An diesem Freitagmittag, kurz vor den Ferien, ist der grosse helle Raum gleich bei der Station der Appenzeller Bahnen aufgeräumt. Die Ausstellung zum Semesterende ist fertig, gewerkt wird nicht mehr – aber überall sind die Spuren der Arbeit zu sehen, Materialien, säuberlich beschriftet in Kisten versorgt, Werkzeug, Maschinen, Pinsel, Holz, Papiere…
Jeweils am Mittwochnachmittag herrscht hier Grossbetrieb. In drei verschiedenen Altersgruppen lädt die Kleine Kunstschule Kinder und Jugendliche von 4 bis 16 Jahren zum kreativen Tun ein. Das Programm ist vielfältig: Die Kinder können individuell an eigenen Projekten arbeiten, oder sie lernen handwerkliche Techniken. Neben festen Gruppen gibt es offene Werkstätten und Ferienkurse, jeweils mit einem bestimmten Thema.
Kleine Kunstschule St.Gallen
Ein «Bestseller» im Kursangebot, erzählt Anuschca Conrad, bis vor kurzem Präsidentin des Trägervereins, ist auch der Workshop «Archäolügner:innen», wo mit «Erfundgegenständen» aus Gips gearbeitet wird. Fantasie anregen, Kreativität ausleben, Ideen umsetzen, das Selbstbewusstsein fördern: Solchen Zielen dient die Kleine Kunstschule. Den Unterricht gestalten professionelle Kunstschaffende und Werklehrerinnen, Designer und Handwerkerinnen mit pädagogischer Erfahrung.
Impressionen aus Kursen und Workshops der Kleinen Kunstschule. (Bilder: pd)
Mit Kinderbetrieb ist hier im Riethüsli jetzt aber Schluss. Die Kleine Kunstschule hat den Raum gekündigt, schweren Herzens, wie Geschäftsführerin Anne Rickelt sagt, und sucht für nächstes Jahr Ersatz. Am 24. Juni hat sich auch der Verein aufgelöst, der die Schule bisher getragen hat. An seine Stelle soll als neue Trägerin eine Stiftung treten.
Ehrenamtlichkeit stösst an Grenzen
Gegründet 2002, ist die Schule kontinuierlich gewachsen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen stieg stetig, in diesem Semester betreute die Kleine Kunstschule rund 50 Kinder und Jugendliche. Viele kämen naheliegenderweise aus Familien, die einen Bezug zu Bildender Kunst hätten – aber es gebe auch Kinder aus bildungsfernen Milieus. Dank einem Fonds stehen die Kurse auch Kindern offen, deren Eltern wenig Geld haben. Das Einzugsgebiet geht über die Stadt hinaus, in die Region St.Gallen, das Appenzellerland und den Thurgau.
In den zwanzig Jahren hat sich die Kleine Kunstschule, zuerst in St.Fiden und seit einigen Jahren im Riethüsli stationiert, etabliert und auch Anerkennung erhalten, unter anderem einen Förderpreis der Stadt und den Prix Benevol. «Die Feedbacks und der Rückhalt waren toll – eine Erfolgsgeschichte», sagen Conrad und Rickelt.
Anne Rickelt, Anuschca Conrad. (Bild: Su.)
Aber im gleichen Mass stiegen die administrativen Aufgaben. Social Media, die Kommunikation mit Eltern, Schulen, mit Vereinsmitgliedern, Fundraising, Behördenkontakte und so weiter: All das braucht Energien. Der Vorstand musste mehrere Rücktritte verkraften, auch bei den Kursleiter:innen gab es Absagen; für sie ist der Unterricht an der Kleinen Kunstschule ein Nebenpensum, Priorität hat der Hauptberuf. Zugleich nahmen Anfragen von Schulklassen zu für Kreativtage an der Kleinen Kunstschule.
Man kennt das Thema von unzähligen anderen zivilgesellschaftlichen Engagements: Herzblut und Idealismus sind wichtig, aber reichen irgendwann nicht mehr. Die Freiwilligenarbeit stösst an Grenzen, Professionalisierung ist angesagt. Die Suche nach ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern blieb vergebens; erst als man eine 20-Prozent-Anstellung ausschrieb, fand der Verein seine Geschäftsführerin. Anne Rickelt, gegenwärtig dank ihrem Kulturmanagment-Doktorat an der HSG voll im Thema drin, ist seit Februar im Amt und leitet den Prozess.
Um ihn seriös anzupacken, dazu fehlten im laufenden Schulbetrieb jedoch die Ressourcen, stellt Anuschca Conrad fest. Deshalb brauche die Schule eine Kunst-Pause.
Anderswo zahlen die Kantone
Professionalisierung geht nicht ohne Geld. Anne Rickelt hat die Kosten überschlagen: Für Schulleitung, Geschäftsstelle, Sekretariat wären etwa 120 Stellenprozente nötig, hinzu kommen Auslagen für Mobiliar und Raummiete, insgesamt rund 80-100’000 Franken jährlich. Bisher hat sich die Kleine Kunstschule neben den Schulgeldern (360 bis 380 Franken pro Semester) über Vereinsbeiträge und Spenden finanziert. Künftig hofft sie vermehrt auf Partnerschaften mit Stiftungen.
Die Frage sei zudem, ob der Kanton für eine Unterstützung zu gewinnen wäre, sagt Anne Rickelt; andere Bildschulen wie jene in Frauenfeld sind aus Lotteriefondsgeldern mitfinanziert. Weniger Chancen rechnet man sich bei der Stadt St.Gallen aus; sie trägt mit den Kursen «Kunst & Handwerk» bereits ein vergleichbares Kunstbildungs-Angebot mit, für Schulkinder der 3. bis 6. Klasse. Es wäre allerdings vor zwei Jahren beinah dem Sparhammer zum Opfer gefallen.
Die Kunst des Miteinanders…: Siebdruck-Workshop.
Langfristig hoffe die Kleine Kunstschule auf einen Status vergleichbar den Musikschulen oder auch der Sportförderung, sagt Anne Rickelt. J+K als Ergänzung zu J+S und J+M: An diesem Ziel arbeitet auch der Dachverband der Bildschulen Schweiz.
Konferenz Bildschulen Schweiz
19 Schulen gehören der Konferenz an, in der Ostschweiz kommen zu St.Gallen und Frauenfeld Vaduz und, ganz neu, Buchs hinzu. Der Verband betreibt Lobbyarbeit und hat mit Bauplatz Kreativität ein inspirierendes Handbuch für ästhetische Bildung herausgebracht, mit praktischen Beispielen und theoretischen Überlegungen zur Bildschul-Pädagogik.
Fördern ohne Erfolgszwang
Zentral ist dabei die Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen. Das betont auch Anuschca Conrad: Anders als in der Regelschule stehe hier nicht ein fertiges Endprodukt oder ein definiertes Lernziel im Vordergrund, sondern der kreative Prozess und das Miteinander-Arbeiten. Zwar wäre staatliche Unterstützung wünschbar – zugleich wolle die Kleine Kunstschule aber ihrer pädagogischen Haltung treu bleiben, Kinder und Jugendliche ohne Erfolgszwang zu fördern. «Wir wollen unabhängig sein.»
Die Bilanz lässt sich sehen: Eine ganze Reihe von Kindern und Jugendlichen, die in der Kleinen Kunstschule ihre ersten kreativen Schritte machten, wechselten später in die Talentschule oder in den gestalterischen Vorkurs. Gelder der öffentlichen Hand wären in dem Sinn auch eine Anerkennung dafür, dass hier «nicht einfach gebastelt», sondern wichtige Persönlichkeitsbildung geleistet und der Grundstein für manche künstlerische oder sonstwie kreative Karriere gelegt wird.
Der Vorkurs für Erwachsene soll wieder über 13'000 Franken kosten. Das ist keine Sparmassnahme, sondern ein Beispiel für den Standortnachtteil St.Gallen.
Die Entlassung von Thomas Gerig, Abteilungsleiter der Schule für Gestaltung, ist der vorläufige Höhepunkt im Machtkampf um die SfG. Seine Ehemaligen setzten deshalb am Donnerstag mehr als nur ein Zeichen für «ihren» Krawattenträger.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
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Musik