Die Post geht mit der Zeit. Schluss mit Schlangestehen – heute zieht man, falls man überhaupt noch mit der Post statt mit Posts verkehrt, in der Schalterhalle einen Zettel und wartet, bis man an der Reihe ist. Der St.Galler Kabarettist Manuel Stahlberger, Spezialist für die Absonderlichkeiten des Alltags, hat aus den ominösen Nümmerli eine Nummer gemacht. Stahlberger ringt den nutzlos gewordenen Zahlen und Daten auf den Zetteln die wunderlichsten Deutungen ab – halt nur live zu erleben. Für diese postalische Saiten-Ausgabe hat er aber freundlicherweise seine Unikate aus dem Zettelkasten geholt, alle ausser einem, damit’s aufging.
Wie lange es mit dem postalischen Nummernwesen noch weitergeht, steht allerdings auf einem anderen Zettel. Ihre stolzen Gebäude, einst neben Bank und Rathaus, Bahnhof und Schule die repräsentative Mitte der Stadt, braucht die Post vielerorts nicht mehr. In der St.Galler Hauptpost ist seit 2015 provisorisch die Kantons- und Stadtbibliothek einquartiert, daneben Büros der kantonalen Verwaltung, Ateliers und Schulzimmer. Das Provisorium bewährt sich – auch weil die Post standesgemäss solid gebaut hat vor hundert Jahren.
In den Quartieren passiert Ähnliches: Die ehrwürdige Post im Linsebühl ist seit langem zur künstlerischen Postpost mutiert, mehr dazu hier. Oder die Post St.Georgen: Sie dient heute einem Verlag als Geschäftssitz; in den benachbarten Räumen an der Demutstrasse 2 mit ihrem Jugendstil-Interieur ist seit 2007 die B-Post einquartiert, als Freitags-Bar, Mittwochs-Kulturplatz und Quartier-Treffpunkt.
Und was der Stadt recht ist, ist dem Land billig: Die «Alte Post» im Weisstannental etwa ist seit 2012 ein Museum und Kulturzentrum. 250 Jahre lang war das imposante spätbarocke Gebäude als Post, Restaurant, Bäckerei, Laden die Drehscheibe im Tal. Heute wird unter dem Namen «Post-ab» im Sommerhalbjahr ein Kulturprogramm geboten, mit Schwerpunkt auf der Pflege von Handwerk und Traditionen – dank Multimedia-Vermittlung aber auf der Höhe der Gegenwart. Im November hat der St.Galler Kantonsrat die Anstrengungen der «Post-ab» zur Belebung des Tals mit einem Zusatzbeitrag von 20’000 Franken aus dem Lotteriefonds honoriert.
Die Post geht mit der Zeit. Was mit ihr passiert, ebenso wie mit anderen nicht mehr gebrauchten Zeugen der Industrie- und der analogen Dienstleistungsepoche, ist der Umnutzungs-Klassiker: Die Kultur übernimmt.
Dieser Beitrag erschien im Januarheft von Saiten.
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative