Kaum hörbar lässt der Wind ein paar Regentropfen ans Fenster prasseln, und von weit her ertönt leises Donnergrollen. Das ist keine billige Effekthascherei, sondern dem meteorologischen Zufall geschuldet und angenehmer Nebeneffekt der Wohnzimmeraufnahme. Das aufziehende Sommergewitter fügt sich nahtlos ins zehnminütige Klavier-Instrumentalstück X, das in einem Take aufgenommen wurde.
Worries and Other Plants: Dreams & Nightmares – erscheint am 26. März online.
Vorgesehen ist auch eine Vinylpressung.
Der ganze Track besteht nur aus wenigen einzelnen, langgezogenen, bloss mit Ansätzen von Melodien umspielten Akkorden. Einfaches Taktklopfen auf das Pianogehäuse in der Songmitte lässt nur für einen kleinen Moment so etwas wie Tempo aufscheinen. In dieser Einfachheit liegt der Zauber dieses hypnotischen Stücks, das einen in ein wohlig warmes Wechselbad in Moll und Dur taucht.
Düster und deep wird Dreams & Nightmares, der Erstling von Worries and Other Plants, allerdings erst gegen das Ende hin; und X ist vielleicht nur ein ausuferndes Intro zur wunderbaren Schlussballade Funeral, mit souligem Touch, gesungen von Gastsängerin und Singer/Songwriter-Jungtalent Femi Luna.
Sofa-Feeling für konzertlose Zeiten
Hinter Worries and Other Plants steht der Rheintaler Dionys Müller. Der Drummer des Rockduos Too Mad hat das Album im vergangenen Herbst im Alleingang in den eigenen vier Wänden eingespielt. Dass man dieses Sofa-Feeling der Aufnahme anhört, macht gerade in schmerzlich konzertlosen Zeiten wie diesen den besonderen Reiz des Albums aus.
Dreams & Nightmares hätte ursprünglich eine Klavierplatte werden sollen. Letztes Jahr hat Müller, gelernter Bäcker und heute Arbeitsagoge in einer Küche, die ganze Palette an Gefühlen, die so ein Coronasommer auslösen kann, eingepackt und ist umgezogen. Weil er am neuen Ort genug Platz hat, hat er bei dieser Gelegenheit auch sein altes Piano aus dem Elternhaus zu sich geholt. In der eigenen Stube kann man die Mikrofone gut auch mal ein paar Tage oder Wochen stehen lassen. Und zum Jammen und Ausprobieren war ohnehin mehr als genug Zeit.
So reifte im Herbst Müllers Soloprojekt heran, wobei er mehr und mehr auf die Gitarre zurückgriff, die den Sound des Albums fortan prägen sollte. Am ehesten an den stampfenden Bluesrock von Too Mad – allerdings mit wesentlich weniger Verzerrung in den Riffs – erinnert Nightmares. Ansonsten ist Dreams & Nightmares ein eigenständiges Werk, das stimmungsmässig zwischen Nachdenklichkeit und Aufbruch pendelt.
Den beinahe lüpfigen Opener Clouds haucht Müller ins Mikrofon wie Mark Oliver Everett, der es als Eels-Mastermind wie kein anderer versteht, selbst traurigste Töne mit einem zuversichtlichen oder auch ironisch-bitteren Lächeln aufzuhellen. Mit runtergestimmter Akustikgitarre und Wüstenblues-Coolness nimmt Müller dann in Within den Kampf gegen innere Dämonen der Vergangenheit auf: «This place is my biggest fear / but this barrier must fall».
Sympathischer Stubenbesuch
Weil alleine Jammen auf Dauer einsam macht, hat Müller nebst Femi Luna weitere Freunde in seine neue Stube geladen. So gehört etwa der Grafiker Simon Costabiei fix zum Worries-Projekt. Als Kooperation angelegt ist auch die krautige Downtempo-Nummer Under Water, quasi der nebelgeschwängerte Saunagang in dieser Entspannungsplatte, aus einem Jam mit dem Bassisten Janne Jusula entstanden.
Angela Federer leiht dem Song ihre warme Stimme, die sehr gut ohne die immergleichen Castingshow-Pop-Vibratos auskommt. Federer trifft die Töne, die geradlinig direkt reingehen. Und für die «good vibrations» ist mit der spacigen Leadgitarre, Delay-Effekten und gelegentlichem Klapperschlangenrasseln schon gesorgt. Der Song versucht gar nicht erst, seine Nähe zu Vorbildern aus den 70ern zu kaschieren. Die Anlehnung passiert bewusst unterbewusst. Wer genau hinhört, vernimmt im Hintergrund Plauderei und Gelächter, die die samstagnachmittägliche Aufnahme-Session begleitet haben.
Dionys Müller, der ursprünglich eher aus dem Hip Hop kommt, hat in letzter Zeit viel Woodstock etc. gehört. Das merkt man. Allerdings nicht überall ganz so ausgeprägt wie in Under Water oder in der leicht schwebenden Sechsachteltakt-Ballade Dreams, wo die fein solierende Orgel am Schluss von einer verspielten Trompete (Marco Oberholzer) überlagert wird. Es ist die einzige Stelle, die in manchen Ohren etwas überladen wirken könnte. Dem Song und dem Album, dessen Schönheit ansonsten gerade durch die Einfachheit der organischen Arrangements besticht, kann das nichts anhaben.
Worries and Other Plants ist bisher nicht zur Band herangewachsen, sondern im Kern ein Soloprojekt geblieben. Müller geniesst diese Unabhängigkeit und Freiheit, wie er sagt. Konzerte sind vorerst – nicht nur wegen Corona – keine angedacht, obwohl er nicht abgeneigt wäre, die Songs mit anderen Leuten zu spielen. Vorerst aber bleibt Dreams & Nightmares, was es ist: Der perfekte Soundtrack für gemütliche Stunden in der eigenen Lockdownstube.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch