Es ist kalt in der St.Galler Innenstadt. Auf den Sitzbänken des Bärenplatzes liegt ein Transparent mit der Aufschrift «Tag der Rechte des Kindes». Passantinnen und Passanten sind zielstrebig in den Gassen unterwegs. Kinder sind noch keine zu sehen.
Flashmob mit Soundtrack
Am 20. November war der internationale Tag der Kinderrechte (mehr dazu: saiten.ch/kinder-haben-rechte-und-ideen). Vor 29 Jahren wurde an diesem Tag die Uno-Kinderrechtskonvetion verabschiedet. Artikel 13 garantiert die freie Meinungsäusserung und Artikel 15 die Versammlungsfreiheit. Von diesen beiden Rechten werden Kinder aus sechs Kindertreffpunkten in St.Gallen diesen Mittwoch-Nachmittag Gebrauch machen. Ein Flashmob ist angekündigt. Was genau geschehen soll, wurde natürlich nicht verraten.
Dann schallen erste Kinderstimmen durch die Multergasse, es wird laut und lauter, da kommen sie. Um die 60 Kinder – ganz genau lässt sich das nicht sagen bei dem hohen Grad an Bewegung – schwärmen auf den Bärenplatz. Mit sich schieben sie verschiedene gebastelte Figuren, sogenannte «Treffmobile», die mit Sprüchen verziert sind. Eimer mit Kreidestücken werden herumgereicht, das Transparent auf den Bänken emporgehoben, und auf den Signalton eines lauten Horns beginnen die Kinder den Boden auf dem ganzen Platz zu bemalen. Verwunderte Gesichter von Erwachsenen, wer jetzt hier durch will, muss sich vorsichtig einen Weg bahnen an knienden Körpern vorbei. Es entstehen Herzen, Häuser und Figuren, Kreise, Kronen und manchmal auch Sätze. Ein besonders schöner Wunsch lautet: «das Alle Glücklich sind».
Nach einer Viertelstunde ist die Aktion vorüber, die Kinder versammeln sich in Gruppen und laufen los in Richtung St.Leonhardspark, von wo es dann weiter zur Disco in den Jugendkulturraum Flon gehen soll. Ein paar Kinder haben Musik-Boxen mitgenommen und sorgen damit für den passenden Soundtrack. Auf dem nun farbigen Bärenplatz geht alles wieder seinen gewohnten Gang.
«Wir wollen unsere Rechte»
Organisiert wurde der Flashmob und die anschliessende Party von verschiedenen Treffpunkten der offenen Arbeit mit Kindern, wie zum Beispiel dem tiRumpel in der Lachen oder dem open house in St.Fiden. Und was haben die Kinder dazu beigetragen? «Im Gegensatz zu den verschiedenen Treffs, die ein partizipatives Angebot sind, wo Kids selber ihre Inputs einbringen können, haben wir Erwachsenen heute den Grossteil organisiert», sagt Samuel Roth von der offenen Arbeit mit Kindern. Der Tag solle ein Fest sein für die Jüngsten unserer Gesellschaft.
Das scheint es auch zu werden. Nach dem Umzug zum Park rennen die Kinder förmlich Richtung Flon, wo bereits Bassklänge auf die Strasse hinaus schallen. Im Raum selbst ein Bild, wie man es fast jedes Wochenende an diesem Kulturort sieht, nur sind die Gäste dieses Mal jünger und an der Bar gibt es keinen Alkohol.
«Es ging uns vor allem darum, dass die Kinder ihre Rechte feiern können und merken: Sie sind viele und ihnen gehört heute für kurze Zeit diese Stadt», sagt Kathrin Rieser vom Treffpunkt tiRumpel. «Und die Party soll natürlich etwas ermöglichen, was sonst nur für Jugendliche und Erwachsene angeboten wird.»
Die 12-jährige Emilie, sie selber besucht jede Woche den Treff im open house und war massgeblich an der Gestaltung des «Treffmobils» beteiligt, will das Ganze aber nicht nur als Fest verstanden wissen: «Ich will auch ein Zeichen dafür setzen, dass wir Kinder unsere Rechte wollen. Wir alle sollen in die Schule gehen dürfen, unsere Freizeit gestalten und eine Ausbildung machen können. Ausserdem soll niemand im Krieg leben müssen.» Sie sei zufrieden mit diesem Tag, sagt sie und verschwindet dann wieder im Getümmel.
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