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Kunstschule macht Kunst-Pause

Die Kleine Kunstschule St.Gallen setzt ihre Kurse aus – ein Jahr lang. Dies soll ihr Zeit geben, neue Strukturen und eine gesicherte Finanzierung aufzubauen. Was dahinter steckt, erzählen Anuschca Conrad und Anne Rickelt im Noch-Schulgebäude im Riethüsli.
Von  Peter Surber , 

An diesem Freitagmittag, kurz vor den Ferien, ist der grosse helle Raum gleich bei der Station der Appenzeller Bahnen aufgeräumt. Die Ausstellung zum Semesterende ist fertig, gewerkt wird nicht mehr – aber überall sind die Spuren der Arbeit zu sehen, Materialien, säuberlich beschriftet in Kisten versorgt, Werkzeug, Maschinen, Pinsel, Holz, Papiere…

Jeweils am Mittwochnachmittag herrscht hier Grossbetrieb. In drei verschiedenen Altersgruppen lädt die Kleine Kunstschule Kinder und Jugendliche von 4 bis 16 Jahren zum kreativen Tun ein. Das Programm ist vielfältig: Die Kinder können individuell an eigenen Projekten arbeiten, oder sie lernen handwerkliche Techniken. Neben festen Gruppen gibt es offene Werkstätten und Ferienkurse, jeweils mit einem bestimmten Thema.

Ein «Bestseller» im Kursangebot, erzählt Anuschca Conrad, bis vor kurzem Präsidentin des Trägervereins, ist auch der Workshop «Archäolügner:innen», wo mit «Erfundgegenständen» aus Gips gearbeitet wird. Fantasie anregen, Kreativität ausleben, Ideen umsetzen, das Selbstbewusstsein fördern: Solchen Zielen dient die Kleine Kunstschule. Den Unterricht gestalten professionelle Kunstschaffende und Werklehrerinnen, Designer und Handwerkerinnen mit pädagogischer Erfahrung.

Impressionen aus Kursen und Workshops der Kleinen Kunstschule. (Bilder: pd)

Mit Kinderbetrieb ist hier im Riethüsli jetzt aber Schluss. Die Kleine Kunstschule hat den Raum gekündigt, schweren Herzens, wie Geschäftsführerin Anne Rickelt sagt, und sucht für nächstes Jahr Ersatz. Am 24. Juni hat sich auch der Verein aufgelöst, der die Schule bisher getragen hat. An seine Stelle soll als neue Trägerin eine Stiftung treten.

Ehrenamtlichkeit stösst an Grenzen

Gegründet 2002, ist die Schule kontinuierlich gewachsen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen stieg stetig, in diesem Semester betreute die Kleine Kunstschule rund 50 Kinder und Jugendliche. Viele kämen naheliegenderweise aus Familien, die einen Bezug zu Bildender Kunst hätten – aber es gebe auch Kinder aus bildungsfernen Milieus. Dank einem Fonds stehen die Kurse auch Kindern offen, deren Eltern wenig Geld haben. Das Einzugsgebiet geht über die Stadt hinaus, in die Region St.Gallen, das Appenzellerland und den Thurgau.

In den zwanzig Jahren hat sich die Kleine Kunstschule, zuerst in St.Fiden und seit einigen Jahren im Riethüsli stationiert, etabliert und auch Anerkennung erhalten, unter anderem einen Förderpreis der Stadt und den Prix Benevol. «Die Feedbacks und der Rückhalt waren toll – eine Erfolgsgeschichte», sagen Conrad und Rickelt.

Anne Rickelt, Anuschca Conrad. (Bild: Su.)

Aber im gleichen Mass stiegen die administrativen Aufgaben. Social Media, die Kommunikation mit Eltern, Schulen, mit Vereinsmitgliedern, Fundraising, Behördenkontakte und so weiter: All das braucht Energien. Der Vorstand musste mehrere Rücktritte verkraften, auch bei den Kursleiter:innen gab es Absagen; für sie ist der Unterricht an der Kleinen Kunstschule ein Nebenpensum, Priorität hat der Hauptberuf. Zugleich nahmen Anfragen von Schulklassen zu für Kreativtage an der Kleinen Kunstschule.

Man kennt das Thema von unzähligen anderen zivilgesellschaftlichen Engagements: Herzblut und Idealismus sind wichtig, aber reichen irgendwann nicht mehr. Die Freiwilligenarbeit stösst an Grenzen, Professionalisierung ist angesagt. Die Suche nach ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern blieb vergebens; erst als man eine 20-Prozent-Anstellung ausschrieb, fand der Verein seine Geschäftsführerin. Anne Rickelt, gegenwärtig dank ihrem Kulturmanagment-Doktorat an der HSG voll im Thema drin, ist seit Februar im Amt und leitet den Prozess.

Um ihn seriös anzupacken, dazu fehlten im laufenden Schulbetrieb jedoch die Ressourcen, stellt Anuschca Conrad fest. Deshalb brauche die Schule eine Kunst-Pause.

Anderswo zahlen die Kantone

Professionalisierung geht nicht ohne Geld. Anne Rickelt hat die Kosten überschlagen: Für Schulleitung, Geschäftsstelle, Sekretariat wären etwa 120 Stellenprozente nötig, hinzu kommen Auslagen für Mobiliar und Raummiete, insgesamt rund 80-100’000 Franken jährlich. Bisher hat sich die Kleine Kunstschule neben den Schulgeldern (360 bis 380 Franken pro Semester) über Vereinsbeiträge und Spenden finanziert. Künftig hofft sie vermehrt auf Partnerschaften mit Stiftungen.

Die Frage sei zudem, ob der Kanton für eine Unterstützung zu gewinnen wäre, sagt Anne Rickelt; andere Bildschulen wie jene in Frauenfeld sind aus Lotteriefondsgeldern mitfinanziert. Weniger Chancen rechnet man sich bei der Stadt St.Gallen aus; sie trägt mit den Kursen «Kunst & Handwerk» bereits ein vergleichbares Kunstbildungs-Angebot mit, für Schulkinder der 3. bis 6. Klasse. Es wäre allerdings vor zwei Jahren beinah dem Sparhammer zum Opfer gefallen.

Die Kunst des Miteinanders…: Siebdruck-Workshop.

Langfristig hoffe die Kleine Kunstschule auf einen Status vergleichbar den Musikschulen oder auch der Sportförderung, sagt Anne Rickelt. J+K als Ergänzung zu J+S und J+M: An diesem Ziel arbeitet auch der Dachverband der Bildschulen Schweiz.

19 Schulen gehören der Konferenz an, in der Ostschweiz kommen zu St.Gallen und Frauenfeld Vaduz und, ganz neu, Buchs hinzu. Der Verband betreibt Lobbyarbeit und hat mit Bauplatz Kreativität ein inspirierendes Handbuch für ästhetische Bildung herausgebracht, mit praktischen Beispielen und theoretischen Überlegungen zur Bildschul-Pädagogik.

Fördern ohne Erfolgszwang

Zentral ist dabei die Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen. Das betont auch Anuschca Conrad: Anders als in der Regelschule stehe hier nicht ein fertiges Endprodukt oder ein definiertes Lernziel im Vordergrund, sondern der kreative Prozess und das Miteinander-Arbeiten. Zwar wäre staatliche Unterstützung wünschbar – zugleich wolle die Kleine Kunstschule aber ihrer pädagogischen Haltung treu bleiben, Kinder und Jugendliche ohne Erfolgszwang zu fördern. «Wir wollen unabhängig sein.»

Die Bilanz lässt sich sehen: Eine ganze Reihe von Kindern und Jugendlichen, die in der Kleinen Kunstschule ihre ersten kreativen Schritte machten, wechselten später in die Talentschule oder in den gestalterischen Vorkurs. Gelder der öffentlichen Hand wären in dem Sinn auch eine Anerkennung dafür, dass hier «nicht einfach gebastelt», sondern wichtige Persönlichkeitsbildung geleistet und der Grundstein für manche künstlerische oder sonstwie kreative Karriere gelegt wird.

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
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Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
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Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57