«Im September gehst du geduckt im Schatten und aufrecht in der Sonne. Vergeblich suchst du nach einer Brücke zwischen klammer Kühle und heller Wärme. Mag sein, die Brücke bist du selbst.» Die Sätze passen prächtig zum September, den wir hinter uns haben. Aber es gibt auch andere September: «Im September ist die Welt eine Halle, angefüllt mit blauem Himmel, dem Gekrächze der Krähen, dem Geräusch vorbeifahrender Autos, den Atemzügen von Liebenden und Sterbenden.»
Christine Fischer.
Christine Fischer, die St.Galler Autorin, bringt einmal mehr in Kürzesttexten die Welt auf ihren sowohl alltäglichen wie existentiellen Punkt. Diesmal geben der Lauf der Monate und der Takt der Tage den Inspirationsraum her. Im Mai. Am Montag heisst das Buch, das circa elfte der Autorin insgesamt und ein zweieiiger Zwilling zum 2017 erschienenen Band Der Zweifel, der Jubel, das Staunen.
Was im Alter gilt
Dort wie jetzt auch hier schreibt Christine Fischer knapp und lakonisch, gelassen, heiter, melancholisch, nie zornig. Ein (vielleicht altersmilder) Glanz liegt über den Texten; selbst das unaufhaltsame Vergehen der Zeit hat seine lichten Seiten: «Mit der Zeit wird mir klar, dass man im Alter nicht mehr Häuser baut, sondern Türen und Fenster öffnet, Dächer abdeckt, Wände einreisst, Zäune wegdrückt und sich Wind und Wetter preisgibt.»
Christine Fischer: Im Mai. Am Montag. Orte Verlag Schwellbrunn 2019, Fr. 29.90
Buchvernissage: 29. Oktober, 19 Uhr, Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen
Das Buch folgt einem strikten Raster. Jeder der 303 Kürzesttexte fängt entweder mit einem Monat an, mit einem Wochentag oder mit der Formel «Mit der Zeit». «Im April, an manchen Tagen, ist die Welt ein einziges Glänzen». «Am Mittwoch duftet der tropfengesprenkelte Asphalt nach Regen, nach Staub und Abends ein Vorbote des Sommers». «Mit der Zeit lerne ich das Gehen und setze einen Fuss vor den andern. So einfach ist das.»
Aha und Ach ja
So geht es durchs Jahr von Januar bis Dezember, durch die Woche kreuz und quer, durch Wind und Wetter, Beobachtungen und Reflexionen. Fischers Texte sind Angebote – man bleibt an ihnen hängen, dreht und wendet sie, pflichtet ihnen bei oder sinniert über sie, hat Aha- und Ach-ja-Erlebnisse, schärft an ihnen oder auch einmal gegen sie die eigene Wahrnehmung, den Blick fürs Unscheinbare und vor allem für das eigentlich Wichtige.
Wer sich auf ihre unspektakuläre Wortkunst einlässt, wird an Christine Fischers Hand in eine zunehmende Vertraulichkeit mit dem Leben geführt. Und lernt es zu nehmen, wie es ist: «Mit der Zeit stellt sich die Erkenntnis ein, dass wir alle Überlebende sind.»
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.