bilder Filmstillweizeneggerfilm1

Gastkommentar von Jacques Michel Conrad

Ech­te Lö­sun­gen für ech­te Pro­ble­me

Von  Jacques Michel Conrad

Der In­nen­hof als Head­li­ner

Zum 20. Mal bringt das Kul­tur­fes­ti­val in­ter­na­tio­na­le Ent­de­ckun­gen und lo­ka­le Lieb­lings­bands in ei­nen der schöns­ten Kon­zer­tor­te St.Gal­lens. Zum Ju­bi­lä­um blickt Or­ga­ni­sa­tor Lu­kas Hof­stet­ter zu­rück – und be­haup­tet sich zu­gleich in ei­nem Mu­sik­ge­schäft, das für klei­ne­re Fes­ti­vals im­mer schwie­ri­ger ge­wor­den ist.

Von  Philipp Bürkler
Digitalism 1 2022 Kulturfestival Marcello Engi
Heftvorschau 07/08/26
Kunst im Sittertal, Sommertipps

Vor 40 Jah­ren grün­de­te Fe­lix Leh­ner in Bein­wil am See die Kunst­gies­se­rei, die 1994 nach St.Gal­len zog. Und vor 20 Jah­ren ent­stand er­gän­zend da­zu die Stif­tung Sit­ter­werk, die un­ter an­de­rem ei­ne welt­weit ein­zig­ar­ti­ge Kunst­bi­blio­thek führt. Wir tau­chen ein in die­sen wun­der­sa­men Mi­kro­kos­mos im Sit­ter­tal. Aus­ser­dem in der Ju­li/Au­gust-Dop­pel­num­mer: die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps, die Fla­schen­post von An­na Stern aus Finn­land und das In­ter­view zum 100-Jahr-Ju­bi­lä­um un­se­rer Haus­dru­cke­rei Nie­der­mann. 

Saiten 260708 01 Cover 01

Dy­na­mik in Stein

Flo­ri­an Fuchs ar­bei­tet an ei­ner an­tik an­mu­ten­den, 2,5 Me­ter ho­hen Mar­mor­sta­tue. War­um in­ter­es­siert sich ein jun­ger Bild­hau­er für die­se klas­si­sche Her­an­ge­hens­wei­se? Ein Werk­statt­be­such in Fla­wil.

Von  Roman Hertler
01 Florian Fuchs Theano Foto Maria Mahler

Der Kul­tur­kampf

Es war das Jahr­zehnt der Kul­tur: In den 80ern kam die Stadt St.Gal­len zu ei­ner Kunst­hal­le, ei­nem Pro­gramm­ki­no, der Frau­en­bi­blio­thek, der Gra­ben­hal­le, ge­nos­sen­schaft­li­chen Bei­zen und an­de­rem. Wie das ge­lang und wer die Fä­den zog, zeich­nen Ralph Hug und Co­rin­ne Schatz im Buch Der gros­se Auf­bruch nach.

Von  Peter Surber
2606 80er JF Mueller 01

Die sub­ver­si­ve Kraft des Auf­be­geh­rens

Das Film­dra­ma Fuo­ri er­zählt ein kur­zes Ka­pi­tel der aus­ser­ge­wöhn­li­chen Le­bens­ge­schich­te ita­lie­ni­schen Schrift­stel­le­rin, Schau­spie­le­rin und Wi­der­stands­kämp­fe­rin Go­li­ar­da Sa­pi­en­za.

Von  Karsten Redmann
Fuori 3

Die Ge­füh­le dre­hen sich

Mit ver­schreck­ten Se­cu­ri­tys in ei­ner bun­ten In­sze­nie­rung von An­ge­li­ka Zacek prä­sen­tiert das Vor­arl­ber­ger Lan­des­thea­ter in Bre­genz Shake­speares Ein Som­mer­nachts­traum.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ein Sommernachtstraum David Kopp Maria Lisa Huber Nurettin Kalfa c Anja Koehler

Tri­umph­marsch ge­gen den Krieg

Die St.Gal­ler Fest­spiel-Oper spielt die­ses Jahr im Haus statt auf dem Klos­ter­platz – ein Glücks­fall für Ver­dis Ai­da, die mensch­lich und mu­si­ka­lisch in die Tie­fe geht. Mo­de­s­tas Pi­t­re­nas di­ri­giert ein letz­tes Mal, Ben Baur in­sze­niert bild­stark.

Von  Peter Surber
6477 konzert und theater st gallen aida 2026 036

Der Ap­fel, der bö­se Wolf und Will­helm Tell 

Im Werk 2 in Ar­bon dreht sich der­zeit al­les um My­then. «Sehn­sucht My­thos. Wie Ge­schich­ten un­se­re Welt ge­stal­ten» ist ei­ne äs­the­ti­sche Aus­stel­lung, die mit ih­rem sehr brei­ten My­thos­be­griff ar­bei­tet und viel­fäl­ti­ge Ge­schich­ten un­ter ei­nem Dach ver­eint.

Von  Vera Zatti
IMG 9656

Neue Eigenproduktion

Mit Walt Whit­man in die Zu­kunft 

Von  Vera Zatti
DB0 A7992

Tunneleröffnung

Von der Lok­re­mi­se zur Reit­hal­le gehts jetzt un­ten durch

Von  René Hornung
IMG 6792

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster